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Wegen Unterbrechung : Der Ausraster des „Rock am Ring“-Chefs

  • Aktualisiert am

Marek Lieberberg nach dem Abbruch: „Ich bin der Meinung, es muss jetzt Schluss sein mit ,this is not my islam and this is not my shit and this is not my whatever’.“ Bild: dpa

„Rock am Ring“-Chef Marek Lieberberg hat nach der Unterbrechung seines Festivals gefordert, dass Muslime „zu Zehntausenden auf die Straße“ gehen sollten, um gegen Terror zu demonstrieren. Applaus und Empörung waren groß.

          Marek Lieberberg kann es nicht besonders gut leiden, wenn seine Veranstaltungen aus Sicherheitsgründen unterbrochen werden. Das war schon 2016 so: Damals waren am Freitagabend bei einem Blitzeinschlag 71 Menschen verletzt worden. Die Behörden brachen „Rock am Ring“ ab, Veranstalter Lieberberg kritisierte das später scharf: Die Entscheidung der Verbandsgemeinde Mendig  sei „falsch“, er hätte es besser gefunden, die Besucher am Sonntag bei konkreter Gefahr zu warnen und das Programm anschließend fortzusetzen. „Die Behördenvertreter haben sich aber nicht darauf eingelassen und stoisch auf ihre Sichtweise verwiesen“, sagte er.

          In diesem Jahr war es jetzt nicht das Wetter, das Lieberberg einen Strich durch die Rechnung machte. Diesmal wurde das legendäre Musikfestival am Freitagabend unterbrochen, weil die Polizei konkrete Hinweise hatte, „aufgrund derer eine mögliche terroristische Gefährdung nicht auszuschließen" sei. Und wieder nahm Lieberberg bei einer Pressekonferenz danach die Entscheidung nicht einfach hin, stattdessen legte er einen Auftritt vor Journalisten hin, den viele als „Ausraster“ beschrieben.

          Diesmal griff er nicht nur die Sicherheitsbehörden an („Ich glaube, dass wir hier für das büßen müssen, was im Fall Amri oder anderen zu wenig getan wurde“), er übte auch heftige Kritik am gesellschaftlichen Umgang mit Terrorismus: „Ich bin der Meinung, es muss jetzt Schluss sein mit ,this is not my islam and this is not my shit and this is not my whatever'.“ Stattdessen würde er gerne „endlich mal Demos sehen“, die sich gegen diese Gewalttäter richteten. „Ich habe bisher noch keine Moslems gesehen, die zu Zehntausenden auf die Straße gegangen sind und gesagt haben, was macht ihr da eigentlich?“

          „Er hat Angst, dass Leute Geld zurück wollen“

          Der Mitschnitt des Videos wurde in den sozialen Netzwerken sofort kontrovers diskutiert. Auf der einen Seite bekam Lieberberg Applaus von Menschen, die ihm bescheinigten, endlich gegen die „Gutmenschen“ und „Linksfaschos“ aufzustehen. Auf der anderen Seite war die Empörung groß, dass Lieberberg unbescholtene, gut integrierte Muslime in Deutschland in einen Topf mit Terrorverdächtigen werfe – bevor überhaupt klar war, was hinter dem Verdacht steckte. Ein Nutzer schrieb: „Wo haben denn tausende Deutsche gegen den #NSU Terror demonstriert? Warum verlangt #Lieberberg das nun von Moslems?“ Eine anderer Nutzer twitterte: „Zur #Lieberberg PK gilt bei #RAR2017 das selbe wie letztes Jahr. Er hat Angst, dass Leute Geld zurück wollen. Nichts weiter.“

          Aus solchen Attacken hörten andere Nutzer dann wiederum antisemitische Untertöne heraus. Lieberberg wurde als Kind jüdischer Überlebender des Holocaust in einem Vertriebenenlager in Zeilsheim geboren. Heute ist der Frankfurter einer der wichtigsten deutschen Konzertveranstalter und Geschäftsführer einer Gesellschaft, die Künstler managt. Bei der Pressekonferenz am Samstag sagte Lieberberg, dass er „voller Freude und Dankbarkeit“ sei, dass „Rock am Ring“ weitergehen könne. „Das ist auch ein Zeichen für unsere Zivilisation und unsere Kultur.“

          „Wir müssen uns vor Hysterie hüten“

          Seine Kritik am Vorgehen der Behörden sei nichts weiter als eine Mahnung gewesen, die Verhältnismäßigkeit zu wahren, sagte er weiter. „Wir müssen uns in diesen Zeiten vor Hysterie hüten." Vorwürfe gegen ihn, er habe sich aus betriebswirtschaftlichen Gründen gegen eine Unterbrechung oder einen Abbruch des Festivals ausgesprochen, seien völlig haltlos. Wer ihn kenne, der wisse, dass die Sicherheit seines Publikums und die Freiheit der Kunst für ihn immer im Vordergrund stünden. „Außerdem sind wir gegen alles versichert.“

          Mit seiner pauschalen Kritik an Muslimen hat sich Lieberberg trotzdem keinen Gefallen getan. Seine Vorwürfe wären auch dann ungerecht, wenn islamistische Extremisten tatsächlich einen Anschlag auf das Festival geplant gehabt haben sollten. Muslime sind nach Terrorangriffen in der Vergangenheit nämlich durchaus schon auf die Straße gegangen.

          An der Berliner Gedächtniskirche hatten Muslime nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt gegen Terrorismus und Missbrauch des Korans demonstriert, in einem Pariser Vorort folgten vergangenen Sommer tausende Muslime dem Aufruf muslimischer Vereine und Geistlicher, gegen Terrorismus zu demonstrieren. Und im Moment geht das Video eines staatlichen kuwaitischen Telefonkonzerns viral, in dem Muslime zum friedlichen Kampf gegen islamistischen Terror aufrufen. In dem Clip tauchen auch Menschen auf, die verschiedene islamistische Terroranschläge überlebten: Zum Beispiel Ibrahim Abdulsalam, der bei einer Attacke auf eine Moschee in Kuwait verletzt wurde.

          Quelle: sede./bad.

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