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Weihnachten daheim No, du fröhliche!

Wie eine Reiseredakteurin das Weihnachtsfest verbringt? Sie bleibt natürlich zu Hause – und genießt die Leere der menschenverlassenen Stadt.

© Zimmermann, Julia Vergrößern Reise-Redakteurin Andrea Diener kommt viel rum. An Weihnachten zieht sie die Exotik ihrer Wohnung in Frankfurt-Griesheim aber jeder Reise vor.

Natürlich ist das theoretisch eine brillante Idee, die Reiseredaktion zu fragen, wo man so zu Weihnachten hinfährt. Man könnte ja denken, die hätten ein paar besondere Ideen: glamourös (Galadinner in irgendeinem ostelbischen Landadel-Ballsaal), ausgefallen (Iglu-Gottesdienst in Grönland) oder eskapistisch (Rumfestival auf den Bahamas). Die kommen ja so viel herum, heute Nordpolarmeer, morgen Südösterbotten, Sie kennen das ja, das ist ja das Spaßressort, wann geht’s denn auf die Malediven? Und immer eine Flasche Champagner in der Schreibtischschublade. Die nennen das Arbeit, haha, die sind lustig.

Brillante Idee, theoretisch, wie gesagt. Aber fragen Sie uns mal, wo wir privat Urlaub machen. Verschanzt in Frankfurt, standorttreu in Bayerischzell, familiär in Spanien, allerhöchstens mal mit den Kindern zum Strandbuddeln an einen Sandbuddelstrand der Wahl. Nordsee, Ostsee, Südeuropa. Zu Weihnachten werden Sie uns in Sachsenhausen, Griesheim und im Ostend antreffen. Wir sind eigentlich so was von langweilig, aber verraten Sie’s bitte nicht weiter.

Genießen Sie die Leere

Die Reiseredaktion empfiehlt also: Nach all der Beschallung durch Weihnachtsmarktgedudel, nach dem verschärften Touristeneinfall in die Stadtzentren, nach durch die Straßen wehenden süßlichen Schwaden schlechten Glühweins und Touristen, die selbigen an allen geeigneten und ungeeigneten Orten abrupt wieder von sich geben, nach all dem üblichen Weihnachtsterror ist die eigene Stadt von Heiligabend an endlich wieder betretbar.

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Alles ist verrammelt, niemand ist unterwegs – genießen Sie die Leere! Gehen Sie auf Plätze! Laufen sie einfach mal geradeaus! Oder laufen Sie zum Döner-Mann ihres Vertrauens, der hat vermutlich geöffnet, und trinken Sie einen Tee. Flanieren Sie über menschenverlassene Uferpromenaden und freuen Sie sich, dass das ganze halbvertrocknete, harztriefende Tannengestrüpp endlich bald wegkommt und die Stadtreinigung das Lametta zusammenkehrt. Wird ja auch Zeit.

Zünden Sie um Himmels Willen kein Kerzlein an

Sie können sich natürlich auch an einem der kunsttannengespickten Bahnhöfe der Republik in einen Zug setzen und völlig weihnachtsfrei, menschenfrei und in kontemplativer Besinnung in eine Stadt ihrer Wahl fahren. Keine Plätzchen, keine Kerzen, keine Knabenchöre. Nur Ruhe, Stille, vielleicht gar Dunkelheit im Abteil und draußen in der Schwärze der Nacht die Schemen vorbeihuschender Landschaft. Es muss aber unbedingt der Heiligabend sein, vorher oder nachher geht das nicht. Hier, allein in Ihrem Zugabteil wie der Heilige Antonius in seiner Klause, werden Sie, nicht abgelenkt von entstellenden Ritualen, auf die Kerntugenden der Weihnacht zurückgelenkt: Denken Sie mal über sich nach. Über Ihre abwesenden Mitmenschen auch. Und langweilen Sie sich mal wieder richtig. Starren Sie höchstens in ein gerade uninteressantes Bahn-Magazin und lassen Sie die Gedanken schweifen. Zünden Sie um Himmels Willen kein Kerzlein an.

Wenn Sie schon nicht zu Hause bleiben wollen wie andere anständige Menschen und Reiseredakteure: Sie wissen jetzt, was die Reiseredaktion Ihnen empfiehlt. Ich weiß, Sie hatten etwas glamouröseres, ausgefalleneres oder eskapistischeres erwartet. Tut uns ja auch leid.

Quelle: Magazin «Z»

 
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