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Veröffentlicht: 15.05.2017, 13:04 Uhr

Wahlkampf im Internet Im Neuland angekommen


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Robert Heinrich, Wahlkampfmanager der Grünen, sagt dazu: „Im Internet werden regelmäßig Lügen über uns verbreitet. Dagegen müssen wir uns wehren.“ Die AfD habe zum Beispiel mal ein gefälschtes Grünen-Plakat online gestellt, auf dem stand: „Keine Deutschen. Kein Rassismus.“ Dazu Heinrich: „Da haben wir uns dann in einem Kommentar gewehrt und die ,Grüne Feuerwehr‘ gebeten, diesen Kommentar möglichst oft zu liken und eine Art ,Greenstorm‘ zu starten. Drei Stunden später war der AfD-Beitrag gelöscht.“

Ein Kampf gegen Geister

Warum er das für legitim hält, wo es doch immer wieder massive Kritik an Initiativen gibt, die digitale Schwärme gezielt für Propaganda einsetzen? „Wir nutzen die Feuerwehr, um uns gegen Angriffe zu verteidigen“, sagt Heinrich. „Wir haben online ein Problem mit rechter Hetze. Das sind hochaktive Gruppen, die sich offenbar die Zeit nehmen, richtige Kampagnen gegen uns zu fahren. Und wir können uns nicht einfach verprügeln lassen.“ Facebook sei „wie der Wilde Westen“, der Sheriff sei überfordert, und die Ganoven machten, was sie wollten. „Solange es keine Instrumente gegen Fake News gibt, müssen wir uns selbst helfen.“

46401922 © dpa Vergrößern Mitglieder der Jungen Union im März in Berlin auf der Spree gegenüber der Veranstaltungshalle für den SPD-Sonderparteitag: „Hey #Gottkanzler! Wenn Du übers Wasser laufen kannst, komm rüber!“

Es ist oft ein Kampf gegen Geister. Fake News werden nämlich nicht selten von sogenannten Social Bots verbreitet; das sind täuschend echte Fake-Accounts auf Twitter und Facebook, die Profilbilder, Follower und Freunde haben, eigentlich aber nur automatisiert auf bestimmte Schlagworte reagieren oder Nachrichten verbreiten.

Recherchen von FAZ.NET ergaben Anfang Februar, dass ein riesiges Netzwerk auf Facebook, das die AfD unterstützte, von einigen zentralen Fake-Accounts gesteuert wurde. Mitte April dann deckte der „Tagesspiegel“ auf, dass der größte AfD-nahe Twitter-Account mit fast 300.000 Followern weitgehend simuliert ist und lange als Fake-Account operierte. Im amerikanischen Wahlkampf war 2016 laut einer Untersuchung der Universität Oxford nach dem ersten Fernsehduell mehr als jeder dritte Tweet für Trump computergesteuert.

Followerzahlen sind keine Stimmen

Bei der Rede von Angela Merkel auf dem CDU-Parteitag im Dezember kamen zehn Prozent der Beiträge auf Twitter von Social Bots, so das ehrenamtliche Projekt „Botswatch“. Ein Netzwerk, das vor der Wahl in Amerika Trump unterstützt habe, sei danach kurz ruhiger geworden, um dann in Deutschland auf Merkel angesetzt zu werden, beobachteten die Experten.

46401434 © dpa Vergrößern Die „Junge Union“ bringt auch Angela Merkel ins Netz.

Die Gründerin von Botswatch, Tabea Wilke, sagt: „Aktuell sehen wir Twitter-Accounts, die versuchen, gezielt die Bundestagswahl zu beeinflussen.“ Ziel sei zum Beispiel, Stimmungen und Parteien stärker erscheinen zu lassen, als sie eigentlich seien. Das sei auch eine Erklärung für den vermeintlichen Erfolg der AfD in den sozialen Medien. „Verstärker“ nennt Wilke die Bots auch.

Spätestens am Wahlsonntag wird aber meist klar: Followerzahlen sind keine Stimmen. Der Überraschungssieger der CDU in Schleswig-Holstein, Daniel Günther, hat gerade mal rund 700 Follower auf Twitter. Aber auch er arbeitete mit digitalen Hilfsmitteln: Dank „Connect17“ konnte er an 2500 Türen persönlich klingeln, hinter denen das Programm CDU-affine Wähler vermutete.

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