Home
http://www.faz.net/-gum-7hc4u
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Vier Monate lang Verschollener gerettet Entkräftet und um 20 Kilo leichter

Zuletzt ernährte er sich nur noch von Gräsern und Mäusen: Nach vier Monaten ist ein in den Anden verschollener Uruguayer durch Zufall gefunden worden.

© REUTERS Abgemagert, aber am Leben: Rául Fernando Gómez Cincunegui

Gleich mehrere Zufälle haben dem vier Monate lang in den Anden vermissten 58 Jahre alten uruguayischen Motorradfahrer Rául Fernando Gómez Cincunegui das Leben gerettet. So entdeckte ihn eine Hubschrauberbesatzung aus der argentinischen Provinz San Juan nur, weil ihnen die offene Tür einer eingeschneiten Berghütte in fast 3000 Meter Höhe auffiel. Die Crew entschloss sich daraufhin zur Landung. Gómez Cincunegui, der seit Wochen in der Hütte ausgeharrt hatte, war völlig entkräftet und um 20 Kilogramm abgemagert. Als die wenigen Lebensmittelvorräte in seinem Unterschlupf aufgebraucht waren, ernährte er sich von Gräsern und kleinen Tieren, vor allem Mäusen.

Der körperlich geschwächte, doch geistig luzide Mann habe zusammengekauert auf dem Boden gehockt, berichteten die Piloten. Sie hatten die Andenregion überflogen, um die Menge des im Winter auf der Südhalbkugel gefallenen Schnees zu berechnen und damit die für die Versorgung ihrer Provinz bereitstehenden Wasservorräte einzuschätzen. Wegen ungünstiger Witterungsbedingungen mussten sie ihre Flugroute ändern und kamen nur deshalb in die Nähe der Berghütte. Einer der Hubschrauberpiloten war zudem selbst in den achtziger Jahren zwei Wochen lang in den Anden verschollen. Gómez Cincunegui wurde in ein Krankenhaus von San Juan gebracht und auf der Intensivstation medizinisch versorgt. Er sei bei überraschend guter Gesundheit, wenngleich dehydriert und mangelernährt, hieß es. Der Motorradenthusiast war am 10. April in seinem Heimatort Bella Unión im Norden Uruguays aufgebrochen, um an einem Motorradfahrertreffen in der argentinischen Stadt Mendoza teilzunehmen.

Anschließend fuhr er nach Chile, um dort Familienangehörige zu besuchen. Von dort aus wollte er nach Uruguay zurückkehren. Berichte, wonach er in Chile wegen Sexualdelikten verfolgt worden sei und das Land fluchtartig verlassen wollte, wurden von seiner Familie dementiert. Am 11.Mai hatte er seine Frau angerufen, um ihr mitzuteilen, dass sein Gefährt defekt sei und er die Anden trotz chronischer Herz- und Atemprobleme zu Fuß überqueren wolle. Seitdem fehlte von ihm jede Spur.

In einem Schneesturm habe er die Orientierung verloren, erzählte Gómez Cincunegui nach seiner Rettung. Durch Zufall sei er auf die Berghütte gestoßen. Im Freien hätte er keine Überlebenschance gehabt, sind sich seine Retter sicher. Provinzgouverneur José Luis Gioja sprach von einem „Wunder“. Nach seiner Rettung habe der Achtundfünfzigjährige mit seiner Frau, seiner Mutter und seiner Tochter telefoniert. „Er war sehr aufgeregt, aber auch sehr erschöpft“, sagte Gioja. Eine letzte Suchaktion nach Gómez Cincunegui war im Juli wegen heftiger Schneestürme in den Anden abgebrochen worden.

Quelle: F.A.Z.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Rechnungshof Baden-Württemberg vermisst 500 Werke berühmter Künstler

Ein vergilbter Picasso neben dem Kopiergerät und hunderte verschollener und gestohlener Kunstwerke. Der Rechnungshof in Baden-Württemberg attestiert dem Land einen schändlichen Umgang mit Kunstwerken, die mit staatlichen Gelder beschafft wurden. Mehr Von Rüdiger Soldt, Stuttgart

22.07.2015, 19:08 Uhr | Gesellschaft
50 Jahre lang verschollen Gitarre von John Lennon soll versteigert werden

Die Gitarre von John Lennon ist 50 Jahre verschollen gewesen. Auf einer Auktion im November soll das Lieblingsinstrument des Beatles versteigert werden. Die Gitarre, die auf vielen Alben zu hören ist, wurde 1962 speziell für Lennon angfertigt. Mehr

08.06.2015, 11:02 Uhr | Feuilleton
MH370 Gefundenes Wrackteil soll zu Boeing 777 gehören

Das auf einer Insel im Indischen Ozean angeschwemmte Wrackteil gehört laut Fachleuten offenbar zum Flugzeugtyp Boeing 777. Eine Verbindung zum vermissten Flug MH370 gilt damit als wahrscheinlich. Mehr

29.07.2015, 19:25 Uhr | Gesellschaft
Chile Flugzeugwrack in den Anden entdeckt

Vermutlich handelt es sich um eine Propellermaschine von 1961, die unter den 24 Passagieren auch 8 chilenische Erstliga-Fußballspieler transportierte. Mehr

10.02.2015, 10:36 Uhr | Gesellschaft
Wie Big Sugar manipuliert Zuckerlobbyisten treiben Forscher vor sich her

Zu viel Zucker macht krank und hat Suchtpotential. Das soll nur keiner wissen, meint die Zuckerindustrie, erst recht nicht die Politik. Ihr Hebel in der Meinungsbildung ist die Medizinforschung. Mehr Von Martina Lenzen-Schulte

26.07.2015, 23:43 Uhr | Wissen

Veröffentlicht: 09.09.2013, 17:40 Uhr

Trennung Gwen Stefani und Gavin Rossdale gehen getrennte Wege

Gwen Stefani und Gavin Rossdale lassen sich scheiden, Schauspielerin Charlize Theron vergrößert ihre Familie und Popsänger Sasha heiratet seine Freundin – der Smalltalk. Mehr 20



Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden