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Protest gegen Waffengewalt : Amerikanische Schüler verlassen reihenweise den Unterricht

  • -Aktualisiert am

Auch vor dem Weißen Haus in Washington haben Schüler für strengere Waffengesetze protestiert. Bild: EPA

Enough – unter diesem Motto protestieren am Mittwoch Schüler in ganz Amerika für strengere Waffengesetze. Auch vor dem Weißen Haus in Washington versammelten sie sich.

          Genau einen Monat nach dem Massaker an einer Schule in Florida mit 17 Toten haben am Mittwochmorgen (Ortszeit) Schüler in den Vereinigten Staaten der Opfern gedacht. Bei den sogenannten „Walkouts“ unter dem Motto „Enough“ (zu deutsch: genug) sind sie für 17 Minuten aus dem Unterricht gegangen. Organisiert wird die Aktion von „Empower“, der Jugendabteilung der Vereinigung, die die großen Frauenmärsche (Women's March) in Amerika organisiert.

          Mit den „Walkouts“ wollen die Schüler auch für schärfere Waffengesetze werben. Nach der Schießerei in einer Highschool in Parkland, Florida, wird in den Vereinigten Staaten wieder verstärkt über die Waffengesetze diskutiert. Die Organisatoren der Protestaktion schreiben auf ihrer Webseite: „Wir erheben unsere Stimme gegen alle Formen von Waffengewalt.“ Schüler fühlten sich nicht mehr sicher in den Schulen, erklärten sie. 3136 „Walkouts“ wurden bei der Organisation angemeldet.

          Wie die 17 Minuten Ausstand gestaltet wurde, oblag den Schülern. Manche wollten Menschenketten bilden und zusammen singen. Andere die Minuten ruhig und in Stille verbringen. Es gab auch Schulen, die den „Walkout“ wegen Sicherheitsbedenken untersagt haben. „Empower“ ermutigte die Schüler aber dazu, Solidarität zu zeigen. Über soziale Medien können sich die Schüler an der Diskussion beteiligen und Plakate zeigen, die sie mit dem Motto „Enough“ in die Schulen tragen.

          Auch vor dem Weißen Haus in Washington haben sich Schüler versammelt und mit Plakaten gegen die Waffenlobby NRA demonstriert. Um Punkt 10 Uhr verstummten die Schüler für 17 Minuten, setzten sich vor das Weiße Haus und erhoben ihre Plakate und Fäuste, berichtet die Washington Post. Danach wollten sie bis zum Kapitol marschieren, in der Hoffnung auf Politiker zu treffen. Viele Schüler haben die „Walkouts“ über soziale Medien begleitet. In Parkland, wo vor einem Monat die Schießerei stattfand, hat einer der überlebenden Schüler, David Hogg, den „Walkout“ live gefilmt.

          „Ich nehme an dem Walkout teil, weil ich gegen die Untätigkeit des Kongresses protestieren möchte“, sagte Jackson Mittleman, ein amerikanischer Schüler zu CNN. Waffen hätten Auswirkungen auf jede Gemeinschaft. Mittleman lebt in Newtown, wo im Dezember 2012 bei einer Attacke auf eine Schule 26 Menschen starben. „Ich möchte niemals mehr eine Massenschießerei sehen.“

          7000 Paar Schuhe vor dem Kapitol in Washington

          Als weitere Protestmarke gegen die Waffengewalt an Schulen haben Aktivisten am Dienstagabend 7000 Paar Schuhe vor dem Kapitol in Washington abgeleget. Damit wollten sie an alle getöteten Schüler seit dem Amoklauf in an der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown 2012 erinnern. Die Aktion wurde von Avaaz, einer sozialen Protestbewegung, organisiert.

          7000 Schuhe sollen vor dem Kapitol in Washington an durch Waffengewalt getötete Kinder erinnern.

          Überlebende des Massakers in Parkland, Florida, haben in Amerika seit dem Blutbad eine heftige Diskussion um die Waffengesetze ausgelöst. Seit der Attacke auf ihre Schule sind die Schüler in den amerikanischen Medien präsent und setzen sich für strengere Gesetze ein. Auch in den sozialen Medien verbreiten sie ihre Forderungen und kämpfen gegen die amerikanische Waffenlobby.

          Für den 24. März haben die Schüler aus Florida einen „Marsch für unser Leben“ in Washington geplant. Dafür werden zehntausende Menschen erwartet und es sollen Ableger-Märsche im gesamten Land stattfinden. Am 20. April, dem Jahrestag des Amoklaufs auf eine Highschool in Colorado 1999, sollen weitere Protestaktionen stattfinden.

          Die amerikanische Regierung hat derweil versucht, mit kleinen Schritten auf die Schüler zuzugehen. In Florida wurde vergangene Woche das Mindestalter für den Waffenkauf von 18 auf 21 Jahre angehoben. Die NRA, die größte Organisation der amerikanischen Waffenlobby, hat am Freitag bereits eine Klage dagegen eingereicht. Präsident Donald Trump ruderte am Sonntag zurück, nachdem er Waffengegner vorher Hoffnung auf strengere Gesetze gemacht hatte. Er stellte ein Programm zur Schulsicherheit vor, das lediglich eine Kommission einsetzen will, um strengere Gesetze zu überprüfen.

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