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Freimaurer : Nicht ganz geschlossene Gesellschaft

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Bühne frei: Die Frankfurter Loge „Zur Einigkeit“ öffnet ihren großen Saal – wenn nicht gerade eine Zeremonie stattfindet. Bild: Wonge Bergmann

„Verschwörer“, „Okkultisten“, „Sektenmitglieder“: Freimaurer hatten über Jahrhunderte keinen guten Ruf. Heute öffnet sich der diskrete Bund der Öffentlichkeit.

          Ganz in Blau ist der Saal gehalten, abgedunkelt mit Samtvorhängen. Deckenleuchten tauchen den Raum, der sonst von Kerzen erhellt wird, in warmes Licht. Am Ende des Saals, den die Brüder „Tempel“ nennen, führen drei Stufen zum „Tisch des Meisters“. Hinter ihm thront für gewöhnlich der „Meister vom Stuhl“, der Vorsitzende der Freimaurerloge. Während einer Zeremonie wird auf dem Parkettboden in der Mitte des Raums der blaue Arbeitsteppich ausgelegt, auf dem die Insignien und Symbole der Freimaurer abgebildet sind: Senkblei, Zirkel, Sonne, Mond und der salomonische Tempel.

          Draußen vor der Tür verrät nur das Klingelschild, dass hinter der prunkvollen Sandsteinfassade einer wilhelminischen Stadtvilla im Frankfurter Bahnhofsviertel die Mitglieder der Freimaurerloge „Zur Einigkeit“ jeden Mittwoch zum Ritual und zur Diskussion zusammenkommen.

          Die Freimaurerei ging im Mittelalter aus Steinmetzbruderschaften hervor, also den Vereinigungen der Kunsthandwerker (englisch „Freemasons“), die von dem Bau der Kathedralen lebten. Sie trafen sich in Logen, um ihr Brauchtum und ihr Fachwissen auszutauschen und zu konservieren. Um dieses Wissen vor der Konkurrenz zu schützen, verpflichteten sich die Handwerker zur Verschwiegenheit. Diskretion ist auch heute noch die  Maxime der Freimaurer.

          In der Frühzeit der bürgerlichen Gesellschaft zogen die Logen nach und nach auch Adelige und Bürgerliche an – unter ihnen Gelehrte, Kaufleute und Beamte. Offizielles Gründungsdatum der „modernen“ Freimaurerei ist der Zusammenschluss von vier englischen Logen zur „United Grand Lodge of England“ am 24. Juni 1717. Die Freimaurerei wird nun zu einer weltumspannenden Bruderkette, deren Mitglieder sich für die Abschaffung des Absolutismus, für Demokratie und die Anerkennung der Menschenrechte, das Ende der Sklaverei und moderne Nationalstaaten einsetzten. Berühmte Freimaurer waren etwa Friedrich der Große, sein Brieffreund Voltaire, George Washington und Kurt Tucholsky.

          „Arbeit am rauhen Stein“

          Noch heute verstehen sich die Brüder als Mitglieder eines humanistischen Bundes, der aufklärerische Grundwerte wie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und Toleranz verficht. Seit vor rund 275 Jahren die erste Loge in Deutschland gegründet wurde, sind etliche hinzugekommen. Etwa 14.500 Freimaurer zählen die insgesamt 470 deutschen Logen heute. Alleine in Frankfurt gibt es sieben.

          Lange handelten sie im Verborgenen, doch mittlerweile öffnen sie sich und machen ihr Wirken transparent. Diese Offenheit zeigt sich auch in der Loge „Zur Einigkeit“: Besucher sind willkommen, auch wenn man einem Ritual weiterhin nicht beiwohnen darf. Sind die Freimaurer unter sich, tragen sie schwarze Anzüge und weiße Handschuhe, um die Hüften haben sie den Maurerschurz gebunden. Der „Meister vom Stuhl“ trägt zusätzlich den „hohen Hut“, einen schwarzen Zylinder.

          „Meister vom Stuhl“: Friedhold Andreas

          An diesem Abend aber empfängt Friedhold Andreas den Besucher in schwarzem Nadelstreifenanzug und weißem Hemd, mit roter Krawatte und passendem Einstecktuch. Der Vereinsvorsitzende mit dem gepflegten Vollbart und der schwarzen Brille ist seit vier Jahren Logenmitglied. „Wir haben die Öffentlichkeit nie gescheut“, sagt der Mittfünfziger, während er durch den Neo-Rokoko-Ballsaal mit gebohnertem Parkettboden und hoher Stuckdecke führt. Regelmäßig veranstalten die Brüder Gästeabende und öffnen ihre Räume bei den „Bahnhofsviertelnächten“ für Besichtigungstouren. „Dort kann jeder fragen, wer wir sind und was wir tun.“

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