Home
http://www.faz.net/-gun-772ek
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Vereinigte Staaten Gerichte blockieren Hinrichtung eines geistig Behinderten

Eine halbe Stunde vor der geplanten Exekution haben amerikanische Gerichte die umstrittene Hinrichtung eines anscheinend geistig Behinderten blockiert. Womöglich könnte die richterliche Entscheidung nur einen Aufschub bedeuten.

© Reuters Vergrößern

Die umstrittene Hinrichtung eines geistig Behinderten in den Vereinigten Staaten ist nach Medienangaben in letzter Minute durch zwei Gerichte blockiert worden. Demnach stand der 52-jährige Warren Lee Hill am Dienstagabend (Ortszeit) im Staatsgefängnis Jackson (Bundesstaat Georgia) nur etwa eine halbe Stunde vor dem Gang in die Exekutionskammer, als zwei Berufungsinstanzen eine Aussetzung der Urteilsvollstreckung verfügten.

Die Anwälte des zweimal wegen Mordes verurteilten Hill machen seit Jahren geltend, dass ihr Mandant nur einen Intelligenzquotienten von 70 und die geistigen Fähigkeiten eines 12-Jährigen hat. Damit dürfe er nach geltendem Recht nicht hingerichtet werden. Neben Menschenrechtlern, der führenden Juristenvereinigung der Vereinigten Staaten und medizinischen Experten hatten sich auch Prominente wie Ex-Präsident Jimmy Carter für eine Verschonung des Delinquenten starkgemacht.

Das Oberste Gericht der Vereinigten Staaten hat Hinrichtungen geistig Behinderter 2002 als „grausame und ungewöhnliche Bestrafung“ verboten. Die Kriterien für die Feststellung einer geistigen Behinderung bleiben aber den Bundesstaaten überlassen. Georgia legt dabei die strengsten Maßstäbe an: Es verlangt, dass die Behinderung „zweifelfrei“ nachgewiesen werden müsse. Diese Voraussetzung sei im Fall Hill nicht erfüllt, argumentieren die Behörden.

Tatsächlich hatten drei vom Staat angeheuerte Gutachter im Jahr 2000 bescheinigt, dass Hill nicht geistig behindert sei. Sie widerriefen diese Bewertung aber kürzlich - zum Teil mit der Begründung, dass sie den Häftling seinerzeit nur flüchtig untersucht hätten. Hauptsächlich auf dieser Grundlage hatten Hills Anwälte in der vergangenen Woche erneut mehrere Gerichte angerufen, um die Exekution zu stoppen.

Der Zeitung „Atlanta Journal-Constitution“ zufolge war Hill vor dem Hinrichtungstermin am Dienstagabend auf eigenen Wunsch hin bereits ein Beruhigungsmittel verabreicht worden, als die Gerichtsentscheidungen zum Stopp per Telefon eintrafen. Demnach setzte eine Bundesberufungsinstanz in Georgia die Hinrichtung zwecks weiterer Prüfung des Arguments der geistigen Behinderung aus.

Freundin und Mitgefangenen getötet

Eine weitere staatliche Instanz blockierte die Vollstreckung wegen der Exekutionsmethode. Die Verteidiger Hills und anderer zum Tode verurteilter Häftlinge hatten dem Medienbericht zufolge beanstandet, dass die Giftspritze in Georgia nur noch eine Chemikalie statt bisher drei enthält - und dieser einzelne Stoff ohne irgendeine ärztliche Verschreibung verabreicht werde.

Wegen eines Einspruchs gegen die Hinrichtungsmethode war Hill bereits im Sommer vergangenen Jahres knapp der Hinrichtung entgangen. Er hatte 1986 seine 18-jährige Freundin getötet, dafür eine lebenslange Freiheitsstrafe erhalten und 1990 dann einen Mithäftling erschlagen. Dieser zweite Mord trug ihm die Todesstrafe ein.

Quelle: DPA

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Weitere Nachrichten Yahoo findet langsam in die Spur

Die Yahoo-Chefin Marissa Mayer macht beim Konzernumbau Fortschritte, Daimler will den neuen Sprinter zusätzlich in Nordamerika produzieren und Molecular Partners setzt den Börsengang bis auf weiteres aus. Mehr

22.10.2014, 07:05 Uhr | Wirtschaft
Debatte um Todesspritzen wieder entbrannt

Offenbar experimentieren die Vereinigten Staaten bei Hinrichtungen mit neuen Pharmazeutika. Nach dem jüngsten Todeskampf durch eine Injektion ist die Dabette um diese Hinrichtungsmethode wieder voll entbrannt. Mehr

25.07.2014, 14:09 Uhr | Gesellschaft
Ebola Amerika will Quarantäne wieder aufheben

Unkoordiniert und überhastet: So nennt das Weiße Haus Medienberichten zufolge die Ebola-Quarantäne, die mehrere amerikanische Bundesstaaten angeordnet hatten. Diese soll nun wieder aufgehoben werden. Mehr

26.10.2014, 16:49 Uhr | Gesellschaft
Klinsmann will gegen Belgien die Überraschung schaffen

Im WM-Achtelfinale spielen die Vereinigten Staaten am Dienstagabend gegen Belgien. Klinsmanns Mannschaft hat bei dieser WM schon mehr erreicht, als viele ihr zugetraut hätten. Jetzt will er noch höher hinaus. Mehr

01.07.2014, 12:26 Uhr | Sport
Weitere Nachrichten Siemens will von Fracking in Amerika profitieren

Tui und Tui Travel fusionieren, bei der Investmentbank Goldman Sachs in Deutschland gibt es einen Führungswechsel und in Portugal trifft der Flugbegleiter-Streik Zehntausende Passagiere. Mehr

29.10.2014, 07:16 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 20.02.2013, 03:19 Uhr

Auftritt in UNO-Gebäude Conchita Wurst singt für Ban Ki-moon

Conchita Wurst darf an der Seite des UN-Generalsekretärs singen, Andy Borg kämpft um seinen „Musikantenstadl“ und Julia Roberts führt ihre straffen Züge auf Yoga zurück – der Smalltalk. Mehr 1

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden