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Hand aufs Herz : Warum manche Muslime den Handschlag verweigern

Eine in Deutschland alltägliche Geste: Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßt eine Delegation des saudi-arabischen Königs Abdullah mit Handschlag (Archivbild). Bild: AP

Ist es in Ordnung, wenn ein Mann einer Frau aus religiösen Gründen nicht die Hand gibt? Und was sagt der Islam überhaupt zum Thema Händeschütteln? Stimmen von Muslimen.

          Ein Muslim hat kürzlich an einer Berliner Privatschule der Lehrerin seiner Söhne den Handschlag verweigert. Sie warf ihm Frauenfeindlichkeit und mangelnden Respekt vor und brach das Gespräch ab – und er kündigte an, sie wegen Beleidigung und Verletzung der Religionswürde zu verklagen. Der Fall erregte weit über Berlin hinaus die Gemüter, vor allem, als die Schule sich später bei dem Mann, einem aus der Türkei stammenden Imam, entschuldigte.

          Leonie Feuerbach

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft.

          Wie hat eine Begrüßung auszusehen? Die Frage wird schnell zum Politikum in Zeiten islamistischen Terrors und in einer Gesellschaft, die immer weniger religiös wird, aber viele muslimische Flüchtlinge aufnimmt. Andere öffentliche Debatten kommen hinzu, und auch sie sind nicht gerade von Gelassenheit geprägt: Dürfen Richterinnen Kopftuch tragen? Dürfen Bauarbeiter während der Arbeitszeit fasten?

          Vor dem Berliner Handschlag-Streit hatte es ähnliche Vorfälle gegeben: In der Schweiz weigerten sich im Frühjahr zwei Schüler, ihrer Lehrerin die Hand zu geben; die Schulbehörde entschied, dass sie dazu gezwungen werden können. Im vergangenen Herbst sagte die rheinland-pfälzische CDU-Vorsitzende Julia Klöckner ein Treffen mit einem Imam ab, als dieser ankündigte, er werde ihr zur Begrüßung nicht die Hand reichen. Einige Wochen später rief der muslimische Fußballspieler Nacer Barazite vom FC Utrecht einen Skandal hervor, als er einer Journalistin vor laufender Kamera den Handschlag verweigerte.

          Auch manche Musliminnen geben Männern nicht die Hand

          Die Berliner Schule will sich derzeit zum Handschlag-Vorfall nicht äußern. Bei den muslimischen Verbänden will kaum jemand das Verhalten des Imams gegenüber der Lehrerin kritisieren. Viele verweisen darauf, dass auch orthodoxe Juden Frauen nicht die Hand geben, und dass es andere Begrüßungsrituale gibt, die genau so geeignet sind, dem Gegenüber Respekt zu bezeugen. Vor allem aber sagen sie: Auch viele Musliminnen geben Männern nicht die Hand zur Begrüßung.

          Sind das Leute mit einem angespannten Verhältnis zum anderen Geschlecht? Strenggläubige, die in einer knappen Berührung Sünde wittern? Keineswegs, sagt etwa Hakki Arslan, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Islamische Theologie in Osnabrück. „Nicht jeder Muslim, der einer Frau nicht die Hand geben will, und umgekehrt, ist extremistisch oder ein Beispiel gescheiterter Integration. Auch eine konservative Auslegung der Religion muss möglich sein.“ In der muslimischen Community sei es üblich, dass Männer und Frauen zur Begrüßung die Hand aufs Herz legen, statt sie sich zu reichen. Das sei auch unter jungen gebildeten Muslimen nicht anders.

          Maryam Hübsch etwa schüttelt keine Männer-Hände. Sie ist Mitglied der als liberal geltenden Ahmadiyya-Gemeinschaft, Autorin des Buches „Unter dem Schleier die Freiheit“ und gern gesehener Gast in Talkshows zum Thema Islam. Von sich aus gibt sie Männern nie die Hand. Wird ihr eine gereicht, hat sie die früher ergriffen, um ihr Gegenüber nicht zu kränken.

          Dann kam die Handschlag-Debatte auf, in Deutschland, in der Schweiz und in den Niederlanden, und Maryam Hübsch überlegte, ob sie ihre Hand nicht öfter ausstrecken sollte, um nicht Öl ins Feuer zu gießen, wie sie es formuliert. Aber dann entschloss sie sich dazu, genau das Gegenteil zu tun, denn sie hält die Handschlag-Debatte für hysterisch und sagt: „Die Mehrheitsgesellschaft sollte niemanden zu Dingen zwingen, die seine Religion verletzen.“ Der Islam schreibe nun mal eine gewisse körperliche und emotionale Distanz zwischen Männern und Frauen vor, die nicht verwandt und nicht verheiratet sind.

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