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Voting Der schönste Philosoph

 ·  In der Mediendemokratie müssen auch Denker eine gute Figur machen. Welcher der großen Welterklärer sieht am besten aus? Wählen Sie den schönsten Schöngeist!

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© Montage F.A.Z.

Spieglein, Spieglein, an der Wand, wer wird der schönste Denker genannt? Hier sind unsere Kandidaten:

Richard Dawkins, Gentheologe, ist eine Art Gott in der Welt der Verhaltens- und Evolutionsbiologen. Allerdings bezeichnet sich der 1941 in Nairobi geborene Naturphilosoph auch als „militanter Atheist“, der jegliche sakrale Huldigung ihm gegenüber strikt ablehnen würde. Religionen, so sagt er, gebe es in seiner Welt nicht, allenfalls Viren, die sich manchmal eben in den Gedanken verbreiten. Ins Zentrum der Welt rücken in seinem Weltbild die Gene, die in seinem Hauptwerk so präsent sind wie in kreationistischen Werken die Götter. Sie sind nur nicht so klug und brauchen länger als sechs Tage.

Raphael Enthoven, Wandelgeist, läuft nicht nur zwischen Fernsehstudio und Hörsaal hin und her. Er läuft auch sonst ständig, denn stehend könne er nicht denken, sagt er. In Deutschland zeigt der 1975 in Paris geborene Philosoph in der Sendung „Philosophie“ (Arte), dass er auch beim Lesen geht und Bücher nur selten zuschlägt. Auch sein Leben ist ständig in Bewegung. Er war mit Justine Levy, der Tochter von Bernard-Henri Levy verheiratet. Und er hat eine Tochter mit Carla Bruni.

Richard David Precht, Pop-Philosoph, mutmaßte jüngst im Radio, wenn G. W. F. Hegel sich verständlich ausgedrückt hätte, wäre aus ihm vielleicht auch ein Pop-Philosoph geworden. So bleibt er bloß Philosoph, während Neuerscheinungen wie Precht den Pop für sich reklamieren. Dabei wird er auch mit André Rieu verglichen – mit ihm teile er sich ein Publikum, sagte Peter Sloterdijk, als er erfahren hatte, dass das ZDF sein „Philosophisches Quartett“ für „auserzählt“ hält und Precht nun die Rolle des Fernseh-Pop-Philosophen übernimmt. Der 1964 in Solingen geborene Precht weiß, dass in der Philosophie offene Fragen noch am weitesten führen. Jüngst fragte er, warum es alles gebe und nicht nichts. Und wer er denn sei. Und wenn ja, wie viele.

Philipp Hübl, Querwelteindenker, zählt in einer Handreichung für seine Stuttgarter Studenten 20 grundlegende Begriffe auf, die es durch Philosophen stets neu zu analysieren gilt. An 21. Stelle nennt er die Schönheit, die als Ästhetik wohl weiter oben gestanden hätte, so aber fernab und sogar ohne ihr geistiges Pendant, die Ethik, bleibt. Im Interesse des 1975 in Hannover geborenen Junior-Professors steht der menschliche Körper, dessen Wahrnehmungen, Gefühle und Handlungen. Für die Volkswagenstiftung hat er im The-Body-Projekt geforscht, selbst geprägt hat er den Begriff des philosophischen Bodybuildings. Nichts zu tun hat er mit „Micky-Maus-Philosophen“, denen er vorwirft, die Disziplin nicht ernst zu nehmen und auf die großen Fragen zu schnell Antworten zu finden. Und so stellt Philipp Hübl in seinem Buch noch einmal alle Fragen neu und laut Verlagsanmerkung modern: Gibt es Gott? Was können wir wissen?

Bernhard-Henri Levy, alter Neuphilosoph, wurde nach einer Bilderbuchlaufbahn, ausgehend von einem reichen Elternhaus, gebildet in den besten Schulen und gipfelnd in einem französischen Philosophiestudium, Kriegsberichterstatter, aber nur kurz. In Frankreich gilt er heute als legitimer Nachfolger von Jean-Paul Sartre, obwohl er auf der Suche nach einer Lücke im Philosophie-Gebäude nur eine Mauer vorfand, die linke Hegelianer und alte Marxisten und auch Sartre gebaut haben. Seitdem gilt er als einer der Begründer der neuen Philosophie. Der 1948 in Algerien geborene Levy reduziert in französischer Manier seinen Namen gern auf die Initiale „BHL“. Bei Reisen nach Amerika stellte er fest, dass es in Europa zu wenig Stolz gibt. Dagegen schrieb er an – und er revidierte seine Form, sich gegen Multikulturalismus zu stellen: Weder der Koran noch der Islam sei eine Bedrohung für Europa, sondern nur fundamentalistisches Denken.

Peter Sloterdijk, Allrounder, sagte einmal, dass Lernen die Vorfreude auf sich selbst sei. Doch er reduzierte diese Aussage in seinem Oeuvre nie allein auf geistige Ertüchtigungen. Im Zentrum seines Denkens steht das Üben, das auch darin gipfeln kann, ein guter Sportler zu werden. An David Beckham bewunderte er einmal, wie konsequent er vom Fußball- ins Modelgeschäft gewechselt ist, anstatt kommentierend in der Peripherie eines Sportfeldes zu enden. Der 1947 in Karlsruhe geborene Professor für Ästhetik ist selbst begeisterter Radfahrer, der sich von einer sportlichen Anstrengung jedoch nie blind machen lässt. Neben der Orientierung an einem Ziel hat er immer auch einen Sinn für den Augenblick.

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