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Versteigerung von Indianer-Masken Hopi gegen Goliath

Für das Auktionshaus sind sie Kunstobjekte, für die Hopi ist ihr Verkauf ein Sakrileg: In Paris ruft eine Versteigerung von Masken der Indianer Empörung hervor.

© dpa Vergrößern Gestohlene Kultobjekte? Eine der zum Verkauf stehenden Hopi-Masken

Vor dem Auktionshaus Hôtel Drouot stehen schon die Gegner dieser Versteigerung. Der Verein „Survival France“ verteilt Info-Blätter. Bo Lomahquahu, ein amerikanischer Austausch-Student mit Hopi-Abstammung, zeigt Flagge. Aber die Besucher lassen sich nicht abhalten: Vor dem Saal herrscht am Freitagnachmittag großes Gedränge. 200 Leute kommen hinein. Drinnen Zwischenrufe. Zur Sicherheit sollen die Objekte erst am Montag ausgeliefert werden. Hier im Saal sind sie nur auf einem Bildschirm zu sehen.

„Katsinam“ nennen die Indianer sie, „Freunde“. Sie sind aus Holz oder Leder, bunt bemalt und dekoriert mit Pferdehaar oder Federn. In den rituellen Masken des Hopi-Stammes sieht das Auktionshaus Néret-Minet Tessier & Sarrou Kunstobjekte, die bei der Versteigerung mit 70 Losen eine Million Dollar einbringen sollen. Für die Hopi ist der Verkauf der Katsinam ein Sakrileg. Die Masken verkörpern in ihrer Religion die Geister der Ahnen, Götter oder Tiere und kommen seit Jahrhunderten in Zeremonien zum Einsatz.

Stammesfremde, die Katsinam als Masken bezeichnen, fotografieren oder mit ihnen handeln, verletzen die Gefühle der tief gläubigen Hopi. „Wir betrachten die Versteigerung nicht als Hommage an unsere Religion sondern als Entweihung“, schreibt LeRoy N. Shingoitewa, der Chef des Stammes, in einem Brief vom 4. April an Gilles Néret-Minet, den Direktor des Auktionshauses. In dem Schreiben bittet er darum, die Auktion zu verschieben. Die Hopi wollten Zeit gewinnen, um die Provenienz der 70 Masken zu untersuchen. Sie vermuten, dass die Objekte illegal fortgeschafft wurden.

„Frankreich ist nicht der 51. Staat der Vereinigten Staaten“

Über den Namen des französischen Sammlers, der die Hopi-Masken über mehr als 30 Jahre zusammengetragen hat, schweigt Néret-Minet. Er beteuert aber, dass alle Objekte bei Auktionen und Verkäufen in den Vereinigten Staaten legal erworben wurden. Shingoitewa verlangt die Preisgabe der Hintergründe.

Das Auktionshaus schwieg zur Herkunft. Daher versuchten Anwälte von „Survival International“, einer Londoner Nichtregierungsorganisation, die sich für die Rechte indigener Völker einsetzt, mit einem Eilantrag eine einstweilige Verfügung gegen die Auktion der heiligen Objekte zu erwirken. Erst am Freitagmorgen, wenige Stunden vor Beginn der Versteigerung, lehnt ein Pariser Gericht den Antrag ab, wie der Anwalt Pierre Servan-Schreiber sagt. Die Richterin habe darauf verwiesen, dass in Frankreich nur menschliche Körper nicht Gegenstand eines Verkaufs sein könnten.

Gegen Auktionen ist der Stamm, der 18.000 Angehörige im nordöstlichen Arizona zählt, bereits vorgegangen - bisher aber noch nie gegen Fälle in Übersee. Amerikanische Behörden bemühen sich, die Hopi zu beraten und zu unterstützen: Philip J. Breeden, der Kultur-Verantwortliche in der amerikanischen Botschaft in Paris zum Beispiel, hat sich brieflich bei Néret-Minet für einen Aufschub der Versteigerung eingesetzt - vergebens. Das Auktionshaus beruft sich auf die französischen Gesetze: „Frankreich ist nicht der 51. Staat der Vereinigten Staaten“, sagt Néret-Minet, der sogar Drohbriefe erhalten hat, in einem Interview. Das Verletzen religiöser Gefühle reiche nicht aus, um eine Auktion zu verhindern. „Sonst müssten wir ja aufhören, jegliche Art sakraler Kunst zu verkaufen, auch Gemälde oder Schmuck.“ Da kein Restitutionsvertrag zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten bestehe, habe die Forderung keine Basis.

Die Proteste lassen die Preise steigen

Über diese Lücke im internationalen Recht wird in Amerika gerade diskutiert. Während die Vereinigten Staaten Kompetenzen haben, um anderen Staaten Kulturgüter zu restituieren, gibt es keine Verträge, die ein solches Vorgehen umgekehrt erlauben würden. Für den internationalen Handel mit Stammeskunst könnte diese Debatte Folgen haben.

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Die Käufer am Freitag rührt die Diskussion nicht. „Die genaue Herkunft bleibt wohl unklar“, sagt ein Sammler, der sich auskennt. Er selbst habe schon Hopi-Objekte, aber da sei die Provenienz sicher. Jeder Hopi bekam eine solche Maske zur Pubertät, und wenn er starb, wurde sie verbrannt, berichtet er. Aber zwischen 1910 und 1940 hätten die Indianer ihre Masken verkauft. Nicht alle Lose seien wirklich spirituelle Masken. Die ersten 20 Lose werden sehr unterschiedlich verkauft, zum Teil zum Schätzpreis, zum Teil darunter oder darüber. Der anonyme Sammler meint dazu trocken, dass die Proteste die Preise steigen lassen. Für ihn ist es deshalb über Wert. Er bietet einmal, geht dann aber nicht mit. Dann wird eine Maske an jemanden verkauft, der sie den Hopis zurückgeben will.

Draußen stehen die Protestierer. „Wir möchten, dass der spirituelle Wert dieser Masken anerkannt wird“, sagt ein Vertreter von Survival. „Wir sind stellvertretend für die Ureinwohner Amerikas hier, die leider nicht kommen können. Alles wird heute nur noch nach Marktgesichtspunkten gesehen. Wir aber möchten eine tiefergehende Reflektion, die auch spirituelle Gesichtspunkte einbezieht.“ Viele hören ihm nicht zu.

Quelle: F.A.Z.

 
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