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In 100 Länder reisen : Bitte, wo geht’s nach Nordkorea?

Touristische Reisen nach Nordkorea sind umstritten. Wer 100 Länder bereisen möchte, wird das aber wohl kaum nur in Diktaturen tun. Bild: Reuters

Der Amerikaner Ryan Burnett hat Haus und Besitztümer verkauft, um 100 Länder und mehr zu bereisen. Was treibt ihn an? Und warum schreckt er vor Diktaturen wie Nordkorea nicht zurück?

          Was haben Nordkorea und Deutschland gemeinsam? Nicht viel, möchte man meinen, mit Ausnahme der Tatsache, dass beide Länder zu den Lieblingszielen von Ryan Burnett gehören. Der 33 Jahre alte Amerikaner aus Chicago reist seit August 2016 um die Welt. Sein Ziel: 100 Länder besuchen. Bei Nummer 90 ist er angekommen, bis Anfang der Woche befand er sich im Süden Koreas, in Pyeongchang, wo die Olympischen Winterspiele stattfinden – mittlerweile ist er wieder in Chicago, Zwischenstopp zuhause. „100 Länder zu besuchen wird immer schwieriger, je näher man dem Ziel kommt“, sagt Ryan. Wer die großen Länder besucht hat und sogar schon in den eher ungewöhnlichen Reiseländern Nordkorea oder Malawi war, muss sich nun den kleinen zuwenden: San Marino, Brunei, Tonga oder Nauru.

          Was treibt Reisende an, die Länder sammeln wie andere Münzen oder Bierdeckel? Ryan denkt bei der Frage an seine Großmutter, sein großes Vorbild. „Als ich Kind war, erzählte sie mir von ihren Reisen, und wir schauten zusammen ihre Fotobücher an.“ Ihren Enkeln schenkte sie jeweils zu deren 16. Geburtstagen Geld und half, deren Pässe zu beantragen. Nur Ryan machte davon Gebrauch.

          16 Jahre später, also vor gut zwei Jahren, verkaufte Ryan sein Haus in Amerika und die meisten seiner Besitztümer. Heute arbeitet er für eine amerikanische Online-Firma als Vertriebsmitarbeiter („es ist so langweilig, wie es klingt“) ohne Anwesenheitspflicht, als eine Art digitaler Nomade. Um auch in Kuala Lumpur oder Daressalam arbeiten zu können, muss er nur den Laptop aufklappen. Zudem belegt er Online-Kurse für seinen Master in Business Administration. „Schwierig, zu reisen, zu arbeiten und zu studieren, alles gleichzeitig“, sagt er. Seine Reiseziele sorgen für genügend Ablenkungen. Aber es geht.

          Ziel 100 Länder: Ryan Burnett

          Außer Nordkorea und Deutschland („eines meiner Lieblingsländer, so gutes Essen, und die Leute so freundlich“) gehören die Mongolei, Vietnam, Frankreich, Russland, Ukraine, Tansania, Namibia zu seinen Zielfavoriten, und: Iran. „Neben Nordkorea das Land, das sich meiner Ansicht nach am stärksten unterscheidet von den meisten anderen Regionen der Welt, wo ich war“, sagt er. Die freundlichsten Leute, hilfsbereit und warmherzig, schwärmt er. Begeistert erzählt er, dass er eines Tages einen Soldatenfriedhof, wo Opfer des iranisch-irakischen Krieges begraben sind, besucht habe. Dort hätten ihm die einheimischen Familien von ihren verstorbenen Angehörigen erzählt und mit ihm ihr mitgebrachtes Essen geteilt. „Das war bewegend“, sagt er. 

          Wie viele Amerikaner spricht auch Ryan keine Fremdsprache, abgesehen von ein paar Brocken Spanisch und Deutsch. In der Mongolei, erzählt er, habe er einen großartigen Abend gemeinsam mit Sportlern in einem Wrestling-Trainingscamp gehabt, und das obwohl die Mongolen nur Mongolisch und er nur Englisch habe sprechen können. „Wir haben es mit Händen und Füßen hingebogen, Witze zu machen und Geschichten zu teilen“, erinnert er sich. „Ich versuche immer, mit den Einheimischen in Kontakt zu kommen.“ Nur so könne man die „einzigartige Kultur, die jedes Land hat, selbst wenn die auf den ersten Blick nicht ersichtlich ist, begreifen“. Und die eigenen Klischees überprüfen, die „häufig falsch sind“.

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