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Will Smith : „Nummer 1 der Charts zu sein macht mich nicht mehr glücklich“

  • -Aktualisiert am

Nur der Oscar fehlt ihm noch: Will Smith. Bild: Bestimage

Sein Ehrgeiz gilt inzwischen anderen Dingen, sagt Will Smith. Der Hollywoodstar über seinen persönlichen Mount Everest, die Flüchtigkeit des Seins, den Buddhismus, Liebeskummer, Ehe - und den Oscar.

          Will Smith sitzt in einer Suite eines Hotels in West Hollywood und kaut die letzten Bissen eines schnellen Mittagessens. Neben ihm sitzt eine Frau. Wie sich bei näherem Hinsehen herausstellt, ist es seine Partnerin Jada Pinkett Smith. Sie wolle nicht stören, betont sie und legt sich neben uns auf das große Sofa, um auf ihrem Smartphone E-Mails zu beantworten. Das wirkt eigenartig familiär, als sei man gerade zufällig in das Wohnzimmer der Smiths hereinspaziert.

          Seine Filme haben weltweit fast 6 Milliarden Dollar eingespielt. Das Einzige, was Will Smith karrieremässig noch fehlt, ist der Oscar. Anfang des Jahres stand er deswegen im Mittelpunkt der sogenannten „diversity debate“, einer Diskussion darüber, ob schwarze Künstler bei der Oscar-Verleihung von der weißen Mehrheit übersehen werden. Doch darüber will er nicht mehr sprechen. Das sei zu lange her, und jedes Wort zu diesem Thema könne ihm im Mund umgedreht werden. Akzeptiert.

          Stattdessen sprechen wir über seinen Vater (der leider nicht lange nach unserem Interview sterben wird). In seinem jüngsten Film, dem Drama „Verborgene Schönheit“, spielt Smith nun einen Mann, der sein Kind verliert, daran zerbricht und seinen Kummer mit Briefen an den Tod, die Zeit und die Liebe kompensieren will.

          Wenn wir dem Konzept Ihres Films folgen und Sie könnten jetzt einen Beschwerdebrief an den Tod, die Liebe oder die Zeit verschicken, wem würden Sie schreiben?

          Interessante Frage. Das ist wieder typisch deutsch. Immer mit Tiefgang ... (lacht). Aktuell würde ich gerade einen Brief an den Ärger schreiben. Denn ich glaube, Wut und Ärger verursachen in unserer Welt gerade mehr ernsthafte Probleme als Tod, Zeit und Liebe.

          Das könnte dann eine Fortsetzung des Films werden.

          Genau! „Wut, Toleranz und Mitgefühl“. So wird der Film heißen.

          Und Mel Gibson wird dann die Wut spielen?

          In diese Richtung werde ich Sie jetzt nicht begleiten, Kumpel. Das haben Sie gesagt... (lacht).

          Sie spielen einen Mann, der seine Tochter verloren hat. Wo haben Sie diese Emotionen in sich gefunden?

          Ich habe in meinem Leben auch geliebte Menschen verloren. Die Erfahrung war natürlich nicht so extrem wie in diesem Film, denn meine Großmutter war schon relativ alt, als sie gestorben ist. Als klar war, dass ich diese Rolle spielen würde, hatten Ärzte meinem Vater noch sechs Wochen zu leben gegeben. Mit dieser Diagnose bin ich in die Vorbereitungen für diese Rolle gegangen.

          Wie haben Sie das verarbeitet?

          Es mag seltsam klingen, aber letztendlich war es für mich eine wunderschöne Erfahrung. Denn ich konnte in dieser schweren Zeit in diese Rolle und die Welt von Elisabeth Kübler-Ross eintauchen. In ihrer Arbeit geht es um Leben und Tod. Ich konnte daraus gleichzeitig etwas für mein Leben und diese schwierige Phase lernen. Und ich konnte den Schmerz und all diese Gefühle mit dieser Rolle verarbeiten. Der Film kam für mich zum exakt richtigen Zeitpunkt. Und ich bin durch diese Zeit als Mensch und auch als Schauspieler gewachsen.

          Was genau haben Sie daraus gelernt?

          Durch die intensive Beschäftigung mit dem Tod hat Zeit für mich eine andere Bedeutung bekommen. Das hat irgendeine Tür in mir geöffnet. Und ich kann jetzt intensiver und tiefer lieben.

          Wie hat sich die Beziehung zu Ihrem Vater durch die Krankheit verändert?

          Wir sind uns noch näher gekommen, auf einer ganz anderen Ebene. Und dadurch, dass ich mich beruflich so intensiv mit dem Thema Tod beschäftigen musste, habe ich besser verstanden, was mein Vater in dieser Situation erlebt. Deshalb konnte ich viel mehr und ganz anders mit ihm fühlen. Und ich konnte diese Situation annehmen. Man weiß ja oft nicht so richtig, wie man damit umgehen soll, wenn ein geliebter Mensch, ein Familienmitglied todkrank wird. Das ist eine emotionale Ausnahmesituation, und in unserer Angst und Unbeholfenheit versuchen wir uns dem zu entziehen. Ich habe es nicht verdrängt und mich der Krankheit und dem möglichen Tod gestellt. Ich war präsent und offen für alles. Ich bin für meinen Vater da, der sich darauf vorbereitet, in eine andere Welt überzutreten.

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