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Lottomillionäre : Wer das Glück fängt, der hat’s

Eine kleine Zahlenkombination, die das Leben für immer verändert. Bild: dpa

Eine Durchschnittsfamilie vom Dorf, plötzlich gewinnt die Frau im Lotto. Erst kauft sie Champagner. Dann kommt die Angst: Wie geht man mit diesem Geldsegen um?

          Daheim, auf dem Dorf, irgendwo im Schwäbischen, trägt sie einfach Jeans und T-Shirt. Bloß keine Markensachen, Kaufhausware, am besten reduziert. Sie war nie eine dieser Etepetetefrauen, die sonntags in die Kirche gehen, um ihre Kleider vorzuführen. Auf dem Dorf läuft es so: „Wenn man was Schönes anhat“, sagt sie, „heißt es gleich: Die kann sich’s ja leisten.“ Sie will keine Häme. Sie will keinen Neid. Sie will, dass die anderen ihr glauben, dass sie immer noch eine von ihnen ist.

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Hemdbluse von Hilfiger aus weißem Leinen, die 100 Euro gekostet hat und so hübsch ihr gebräuntes Gesicht mit den hellen Augen betont, trägt sie deshalb nur in der nahe gelegenen kleinen Stadt. Sie hat sich dort eine Wohnung gekauft, zwei Zimmer, eine maßgeschneiderte Küche, Balkon. Sie nimmt Englischunterricht und trainiert im Fitnessstudio. Wenn sie in ihrer weißen Bluse durch die gewundenen Gassen schlendert, vorbei an Straßencafés auf kopfsteingepflasterten Plätzen, voll mit Menschen, die sie nicht kennt, fühlt sie sich herrlich frei. Daheim, auf dem Dorf, versorgt sie ihren Mann und zwei Töchter in den letzten Schuljahren. In der Stadt geht sie essen. Salat mit Hähnchenbrust und Senf-Honig-Dressing. Sie sieht zufrieden aus. Die Rechnung, bitte. Ihre Hände, vorzeitig welk von jahrzehntelanger Hausarbeit, umfassen ihr Portemonnaie, als hielten sie einen Schatz.

          Ihre Stadtwohnung, eingerichtet in einem modisch kühlen Mix aus Schwarz, Grau und Weiß, hat sie mit gerahmten Sinnsprüchen aus dem Möbelhaus dekoriert: „Happiness is not a destination, it is a way of life“ oder „Behind every successful woman is herself“. Sie lernt schließlich Englisch. Ihre Lieblingsweisheit, die das Wunder in ihrem Leben auf poetische Weise erklärt, gab es nur auf Deutsch: „Das Glück fliegt, wer es fängt, der hat’s.“

          Frage nach dem Glück

          Fragt man sie, ob sie heute glücklicher sei als vor fünf Jahren, denkt sie zunächst eine Weile nach. „Sagen wir mal so“, antwortet sie dann. „Es beruhigt einfach. Wenn ich jetzt mein Auto kaputtfahre, habe ich das Geld, mir ein neues zu kaufen. Aber es ist nicht nur Freude gewesen. Freud und Leid liegen ganz nah beieinander.“

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          Immer dieselben Zahlen, vier Kästchen, dazu die Zusatzlotterien Spiel 77 und Super 6: Fast zwei Jahrzehnte lang hat sie Lotto gespielt, nicht immer, aber durchaus alle 14 Tage. Im Lauf der Jahre stieg die Gebühr von 3,50auf 5,50Euro. Die Schwiegermutter flachste, man gewinne jede Woche, wenn man sich den Einsatz spare. Sie zuckt mit den Schultern. „Es war erschwinglich“, sagt sie. „Ich konnte es mir damals leisten. Und ich wollte es wissen. Ich war schon immer ein Spieler. Es war so ein Reiz: Vielleicht klappt es ja diese Woche. Vielleicht hast du irgendwann mal Glück.“

          Als sie erfuhr, dass sie tatsächlich gewonnen hatte, jubelte sie nach allen Regeln der Kunst, bevor sie überhaupt wusste, um welchen Betrag es ging. Die erste Flasche Champagner ihres Lebens. Ihr Mann und sie stießen mit der Verwandtschaft an. Ihre besten Freundinnen wollte sie zum Essen einladen, man fuhr in ein gutes Restaurant. Weil die Küche zu hatte, gab es Brezeln. Sie muss heute noch darüber lachen. Kurz darauf stellte sich heraus, dass sie 2,6Millionen Euro gewonnen hatte. Ihr war schleierhaft, was das hieß, wie viel man sich von diesem Betrag leisten konnte und wo man damit an Grenzen stieß. Trotzdem hätte sie am liebsten sofort eine Riesenparty geschmissen. „Jetzt lädst du alle ein“, dachte sie in ihrem Überschwang. „Jetzt bezahle ich allen alles.“ Ihr Mann jedoch bremste. „Das darf keiner wissen“, warnte er.

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