http://www.faz.net/-gum-94vxq

Plötzlich berühmt : „Die Leute rufen: BBC-Dad ist hier!“

Die Kellys nach der Pressekonferenz, die sie wenige Tage nach dem Vorfall in Busan gaben – natürlich zu viert. Bild: dpa

Es war die süßeste und lustigste Fernseh-Panne des Jahres, als ein Interview des Korea-Experten Robert E. Kelly von dessen Kindern gesprengt wurde. Wie geht es der Familie heute?

          Bis zum 10. März 2017 war Robert E. Kelly, ein amerikanischer Politikwissenschaftler, der mit seiner südkoreanischen Frau Jung-a Kim und zwei kleinen Kindern in Busan lebt und an der dortigen Universität lehrt, als Korea-Experte dem ein oder anderen Politikinteressierten bekannt. Am Ende jenes Tages waren er und seine Familie weltberühmt. Zu verdanken hat Kelly, 45, dies der nicht abgeschlossenen Tür zum heimischen Büro und seinen Kindern, die, während der Vater via Skype der BBC ein Interview über die südkoreanische Politik gab, nacheinander ins Zimmer spazierten: erst, beschwingt hin und her wippend, die vier Jahre alte Marion, dann mit seiner Laufhilfe der neun Monate alte James – schließlich gefolgt von ihrer rasant ins Zimmer rutschenden Mutter, die die Kleinen in hektischer Entschlossenheit fort vom Papa und von den Bildschirmen dieser Welt zog.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Millionen und Abermillionen haben sich den 44 Sekunden kurzen Filmausschnitt angeschaut: die so prägnante wie amüsante Kurzdokumentation einer gescheiterten Vereinbarung von Arbeit und Familie, welche die Kelly-Family zu globalen Medienlieblingen machte. Was war das für ein Jahr für sie, wie geht es ihnen heute? Wir haben bei Robert E. Kelly in Südkorea angerufen.

          Professor Kelly, schön, mit Ihnen zu sprechen. Darf ich fragen, wo sich gerade Ihre Kinder befinden?

          Sie sind im Haus von Freunden, die sie babysitten. Meine Frau und ich waren in einem Geschäft und fahren jetzt nach Hause. Es ist nur ein Telefonat, nicht das Fernsehen, deshalb kann ich das vom Auto aus machen.

          Was Ihnen im März passiert ist, haben Sie selbst in einem Rückblick auf das Jahr in Korea mit den folgenden Worten beschrieben: „Und ein dahergelaufener, bekloppter Ausländer wurde berühmt, weil seine süßen Kinder ins Bild liefen, während er im Fernsehen war. Ernsthaft, warum haben sie den Kerl nicht gefeuert?“

          Das war nur ein Witz, ich wollte mich darüber lustig machen. Die Leute möchten immer noch darüber reden, sie rufen mich noch immer an. Es ist nur irgendwie lächerlich, dass ich als jemand, der sich beruflich mit Nordkorea und der Sicherheit in Asien befasst, berühmt wegen meiner Kinder bin. Ich bin aber beeindruckt, dass Sie das gelesen haben, danke dafür! Ich weiß nie, wie viele Leute meine Sachen lesen, ob es fünf sind oder 5000.

          Direkt nach dem Interview, auch das haben Sie geschrieben, fühlten Sie sich beschämt. Wie lange hat es gedauert, bis Sie merkten, dass das, was auf den ersten Blick wie ein Desaster wirkte, für viele Menschen ein geradezu magischer Moment war?

          Das Ganze ist abends gegen 18 Uhr passiert. Die ersten paar Stunden danach hatten wir geglaubt, ich würde niemals wieder vom Fernsehen befragt werden. Ich hatte schon zuvor missratene Interviews erlebt, aber dieses hier war das allerschlimmste überhaupt. Ich bin nicht besonders aktiv in den sozialen Medien, aber ich nutze sehr viel Twitter, um auf meine Texte aufmerksam zu machen, und plötzlich bekam ich permanent Benachrichtigungen – und das hörte und hörte nicht auf. Gegen zehn oder elf Uhr abends haben wir erkannt, dass die Sache viral ging und ziemlich außer Kontrolle geriet. Dann rief uns die BBC an und fragte, ob sie das Video online stellen dürfte, und wir führten mit ihnen ein langes Gespräch über Rechte, Lizenzen und den Schutz unserer Kinder.

          Wissen Sie, wie oft sich die Menschen bis heute den Ausschnitt aus dem Interview angesehen haben?

          Als ich zuletzt von jemandem aus der BBC etwas darüber hörte, war die Rede von ungefähr einer Milliarde Mal.

          Das ist unheimlich.

          Ja. Etwa 200 Millionen Mal auf Facebook, noch einmal 200 bis 300 Millionen Mal auf Youtube, was auch immer ... ich weiß nicht, ob die Zahlen stimmen. Wenn ich auf Konferenzen den Raum betrete, rufen die Leute: „Oh, BBC-Dad!“ Jeder weiß, wer ich bin. Sie haben alle das Video gesehen.

          Wie ist Ihre Familie mit dem plötzlichen Ruhm klargekommen?

          Weitere Themen

          Historisches Doppel Video-Seite öffnen

          Nord- und Südkorea vereint : Historisches Doppel

          Yoo Eun-Chong aus Nordkorea beschreibt ihre Gefühle nach dem Doppelsieg mit dem Südkoreaner Choi Hae-Sun. Seit dem Korea-Gipfel im April nähern sich beide Nationen auch im Sport an.

          Topmeldungen

          Wegen Trump und Putin : Republikaner in der Zwickmühle

          Die Äußerungen von Donald Trump in Helsinki haben nicht nur Europäer beunruhigt, sondern auch Mitglieder seiner eigenen Partei. Die haben einen großen Teil ihres Problems allerdings selbst zu verantworten.

          Kolonialdorf in Afrika : An einem Ort vor unserer Zeit

          In einer britischen Kolonial-Villa in Sambia träumen Schwarz und Weiß nach wie vor von einer besseren Welt. Es ist ein Ort, der den Sinn für die Zeit verwirrt. Zu Besuch in Shiwa Ngandu.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.