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Veröffentlicht: 04.08.2016, 14:24 Uhr

„Bilder schlecht entworfen“ Wie zwei Designer die Berliner U-Bahn verschönern

Zwei Berliner Designer stören sich an den hässlichen Brandenburger-Tor-Stickern in Berliner U-Bahnen. Ihre Lösung: Das Guerilla-Projekt „Fix Brandenburger Tor“.

von
© fixbrandenburgertor.com Wrong vs. Fixed: Die BVG-Version des Brandenburger Tors und die der Designer von „Fix Brandenburger Tor“

Sie haben sich zu zweit zusammengetan unter dem Namen „Fix Brandenburger Tor“, weil Ihnen die Abbildung des Berliner Wahrzeichens auf den Aufklebern der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) nicht gefällt, die in den Berliner U-Bahnen angebracht sind. Deshalb haben Sie sogar ein alternatives Design entworfen. Was stört Sie an der Version der BVG?

Christoph Strauch Folgen:

Uns stört, dass die Bilder sehr schlecht entworfen sind: Die Linien sind nicht verbunden, und die Säulen sind perspektivisch total misslungen, das kann jeder sehen! Man muss sich das einmal vorstellen – in Berlin, das bei Künstlern und graphischen Designern einen Weltruf hat. Und in einem Land wie Deutschland, ebenfalls weltweit bekannt für Perfektionismus und Präzision. Da fragt man sich, wie so etwas mit einem unserer wichtigsten Postkartenmotive passieren kann?! Wir lieben Berlin und seine U-Bahn, und deshalb wollen wir das in Ordnung bringen.

Seit wann gibt es die Aktion, und wie hat das Ganze begonnen?

Alles begann mit einer Diskussion zwischen zwei Freunden vor sieben Monaten. Bald wurde uns klar, dass noch viel mehr Leute unzufrieden waren mit der Darstellung des Brandenburger Tors, von dem die U-Bahn-Fenster ja übersät sind. Deshalb beschlossen wir, etwas zu tun: Durch einige Nachforschungen fanden wir heraus, dass Designer schon vor ein paar Jahren den BVG ihre eigenen Entwürfe geschickt hatten, allerdings ohne Erfolg: Sie bekamen einfach keine Antwort. Und um denselben Fehler zu vermeiden, mussten wir uns klar machen, dass ein neues Design allein nicht ausreichen würde – sondern dass es auch auf das Engagement der Leute ankommt. Und das scheint zu klappen...

Wen wollen Sie mit der Aktion erreichen? Die Verantwortlichen der BVG, damit diese das Design ihrer Aufkleber anpassen – oder die Berliner, damit die ein Zeichen als Stadt setzen?

Die Botschaft ist an die Verantwortlichen bei den BVG gerichtet. Wir möchten ihnen zeigen, dass ein besseres Design möglich ist und dass vielen Berlinern das am Herzen liegt. Gleichzeitig brauchen wir natürlich auch die Stimme dieser Leute, um etwas zu erreichen. Deshalb haben wir ihnen das Handwerkliche überlassen. Letztlich ist die ganze Aktion sowohl mit den BVG als auch mit den Leuten verbunden. Wenn jemand einen Aufkleber am Fenster sieht, dann sagt er: „Hey, ich will jetzt das Brandenburger Tor reparieren.“ Es ist wie eine Abstimmung. So geht Demokratie. So geht Internet.

Welche Resonanz haben Sie erfahren, und wie nehmen das die Berliner auf?

Der erste Stapel von 10000 Aufklebern ist raus, wir bestellen aber schon mehr wegen der vielen Anfragen, also keine Sorge! Klar, es gibt wie überall sonst im Leben Leute, die dagegen sind – aber die machen nicht einmal fünf Prozent aus. Generell ist die Riesenzahl an Nachrichten positiv und pro-aktiv.

Hat es bislang irgendwelche Reaktionen von Seiten der BVG gegeben?

Eigentlich kaum. Die beste Begegnung gab es auf Twitter, als sie wissen wollten, ob wir ihnen alle unsere Aufkleber schicken könnten. In nicht einmal fünf Minuten hatten wir auch schon eine Datei mit unseren Bildern per WeTransfer rübergeschickt, zusammen mit der Antwort: „Klar! Ab jetzt könnt ihr unendlich viel davon drucken!“ Sie haben es aber nicht runtergeladen, warum auch immer.

Auf Facebook bieten Sie den Versand von 100 Aufklebern an – kostenlos. Können Sie das aus eigener Kraft stemmen?

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Ja, die Aufkleber sind kostenlos, weil wir sie aus der eigenen Tasche bezahlen. Das ist der einzige finanzielle Aufwand, den wir haben. Und es sind noch 10000 weitere Aufkleber im Anmarsch. Bei Strategie, Design, Programmierung und so weiter haben wir mit anderen Leuten zusammengearbeitet, die ebenfalls das Brandenburger Tor in Ordnung bringen wollten. Wir hoffen, wir packen das.

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