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Veröffentlicht: 01.03.2017, 10:29 Uhr

Prominente ziehen sich zurück Wie Scientology die Mitglieder davonlaufen

In den Fünfzigern eröffnete L. Ron Hubbard die Jagd auf Hollywood-Prominente. Doch die guten Zeiten sind vorbei. Inzwischen hat der große Exodus eingesetzt. Über den Niedergang der selbsternannten „Kirche“.

von Christiane Heil
© action press Nie unbeobachtet: Celebrity Centre der sogenannten Church of Scientology

Wer dieser Tage das Celebrity Centre der Scientologen in Hollywood betritt, steht unter ständiger Beobachtung. Der uniformierte Wachmann, der die Schwingtür zu dem früheren Château Élysée öffnet, einem Gebäude im Stil eines französischen Schlosses aus dem 17. Jahrhundert, fragt wie beiläufig nach dem Wohnort und dem Namen. An der holzgetäfelten Rezeption übergibt er den Gast an die Empfangsdame.

 
Wie Scientology die prominenten Mitglieder davonlaufen

„Sind Sie zum ersten Mal hier? Möchten Sie eine Führung?“, fragt die Mittzwanzigerin. Die Antwort, nur im Café am Rosengarten der Anlage einen Cappuccino trinken zu wollen, stößt auf taube Ohren. Nach dem ersten Schluck aus dem Pappbecher steht schon Luke am Tisch.

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Er sei hier, um der Besucherin das siebenstöckige Anwesen zu zeigen, das in Los Angeles auch „Château Scientology“ genannt wird. Fragen nach den prominenten Gästen des Celebrity Centre weicht er aus. Hatte Katie Holmes das Centre vor der Hochzeit mit Tom Cruise nicht fast täglich besucht, um sich in die Lehre des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard einführen zu lassen? Und welche Stars stehen jedes Jahr für die traditionelle Weihnachtsshow an der Franklin Avenue auf der Bühne? Aber zu Celebritys, die von Hubbard früher als „Communicators“ seiner Ideen zu dem galaktischen Herrscher Xenu gepriesen wurden, sagt Luke nichts.

„Prominente sind zu einer Last für Scientology geworden“

„Prominente sind zu einer Last für Scientology geworden. Viele verlassen die Kirche“, sagt der Blogger Tony Ortega über die Zurückhaltung. Der amerikanische Journalist, der auf seiner Website „The Underground Bunker“ täglich über die Organisation berichtet, hatte im Sommer 2013 als Erster den Bruch der Schauspielerin Leah Remini mit der Organisation vermeldet. Die New Yorkerin kehrte Scientology damals scheinbar unerwartet den Rücken, um ihrer neun Jahre alten Tochter Sofia Verhöre mit Hilfe des „E-Meters“, einer Art Lügendetektor zur Aufdeckung persönlicher Schwächen, zu ersparen.

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Wie Tony Ortega sagt, gärte der Zwist aber schon seit Jahren: „Leahs Ernüchterung über die Kirche setzte bei der Hochzeit von Tom Cruise im November 2006 ein. Sie eckte damals mit Fragen nach Shelly Miscavige an, der Ehefrau des Scientology-Führers David Miscavige.“ Obwohl Shelly Miscavige dem „Mission: Impossible“-Darsteller angeblich geholfen hatte, Katie Holmes bei einer als Casting kaschierten Brautschau kennenzulernen, fehlte sie bei der Hochzeitsfeier auf Schloss Odescalchi bei Rom.

„Die Reaktion der Kirche, als sie nach Shelly fragte, schockierte Leah“, erinnert sich Ortega. Auf angebliche Beschwerden einiger Gäste folgte eine Abmahnung durch die Scientology-Führung. Eine Vermisstenanzeige, die Remini im Sommer 2013 für Michele „Shelly“ Miscavige aufgab, wurde als unbegründet abgetan. „Das Ganze stellte einen weiteren bizarren Versuch durch Frau Remini dar, den Führer der Kirche und seine Frau zu belästigen“, wetterten die Scientologen ungewohnt öffentlich gegen die Schauspielerin.

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