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Vor den Oscars räumen die Stars ab Kosmetik, Uhren, Botoxkuren - für lau

06.03.2010 ·  Da es für Unternehmen keine erfolgreichere Marketingstrategie gibt als das Gesicht einer Celebrity neben dem eigenen Produkt, überlassen die Firmen ihre Luxusgüter den Stars gerne gratis - in so genannten „Geschenksuiten“.

Von Christiane Heil, Los Angeles
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Um zu Gavin Keillys luxuriöser Geschenksuite im „W Hotel“ am Hollywood Boulevard vorgelassen zu werden, müssen selbst Filmstars einiges vorweisen. Ohne persönliche Einladung, einen bekannten Namen und vor allem die Nominierung für einen Oscar können sie sich den Weg über die elegante Freitreppe des Nobelhotels gleich sparen. Nur wer am Sonntag auch den roten Teppich vor dem Kodak Theatre zur Oscar-Verleihung entlang schreitet, darf sich in den Tagen vor der Gala in Keillys „gift lounge“ Schmuck, Mode und Luxusreisen im Wert von 30.000 Dollar aussuchen. Fast 100 Stars, unter ihnen auch „Avatar“-Darstellerin Sigourney Weaver und „Precious“-Regisseur Lee Daniels, haben Keillys Einladung in dieser Oscar-Saison schon angenommen.

Geschenksuiten wie die des Neununddreißigjährigen gehören seit einigen Jahren ebenso zu dem Filmspektakel wie endlose Dankesreden, allzu bemühte Moderationen und die modischen Fehltritte der Prominenten. Da es für Unternehmen anscheinend keine erfolgreichere Marketingstrategie gibt als das bekannte Gesicht einer Celebrity neben dem eigenen Produkt, überlassen die Firmen ihre Luxusgüter den Stars gerne gratis. Dafür, dass auch tatsächlich nur die A-Liste in den Genuss der teuren Präsente kommt, sorgen in Los Angeles eine Reihe von Spezialisten wie Keilly. In der Woche vor den Academy Awards verwandeln sie den Flügel eines Fünfsterne-Hotel in eine gemütliche Lounge. Zu den bevorzugten Geschenken der fast ein Dutzend erstklassigen „gift suites“ in Los Angeles zählen Schmuckstücke und Uhren sowie technische Spielereien und Reisen.

Kosmetik, Botoxkuren oder sogar kleine Eingriffe

Gern zugegriffen wird in Hollywood auch bei Kosmetik, Botoxkuren oder sogar kleinen Eingriffen, die alternden Augen den frischen Glanz zurückgeben. „Die wirklich wichtigen Celebritys besuchen vor den Oscars nur eine oder höchstens zwei Geschenksuites“, sagt Keilly. „Damit sie zu uns kommen, müssen wir ihnen eben etwas Außergewöhnliches bieten.“ Das gilt neben den Geschenken auch für das Ambiente der „gift lounge“. Um den Besuch der extravaganten Klientel möglichst lange zu strecken und dabei alle Perspektiven für die Celebrity-mit-Produkt-Fotos auszunutzen, hat Keilly im zweiten Stock des „W Hotels“ Clubatmosphäre im Retro-Look geschaffen.

Während stumme Szenen der zehn Produktionen, die am Sonntag eine Chance auf den Oscar für den besten Film haben, über die Wände der Lounge flimmern, können die Stars ihre Konkurrenz beäugen oder sich von „Produktbotschaftern“ über die Qualitäten der Luxusgaben aufklären lassen. Nach Keillys Erfahrung bleiben die meisten Celebritys ein bis zwei Stunden, bevor sie mit Präsenten bepackt nach Hause gehen. „Wir haben aber auch schon erlebt, dass einige den ganzen Tag ausharren“, erinnert sich Keilly, der seit sechs Jahren in Hollywood zu „gift suites“ einlädt.

Die Kombination von Celebrity und Charity

„Ich wollte die Welt damals ein bisschen ändern, dabei aber nicht Märtyrer werden.“ Als Fundraiser für verschiedene Wohltätigkeitsverbände traf er Sharon Osbourne, Managerin und Ehefrau von Heavy Metal-Schreck Ozzy. Nach ihrer Krebsdiagnose war Osbourne gerade dabei, eine Stiftung für andere Patienten zu gründen. Keilly unterstützte sie und organisierte ihre erste Veranstaltung, bei der eine halbe Million Dollar gesammelt wurde. Seitdem übt Keilly sich in der Kunst, mit den Geschenksuites Prominente anzulocken und sie gleichzeitig für verschiedene Charitys zu gewinnen. Während der Oscar-Lounge in dieser Woche versucht er gemeinsam mit dem haitianischen Schauspieler Jimmy Jean-Louis aus der Fernsehserie „Heroes“, weitere Stars für die Spendenaktion „Hollywood Unites for Haiti“ zu rekrutieren, um die Erdbebenopfer des Inselstaates zu unterstützen.

Dass eine „gift lounge“ der ideale Ort für die Kombination von Celebrity und Charity sein kann, weiß Keilly spätestens seit dem Besuch von Forest Whitaker vor drei Jahren. Der Darsteller, der am nächsten Tag für seine Rolle als Idi Amin in dem Film „The Last King of Scotland“ mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, verbrachte seine Zeit in der Geschenksuite fast ausschließlich mit Vertretern verschiedener Wohltätigkeitsverbände und ging schließlich ohne vorher tütenweise Präsente einzusammeln. Keilly hat aber auch schon weniger bescheidene Prominente erlebt. „Eine Schauspielerin haben wir beim Stehlen ertappt“, erzählt er, will den Namen aber nicht nennen. „Sie war mit einer Kette nicht zufrieden und steckte sich noch drei in die Tasche.“

Gedeon Burkhard darf sich über eine neue Uhr freuen

Vergleichsweise vertraut geht es diese Woche dagegen in Keillys Geschenksuite im „W Hotel“ in Hollywood zu. Auf der Gästeliste stehen Schauspieler des Oscar-Favoriten „Avatar“. Neben der „Grace Augustine“-Darstellerin Sigourney Weaver haben sich unter anderen Laz Alonso und Dileep Rao angekündigt. Ein erstes Wiedersehen nach den Dreharbeiten können in der „gift lounge“ zudem die Stars des „Avatar“-Konkurrenten „A Serious Man“ feiern. Von den Schauspielern der Komödie um den Physikdozenten Larry Gopnik wollen sich Fred Melamed, Richard Kind und die Neuentdeckung Jessica McManus den 30 000-Dollar-Präsentkorb nicht entgehen lassen.

Auch ein deutscher Schauspieler hat den Reiz von Keillys „gift lounge“ entdeckt. Gedeon Burkhard, als Wilhelm Wicki ein Mitglied von Brad Pitts Killerkommando in dem ebenfalls nominierten „Inglourious Basterds“, darf sich über die Reise in ein thailändisches Wellness-Resort und eine neue Uhr freuen. Für Keilly ist „seine“ Oscar-Saison 2010 schon heute abend zu Ende. Ob die Lounge im „W Hotel“ ein Erfolg war, wird sich vielleicht schon am Sonntag beim Einzug der Celebritys in das Kodak Theatre zeigen: Ein Schmuckstück aus Keillys Geschenksuite am Arm einer Schauspielerin wäre „heaven“.

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