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Rekord-Reisender : Auf der Jagd nach immer neuen Erfahrungen

  • -Aktualisiert am

Auf der Jagd nach den letzten weißen Flecken: Dustin Pfundheller. Bild: Dustin Pfundheller

Ständig auf der Suche nach weißen Flecken: Dustin Pfundheller hat mit 31 Jahren schon jedes Land der Welt bereist. Dabei halfen ihm seine Gutgläubigkeit, Effizienz – und Tinder.

          Wenn Dustin Pfundheller auf die Weltkarte blickt, sieht er nur wenige weiße Flecken. Der Amerikaner hat noch vor seinem 31. Geburtstag jedes Land mindestens einmal besucht – und ist damit, so sagt er jedenfalls selbst, der Jüngste, dem das je gelungen ist. In den vergangenen zwölf Jahren war Pfundheller in allen 206 von den Vereinten Nationen gelisteten Staaten, besuchte die 211 Mitglieder des internationalen Fußballverbandes Fifa sowie sämtliche 226 Länder, die im Reiseführer „Lonely Planet“ gelistet werden. Vom ewigen Eis der Antarktis bis zu den glühenden Dünen der Demokratischen Arabischen Republik Sahara: Dieser Mann hat die entlegensten Orte gesehen.

          Dass er dieses Ziel einmal erreichen würde, hätte der Zahnarzt aus einer Kleinstadt in Wisconsin früher nicht für möglich gehalten. „Ich komme aus einem typisch amerikanischen Nest, wo jeder jeden kennt“, sagt Pfundheller. „Die Menschen stehen zu ihrem Zuhause, suchen sich einen Job, gründen möglichst schnell eine Familie und bleiben an dem Ort, an dem sie geboren sind. Was außerhalb ihrer Heimat geschieht, interessiert die meisten nicht.“ Das Leben als Weltreisender verdankt er einem Zufall während der Zeit am College. Ein Stipendium ermöglichte es dem damals Achtzehnjährigen, im fernen Taiwan zu studieren.

          ,,Der Deal war einfach: Ich würde neben den Seminaren zusätzlich Englisch unterrichten und dadurch kostenlose Unterbringung erhalten.“ Über die Universität und seinen Nebenjob lernte Pfundheller viele Einheimische kennen. Sie weckten in ihm das Verlangen, die Fremde zu erkunden – zunächst Taiwan, später Vietnam und Kambodscha. Von da an trieb ihn der Wissensdurst voran: „Ich war von der Neugierde getrieben zu sehen, wie die Menschen lebten, was sie bewegte und vor allem, wie ihr Alltag aussah.“

          Auf der Suche nach dem Positiven

          Vom negativen Image mancher Länder und von Schreckensmeldungen aus den Nachrichten wollte er sich nicht entmutigen lassen. Die Politik vor Ort sei für ihn nur zweitrangig, ebenso wie der religiöse oder wirtschaftliche Hintergrund der Menschen. Was zählte, war die Erfahrung des Neuen. Es folgten Abstecher in abgelegene Gebiete, wie die Pitcairninseln, wo Pfundheller sich um die Mundhygiene der etwa fünfzigköpfigen Bevölkerung kümmerte. Somalia, Südsudan und der Jemen: Die Reisen des Amerikaners führten auch in die gefährlichsten Regionen der Welt. „Ich glaube daran, dass jedes Land schlimme, aber auch gute Seiten hat. Man muss sie nur finden. Auch in meinem Heimatland habe ich viel Gewalt und Armut erlebt. Dennoch kommen viele Touristen zu uns.“

          So sieht der Reisepass eines Rekordhalters aus
          So sieht der Reisepass eines Rekordhalters aus : Bild: Dustin Pfundheller

          Sogar in Krisengebieten will er sich überraschen lassen. „Mag sein, dass ich naiv bin“, sagt Pfundheller lächelnd. „Aber ich versuche an jedem Ort, etwas Positives abseits aller Vorurteile zu finden. In Nordkorea leben die Menschen unter einer der schlimmsten Diktaturen. Trotzdem habe ich verliebte Pärchen beim Ausgehen gesehen, fast wie bei mir daheim.“ In Saudi-Arabien habe er auf einer medizinischen Tagung überrascht feststellen müssen, dass trotz der Unterdrückung von Frauenrechten die meisten Teilnehmer weiblich waren.

          Mit seinen blonden Haaren, den blauen Augen und seiner Kleidung fällt Pfundheller in vielen Ländern sofort auf – und er sagt, er sei sich der Gefahr durchaus bewusst. „Viele Orte, an denen ich war, haben unter der Außenpolitik meiner Heimat stark gelitten. Trotz des bitteren Elends fand ich aber immer wieder freundliche Einheimische, die mich zu sich nach Hause einluden und mir weiterhalfen. Gerade in solchen Gegenden bedeutet die Gemeinschaft und Nächstenliebe viel. Ich habe gelernt, solchen Menschen zu vertrauen.“

          Zufälle und interkulturelle Freundschaften

          So kam es auch zu kuriosen Begegnungen. Bei einem Zufallsbekannten in Tschad stellte sich heraus, dass dessen amerikanische Verlobte aus seinem Nachbarort stammt. Aus solchen Gemeinsamkeiten entstünden interkulturelle Freundschaften. „Viele erzählten mir, dass dieses Land eines der unwirtlichsten Gebiete der Welt sei. Sie sind dann überrascht zu hören, dass ich eine großartige Zeit dort hatte, weil man mich dort freundlich empfing und das Land von der schönsten Seite zeigte.“

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