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NS-Widerstand : Ein hoher Preis für Mut

  • -Aktualisiert am

„Vielleicht hätte ich mehr machen können“: Liselotte Hein in ihrer Wohnung in Berlin-Wilmersdorf Bild: Andreas Pein

Lieselotte Hein gehörte zu einer Gruppe, die im Nationalsozialismus Widerstand leistete. Als es zum Prozess kam, hatte sie Glück. Ein Film erinnert nun an die Gegner der Tyrannei.

          Sie hätte mutiger sein können. Das denkt Lieselotte Hein auch heute noch gelegentlich. „Vielleicht, ja vielleicht hätte ich mehr machen können“, sagt die Dreiundneunzigjährige nachdenklich. Sie hebt die Hände und lässt sie wieder sinken. „Aber dafür war ich zu feige.“ Sie hat mehr gewagt als die meisten anderen in einer Zeit, in der es schon lebensgefährlich sein konnte, Radio zu hören oder mit Freunden zusammen zu sein.

          Die Nationalsozialisten brachten schon früh Unfrieden in ihre Familie in Berlin. Ihr acht Jahre älterer Bruder war glühender Anhänger, die Eltern waren skeptisch. Als der Vater es dem Achtzehnjährigen verbot, die Hakenkreuzfahne auf dem Balkon der Wohnung im dritten Stock zu hissen, drohte er, sich hinabzustürzen. Die Schülerin Lieselotte mochte die braunen Uniformen nicht und weigerte sich, dem Bund Deutscher Mädel (BDM) beizutreten. Als sie begann, in Marburg Chemie zu studieren, stieß es sie ab, wie präsent der nationalsozialistische Geist an der Universität war: „Viele Studenten und Professoren sind in Uniformen erschienen, bei allem war der Führer anwesend.“

          Sie wechselte nach München und fühlte sich dort wohler. Es war das Refugium von Professor Heinrich Otto Wieland, Nobelpreisträger und überzeugter Nazi-Gegner. Bei ihm konnte auch noch weiterstudieren, wer von den Nazis als „Halbjude“ bezeichnet und überall in Deutschland von den Universitäten geworfen wurde. Einer von ihnen war der aus Hamburg stammende Hans Leipelt. Gleich nach dem Abitur war er für Deutschland in den Krieg gezogen und mit dem Eisernen Kreuz dekoriert worden. Trotzdem wurde er als „Halbjude“ aus der Wehrmacht ausgeschlossen.

          Eine kleine kritische Gemeinschaft

          Hans und Lieselotte waren Tischnachbarn. Sie hörten die Rede von Gauleiter Paul Giesler im Deutschen Museum, in der er die Studentinnen dazu aufforderte, statt zu studieren, lieber dem Führer ein Kind zu schenken. Studentinnen, die aus Protest das Gebäude verlassen wollten, wurden vorübergehend festgehalten. Lilo Hein und Hans Leipelt merkten schnell, dass sie sich politisch und menschlich verstanden. Zusammen mit dem Kommilitonen Valentin Freise und Hans’ Freundin Marie-Luise Jahn bildeten sie eine kleine kritische Gemeinschaft. Es war die Zeit, in der die Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ schon länger in München aktiv war.

          Im Februar 1943 bekam Hans Leipelt eines der Flugblätter in die Hände – es war das sechste und sollte das letzte sein. Mit allem, was da stand, stimmten die Freunde überein. Kurz danach wurden die Geschwister Scholl, Christoph Probst und andere Mitglieder der „Weißen Rose“ verhaftet, vom Volksgerichtshof verurteilt und schon wenige Tage darauf am 22. Februar 1943 hingerichtet. „Wir waren sehr schockiert“, sagt Lieselotte Hein, „und haben trotzdem nicht gedacht, dass wir uns gleichermaßen in Gefahr bringen könnten.“

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