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Veröffentlicht: 16.03.2017, 12:07 Uhr

Kabarettist Josef Hader „Zu dem Kasperletheater gehört der Kritiker“

Josef Hader über radikale Kabarett-Programme, Vorbilder von Woody Allen bis Dieter Hildebrandt, schlechte Schauspieler und seinen neuen Film „Wilde Maus“.

von
© Rainer Wohlfahrt Josef Hader, der 1962 in Oberösterreich geboren wurde und in Wien lebt, ist Kabarettist, Schauspieler und Autor. Bekannt wurde er unter anderem durch den Film „Komm, süßer Tod“ (2000).

Herr Hader, angenommen, wir hätten uns heute nicht zum Interview hier in Karlsruhe getroffen. Was hätten Sie dann gemacht?

Timo Frasch Folgen:

Ich wäre mit meinem Techniker zum Mittagessen nach Freiburg gefahren. Da trete ich heute Abend auf. Die Stadt ist schön. Als Jugendlicher durfte ich zwei Mal hin, weil ich einen Aufsatzwettbewerb gewonnen hatte, unter anderem zum Thema österreichische und deutsche Vergangenheitsbewältigung nach dem Zweiten Weltkrieg. In Freiburg geht man gern spazieren. Man schaut dort gern herum.

Im Unterschied zu Karlsruhe?

Da ist die Innenstadt auch schön. Da war ich gestern und hab' Text memoriert für den Auftritt am Abend. Ich hatte ja zuvor drei Monate lang keine Vorstellung mehr gespielt. Da ist es notwendig, dass man vorher den Text hört.

Aufnahmen vom eigenen Programm?

Genau, und zwar immer die letzten. Es bringt nichts, das Programm von vor fünf Jahren anzuhören, denn es entwickelt sich immer ein bisschen weiter.

Sind Sie dann mit dem Kopfhörer durch Karlsruhe gelaufen?

Ich bin nochmal das Programm durchgegangen. Ich bin also murmelnd durch die Stadt gelaufen.

Haben Ihnen die frühen Aufsatzerfolge geholfen, bei den Eltern Verständnis für lhren künstlerischen Weg zu wecken?

Meinen Eltern war wichtig, dass man in der Schule vorangekommen ist. Die anderen Dinge, dass ich Redakteur der Schülerzeitung war, dass ich Theater gespielt habe, wurden wohlwollend, aber als Hobby betrachtet. Als ich dann beschloss, Kabarettist zu werden, war das für meine Eltern nicht leicht. Sie waren Bauern, Nachkriegsgeneration. Und sie hatten die nicht ganz weltfremde Ansicht, dass es bei vielen Künstlern schwierig ist mit dem Geld.

© dpa, Majestic-Filmverleih Kinotrailer: „Wilde Maus“

Bei Ihnen hat es gut geklappt.

Ich kann mich noch gut erinnern, als ich meine radikaleren Programme gespielt habe, in der Nähe von meinem Heimatort, da waren dann ein paar Leute vom Kirchenchor in der Vorstellung. Als die danach meiner Mutter vorgehalten haben, was ich für schlimme Dinge auf der Bühne veranstalte, hat sie ganz kühl gesagt: Er verdient ein recht gutes Geld damit.

Wenn Sie heute mit dem Auto in die Heimat fahren, ertappen Sie sich dann manchmal bei dem Gedanken, jetzt kehrt der große Sohn des Dorfs nach Hause zurück?

Ich komme ja nie ins Dorf nach Hause, sondern immer nur auf unseren Bauernhof, den heute mein jüngerer Bruder betreibt.

Der Hof steht allein?

Ja. Das hat das Selbstverständnis meiner Familie nachhaltig geprägt. Wir hätten alles dafür getan, um nicht im Dorf wohnen zu müssen, weil wir nicht haben wollten, dass uns andauernd wer auf die Finger schaut. Die einzige Alternative dazu ist für mich die Großstadt, Wien, da kann man genauso unbeachtet sein wie auf einem einzelnen Bauernhof.

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Kennen Sie ein Gefühl der Genugtuung, etwa gegenüber Ihren früheren Mitschülern, von denen Sie im Kindesalter verhauen wurden?

Nein, nein, mit denen bin ich schon lange gut. Das war ja nicht ihr Problem, das war meines, dass ich von einem Einzelhof gekommen bin und mit Gleichaltrigen überhaupt nicht sozialisiert war.

Was hatte das für Auswirkungen?

Wahrscheinlich habe ich gepetzt. Da kriegt man dann halt eins auf die Mütze.

Dass die Verwandtschaft in Ihren Programmen vorkommt, wurde das auf Familienfeiern mal problematisiert?

Das war ja vor allem ein Programm: „Privat“. Da war ich mit 32 schon fast zehn Jahre hauptberuflich Kabarettist – und die Familie einiges gewohnt.

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