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Veröffentlicht: 29.09.2012, 20:55 Uhr

Youtube-Hit „Gangnam-Style“ Reitstunde für Britney und Bruno

In Südkorea ist der Rapper Psy ein Star. Nun stürmt er die Charts der Welt - mit seinem Lied „Gangnam Style“ und einem völlig verrückten Tanz. Auf Youtube wurde das Video schon über 300 Millionen Mal angeklickt.

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© dpa Pferd mit Cowboy statt Känguruh

Popmusik aus Südkorea, kurz K-Pop und präsentiert von jungen, schlanken, perfekt durchgestylten Glitzer-Stars, ist schon seit Jahren in ganz Asien erfolgreich. Park Jae Sang aber ist anders. Der Rapper aus Seoul, 34, nennt sich „Psy“ (kurz für „Psycho“), er ist ein bisschen pummelig und vor allem ganz schön selbstironisch. In dem Video zu seinem aktuellen Lied „Gangnam Style“ tanzt er wie ein Cowboy auf einem Rodeopferd, hüpft und fuchtelt mit den Armen, schwingt ein imaginäres Lasso. Und mit ebendiesem Tanz ist ihm gelungen, was keiner der vielen K-Popper vor ihm geschafft hat: über die Grenzen Asiens hinaus einen Welthit zu landen.

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Mitte Juli veröffentlichte Park sein „Gangnam Style“-Video auf Youtube, und bis zu diesem Wochenende ist es mehr als 300 Millionen Mal angesehen worden. Mehr als zwei Millionen Menschen klickten den „Mag ich“-Button, womit es „Psy“ ins Guinnessbuch der Rekorde schaffte - noch vor Superstars wie Justin Bieber mit seinem Lied „Baby“ oder Adele mit „Rolling in the Deep“.

„Nach zwei Bier würde ich auch so tanzen“

Was ist da passiert? Woher rührt dieser außergewöhnliche Erfolg des Koreaners? Psys bizarrer Tanz, dazu die hämmernde, rhythmische Elektromusik scheinen Menschen weltweit in den Bann zu ziehen. In Amerika ist der Song ein Hit, in Österreich kam er auf Platz 2 der Hitliste, im belgischen Flandern auf Platz 2, in der Schweizer Hitparade auf Platz 5. „Nach zwei Bier würde ich auch so tanzen“, erklärt ein Fan seine Begeisterung. Eingängige Musik, ein komischer Tanz, den selbst der Unbegabteste kopieren kann - so überwindet Musik Grenzen.

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Und wie es im Internet so ist - wenn ein Song erst einmal so etwas wie Kultstatus errungen hat, läuft der Erfolg von alleine weiter. Auf Youtube gibt es inzwischen Tausende Parodien und lokale „Gangnam Style“-Abwandlungen: Amerikanische Navy-Kadetten tanzen in ihren weißen Uniformen, Hunderte Jugendliche veranstalten Flashmobs in Psy-Manier von Seoul bis Chicago, es gibt Wild-west-Adaptionen, „Gandalf Style“ und nordkoreanische Militärparaden zum Beat des Klassenfeinds aus dem Süden. Und auch Bruno Ganz aus dem „Untergang“ bellt den Superhit im Hitler-Style. Nelly Furtado tanzte zum Song auf ihrem Konzert, und Britney Spears ließ sich in einer amerikanischen Show die Schritte von Park Jae Sang persönlich erklären.

Park selbst hat mit seinem weltweiten Erfolg so wenig gerechnet wie sein Produzent, der in Südkorea bekannte Yoo Gun-hyung. Eigentlich sei das Video nur für den heimischen Markt gemacht worden, sagt er. Und natürlich steht es auch dort auf Platz 1 der Hitlisten. Zusammen mit seinen Choreographen, sagt Park, habe er nächtelang nach einer eingängigen Tanzbewegung gesucht - einen Singlemove. Bis zum Känguru hätten sie allerlei Getier durchprobiert - und seien beim Pferd gelandet, verbunden mit Cowboybewegungen.

Ironie, Humor und Parodie

Ein bisschen ist der Song Psys so, wie der Rap in seinen Anfangszeiten war. Hübsche Mädchen, Autos, dazu Psy, der komisch reitend durch das Viertel Gangnam in Seoul tanzt - gewürzt mit einer guten Prise Humor und deswegen nicht so aggressiv, wie moderner Rap gelegentlich ist. Mit „Gangnam Style“ macht sich Park auch über den Luxus der Neureichen Südkoreas lustig. Gangnam, was so viel bedeutet wie „südlich des Flusses“, wohnen in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul die Reichen und die Schönen. Die Preise für Wohnungen sind dort heute so hoch wie in Tokio - in einem Land, wo das Durchschnittseinkommen nur bei einem Drittel des japanischen liegt. Mit Reichtum wird in Südkorea gerne geprotzt. Und wer sich das nicht leisten kann, der tut wenigstens so. Luxus und Glanz, das ist die Welt von Gangnam. In diesem Umfeld sucht Psy im Lied die perfekte Freundin, die „ehhh sexy Lady“, wie es in einer der wenigen englischen Passagen heißt.

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