http://www.faz.net/-gum-8ld8x

Handy-Nutzung und Autofahren : „Blindflug bei hoher Geschwindigkeit“

Ein beliebter Wegbegleiter: Das Smartphone beansprucht die Konzentration vieler Autofahrer während der Fahrt für sich Bild: dpa

Eine Studie der TU Braunschweig zeigt, dass Autofahrer besonders gern auf Autobahnen mit dem Handy hantieren - und dabei ein hohes Risiko eingehen.

          Was lenkt deutsche Autobahnfahrer am meisten ab? Mit dieser Frage beschäftigten sich Forscher der Technischen Universität Braunschweig in einer Studie zum Fahrverhalten im Frühjahr dieses Jahres. Das Ergebnis: Fast zehn Prozent der beobachteten Fahrer waren während der Autobahnfahrt mit Handyaktivitäten beschäftigt. Für die Studie beobachteten Verkehrspsychologen auf der Autobahn 2 zwischen Hannover und Helmstedt 2022 Autofahrer. Dabei stellten sie fest, dass 5,8 Prozent der Fahrer durch Tippen abgelenkt waren, während weitere 1,5 Prozent das Mobiltelefon ans Ohr hielten, um zu telefonieren. Weitere 2,4 Prozent nutzten eine Freisprechanlage. Insgesamt beschäftigten sich 14,6 Prozent der Fahrer während der Autobahnfahrt mit nebensächlichen Dingen, wobei Essen (1,5 Prozent), Trinken (0,7Prozent) und Rauchen (2,2 Prozent) wesentlich weniger zur Ablenkung beitrugen als die Beschäftigung mit dem Telefon.

          Christoph Strauch

          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mark Vollrath, Professor für Ingenieur- und Verkehrspsychologie an der TU Braunschweig und Leiter der Studie, sagte: „Wir beobachteten häufig, dass der Blick erstaunlich lange weg von der Straße hin zum Smartphone geht. Viele haben es nicht nur zum Telefonieren in der Hand, sondern auch um Apps zu bedienen. Das Ergebnis ist ein ‚Blindflug‘ von fünfzig bis hundert Metern bei hoher Geschwindigkeit“.

          Handys gegen Monotonie und Langeweile

          Zugleich deutete aber eine weitere Studie des Forschungsteams auf einen positiven Trend beim Fahrverhalten im Stadtverkehr hin. Für diese Untersuchung waren im März knapp 3000 Autofahrer in Braunschweig beobachtet worden. Demnach stieg zwar der Anteil der Fahrer mit Handy am Ohr gegenüber 2015 leicht von 1,0 auf 1,4 Prozent. Allerdings waren 2016 nur noch 2,3 Prozent mit Tippen beschäftigt, während es 2015 noch 4,3 Prozent waren. Für Vollrath sind diese Zahlen ein Anlass zu verhaltenem Optimismus: „Wir finden einen Rückgang des Tippens auf dem Handy im Vergleich zum letzten Jahr. Hoffen wir, dass sich dieser Trend fortsetzt!“

          Anhand der Studien lässt sich auch feststellen, dass auf der Autobahn doppelt so viele Fahrer ihr Handy vorschriftswidrig nutzten wie im Stadtverkehr. Die Verantwortlichen von der TU Braunschweig erklären die Diskrepanz damit, dass die Versuchung, sich „gerade bei den häufig langen und monotonen Fahrten auf der Autobahn“ ablenken zu lassen, offensichtlich groß sei.

          „Von der Pole-Position in die Park-Position“

          Keine Auskunft geben die Studien indes darüber, wie oft Handynutzung eine Ursache für Verkehrsunfälle ist. Allerdings erhöht sich das Unfallrisiko nach Angaben von Verkehrsexperten durch das Schreiben einer SMS oder das Eintippen einer Telefonnummer um das Sechs- bis Zwölffache. Der Auto Club Europa (ACE), Deutschlands zweitgrößter Automobilclub, startete daher im vergangenen Jahr die Aktion „Park dein Handy, wenn du fährst!“ Er führte seine Forderung, „das Handy während der Fahrt von der Pole-Position in die Park-Position“ zu geben, auf zahlreiche bekannt gewordene Fälle zurück, in denen „im Fahrzeug von tödlich Verunglückten das Telefon mit einer angefangenen Kurznachricht gefunden wurde“.

          Handys dürfen seit dem Jahr 2004 laut Straßenverkehrsordnung während der Fahrt nicht in die Hand genommen und benutzt werden. Verstöße werden mit 60 Euro Bußgeld und einem Punkt beim Flensburger Kraftfahrtbundesamt geahndet.

          Weitere Themen

          Die Knolle der Hundertjährigen

          Knoblauch : Die Knolle der Hundertjährigen

          Auf der ganzen Welt wird er gegessen: Der Knoblauch. Er ist zudem lecker und sorgt schlimmstenfalls für Mundgeruch. Doch ist er überhaupt so gesund, wie so oft behauptet wird?

          Topmeldungen

          Briefkasten für Autofahrer des Finanzamts V in Frankfurt

          Rechnungshof klagt an : Finanzämter verschenken hunderte Millionen

          Zu kompliziert fürs Finanzamt: Steuerprüfer wissen oft selbst nicht, wie viel Geld sie von Steuersündern eintreiben müssen. Das beklagt der Bundesrechnungshof. Es geht um hohe Summen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.