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Veröffentlicht: 16.10.2014, 16:51 Uhr

Xavier Naidoo Ein Sohn weniger

Seit Soulsänger Xavier Naidoo am 3. Oktober bei den rechtsextremistischen „Reichsbürgern“ in Berlin auftrat, gibt es in Mannheim große Zweifel, ob er zum Wohl der Stadt noch viel beitragen kann. Damit verliert die Stadt ihren prominentesten Werber.

von , Stuttgart
© dpa Xavier Naidoo bei einer Protestkundgebung der sogenannten Reichsbürger in Berlin

Xavier Naidoo und die Musikstadt Mannheim sind seit Jahren Synonyme. Wenn Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) ein Projekt auf dem früheren Kasernengelände der Amerikaner vorstellte, dann war der heute 43 Jahre alte Soulsänger ein willkommener Überraschungsgast. Naidoo setzte sich dann mit hell getönter Sonnenbrille und Schirmmütze neben die Politiker und erzählte, wie man aus der einst graugesichtigen Industriestadt einen Kreativstandort machen könnte. Naidoos erste Band hieß Mannheim, seine zweite Söhne Mannheims. Was kann einer Stadt Besseres passieren, als ein Maskottchen der Popszene zu haben?

Rüdiger Soldt Folgen:

Seit dem 3. Oktober gibt es in Mannheim große Zweifel, ob der Sohn südafrikanischer Eltern zum Wohl der Stadt noch viel beitragen kann. Am Tag der Deutschen Einheit trat der Sänger, wie er sagte, „um die Liebe zu repräsentieren“, auf einer Veranstaltung der „Reichsbürger“ in Berlin auf, einer vom Verfassungsschutz beobachteten rechtsextremistischen Organisation.

Naidoo kritisierte die Amerikaner. Wer die gängigen Erzählungen über den 11. September 2001 für wahr halte, schaue durch einen Schleier auf die Welt. Die Vereinigten Staaten hätten „ganz tolle Menschen“ nach Deutschland gebracht, aber ebenso Atomwaffen und Drohnen nach Ramstein.

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Der Berliner NPD-Vorsitzende befand sich unter Naidoos Zuhörern, das vorbestrafte Mannheimer NPD-Gemeinderatsmitglied rief Anfang dieser Woche zu einer Solidaritätskundgebung auf, die Polizei schickte am Dienstag einige Beamte in den Gemeinderatssaal. Den Kommunalpolitikern dämmert nun, dass sich ihr berühmter Sohn, die „Pumpgun des Allmächtigen“, ziemlich falsche Freunde gesucht hat. Der grüne Stadtrat Gerhard Fontagnier hält Naidoo als Projektpartner und Musikbotschafter nicht mehr für tragbar: „Die Konsequenzen sind gravierend. Wir müssen jetzt alle Verträge überprüfen. Denn Xavier Naidoos politische Aktivitäten sind für uns verheerend. Der neue Mediapark darf auf keinen Fall ein Zentrum der Reichsbürger werden.“

Großes Engagement für Stadt Mannheim

In mehreren Funktionen ist Naidoo für Mannheim engagiert: Er ist Dozent an der ersten deutschen Popmusikakademie. Er kündigte vor zwei Jahren an, auf dem Gelände der ehemaligen Benjamin-Franklin-Kaserne mit seinem Produzenten Michael Herberger den Musikcampus „Mediapark“ mit Studios und Probebühnen einzurichten. Der Autonarr Naidoo wollte auf den ehemaligen Taylor-Barracks außerdem einen Autohof einrichten, auch wenn selbst die Stadt nicht genau sagen kann, was es damit auf sich hat. Und schließlich unterstützt der Musiker, der die Quadratestadt, die Johannes-Offenbarung zitierend, schon einmal zum „neuen Jerusalem“ gemacht hat, auch die Bewerbung Mannheims als „Unesco City of Music“. Seine Lehrtätigkeit an der Popakademie ruht, die Stadtverwaltung prüft, ob und welche Verträge es überhaupt gibt.

Oberbürgermeister Kurz hält eine „gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit zur Darstellung der Stadt“ zurzeit für „nicht denkbar“. Kurz und Naidoo kennen sich seit mehr als zehn Jahren, deshalb will der Sozialdemokrat nicht alle Brücken abbrechen. Beide telefonieren regelmäßig. „Naidoo vertritt im Einzelnen radikal libertäre, antistaatliche Positionen, mit denen wir uns als Stadt in keiner Weise identifizieren können. Das wirft auch Fragen bezüglich der geplanten Konversionsprojekte auf. Wir müssen genau die Inhalte und die Partner dieser Projekte betrachten. Zu einer Bewertung möglicher Ergebnisse ist es zu früh“, sagte Kurz der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Jürgen Walter (Grüne), Staatssekretär im Wissenschaftsministerium, das für die Popakademie zuständig ist, heißt es gut, dass Naidoos Termine an der Hochschule abgesagt sind, bis mit dem Künstler über seine Aussagen gesprochen worden ist.

Politische Aussagen Naidoos sind nicht neu

Als vor Jahren ein homophober „Hidden Track“ des Sängers bekannt wurde und als er 2012 schon einmal behauptete, Deutschland sei kein souveräner Staat, drückten die Politiker mit dem Hinweis auf die künstlerische Freiheit ein Auge zu. Thorsten Riehle, Betreiber des Kulturzentrums „Capitol“, kennt Naidoo seit zehn Jahren. „Die Aussagen sind überhaupt nicht neu, das weiß jeder, der Xavier kennt. Er ist kein Nazi oder Rechtsextremist. Er glaubt, dass er als Christ auch auf Nazis zugehen muss. Neu ist, dass er sich bei den Reichsbürgern auf die Bühne gestellt hat“, sagt Riehle. Das sollte man auf keinen Fall trivialisieren.

Das Image der Musikstadt Mannheim müssen künftig andere Künstler aufhübschen. Vielleicht der Jazz-Trompeter Till Brönner oder die Frauenband Die Schönen Mannheims.

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