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Vereinigte Staaten Cheney: Einer der schlimmsten Tage meines Lebens

 ·  Der Jagdunfall von Dick Cheney, bei dem er statt einer Wachtel einen Anwalt anschoß, ist ein gefundenes Fressen für die Opposition. Jetzt hat der amerikanische Vizepräsident sich doch einmal öffentlich geäußert.

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Der amerikanische Vizepräsident Dick Cheney hat persönlich die Verantwortung für den Jagdunfall übernommen, bei dem er am Samstag einen texanischen Anwalt angeschossen hatte. Cheney sagte am Mittwoch dem Fernsehsender Fox News, für diesen Vorfall lasse sich „niemand anders“ verantwortlich machen als er selbst. Schließlich sei er derjenige, „der den Abzug gedrückt hat“. Cheney sagte, es habe sich „um einen der schlimmsten Tage meines Lebens“ gehandelt.

Der Vizepräsident war in den vergangenen Tagen heftig dafür kritisiert worden, daß er sich nicht persönlich zu dem Unfall geäußert hatte. Er hatte vor dem Interview nur zwei sehr knappe schriftliche Statements zu dem Vorfall über sein Büro verbreiten lassen. Seit dem Jagdunfall, bei dem er statt einer Wachtel einen Anwalt anschoß, schütten Talkmaster, Kolumnisten und Zeitungsmacher kübelweise Spott und Häme über ihn aus.

Doch der Vorfall ist viel zu ernst, als daß ihn auch das Weiße Haus mit Humor abtun könnte. Nicht nur, daß der Zustand des Opfers schlimmer ist als zunächst angenommen: Nach Angaben der Ärzte erlitt der 78jährige Harry Whittington eine leichte Herzattacke, nachdem eine der Schrotkugeln in sein Herz abwanderte. Auch läßt der Vorfall die generelle Kritik am geheimniskrämerischen Stil des Vizepräsidenten aufleben, der als Drahtzieher des unpopulären Irak-Krieges gilt.

In der Bredouille

Es ist nicht so sehr der fehlgegangene Schuß an sich wie sein späterer Umgang mit dem Malheur, der Cheney nun in die Bredouille bringt. Er hatte nach dem Vorfall vom Samstag zunächst darauf verzichtet, die Öffentlichkeit zu informieren. Statt dessen war es Katharine Armstrong, die Besitzerin der südtexanischen Ranch, auf der Cheney seinen Jagdausflug unternommen hatte, die mit einem Tag Verspätung eine Lokalzeitung anrief und die Berichterstattung ins Rollen brachte. „Wir werden nie wissen, ob das Büro des Vizepräsidenten jemals den Vorfall bekanntgeben hätte“, hätte Armstrong nicht von sich aus beschlossen, damit an die Öffentlichkeit zu gehen, konstatierte der Kolumnist David Ignatius in der „Washington Post“.

Cheney wich seit dem Vorfall aber auch weiterhin den Reportern in Washington aus. Bislang gab er dazu lediglich zwei knappe schriftliche Statements ab. In dem ersten gestand er ein, die Jagdgebühr von sieben Dollar nicht gezahlt zu haben. Im zweiten teilte er mit, in „Gedanken und Gebeten“ bei Whittington und dessen Familie zu sein. Den oppositionellen Demokraten ist das natürlich viel zu wenig. Sie geißelten das Verhalten des Vizepräsidenten als Ausdruck einer allgemeinen Geisteshaltung - die Regierung weigere sich beharrlich, „Informationen herauszugeben, die für alle wichtig sind“, wetterte die Senatorin und frühere First Lady Hillary Clinton, die sich nach Meinung vieler schon für eine mögliche Präsidentschaftskandidatur 2008 in Stellung bringt.

Objekt ständiger Kaffeesatzleserei

In der Tat verkörpert Cheney wohl wie kein anderer eine in der Bush-Regierung besonders ausgeprägte Abwehrhaltung gegenüber den Medien. Der Vizepräsident spricht generell nur ungern mit Journalisten und tritt auch nur selten als Redner auf - dann aber vor ihm wohlgesonnenen konservativem Publikum. Am liebsten betätigt sich der 65jährige, der vor seinem Amtsantritt 2001 bereits vier Herzattacken erlitten hatte, als Strippenzieher hinter den Kulissen.

Mit seiner Aura des Mysteriösen ist Cheney das Objekt ständiger Kaffeesatzleserei in Washington. Spekuliert wird über die Zusammensetzung seiner einstigen Kommission zur Energiepolitik - Cheney hat die Namen der Mitglieder nie genannt. Gerätselt wird über seine Rolle bei der Vorbereitung des Irak-Krieges - manche werfen ihm vor, die Manipulation von Daten über Saddam Husseins Waffenarsenal federführend betrieben zu haben. Und spekuliert wird nicht zuletzt auch über seine Rolle im Skandal um die Enttarnung der Geheimagentin Valerie Plame, der zur Anklageerhebung gegen seinen zurückgetretenen Stabschef Lewis Libby geführt hat.

In seiner Rolle als extrem effektiver Drahtzieher hinter Bush gilt Cheney als der mächtigste Vizepräsident aller Zeiten. Aber er ist wohl auch einer der unbeliebtesten. Kurz vor dem Jagdunfall zeigte ihn eine Umfrage des Senders CBS und der „New York Times“ bei der desaströsen Zustimmungsrate von 23 Prozent. Insofern gibt Cheney nun auch ein besonders dankbares Ziel für die Spötter ab. In der satirischen Nachrichtensendung „The Daily Show“ von Jon Stewart berichtete einer der Pseudo-Reporter, daß Cheney sich „auf die besten vorhandenen nachrichtendienstlichen Daten“ verlassen habe, wonach in dem Gestrüpp Wachteln versteckt gewesen seien. Eine Anspielung auf die Argumentation zu den nie gefundenen Massenvernichtungswaffen im Irak.

Bis zu dem Herzinfarkt hatten die Ärzte Whittingtons Zustand als gut bezeichnet. Der 78jährige habe nur oberflächliche Wunden erlitten und befinde sich auf bestem Wege, sich zu erholen. In ganz Amerika begannen die Menschen daraufhin über den Unfall und seinen Verursacher zu spotten.

Spott und Spannungen im Weißen Haus

Auch Bushs Sprecher Scott McClellan eröffnete seine tägliche Pressekonferenz am Dienstag morgen mit einem Scherz über den Vize-Präsidenten: Als er einen Termin im Zusammenhang mit dem Football-Team der Universität von Texas ankündigte, ließ er sich von deren orangen Trikots zu einer Anspielung auf die orangen Warnjacken verleiten, die Mitglieder einer Jagdgesellschaft häufig tragen, um deutlich sichtbar zu sein. McClellan sagte über die Football-Spieler: „Sie tragen nicht deshalb orange, weil sie befürchten, der Vize-Präsident sei in der Nähe.“ Und dann fügte er unter Hinweis auf seine Krawatte hinzu: „Das ist allerdings durchaus der Grund, warum ich diese Farbe trage.“

Gefährlicher als solche Lästerei sind für Cheney aber die seit dem Unfall deutlich erkennbaren Spannungen innerhalb des Weißen Hauses. Pressesprecher McClellan vermied zwar jegliche direkte Kritik an Cheney und dessen Stab, ließ aber durchblicken, daß er selbst eine andere Informationspolitik betrieben hätte: Nachdem sich der Präsident im vergangenen Sommer bei einem Sturz vom Fahrrad verletzt hatte, habe er „sofort die Presse gebrieft“, rief McClellan in Erinnerung. Noch gibt es zwar keinerlei Anzeichen dafür, daß auch Bush von seinem Stellvertreter abrücken könnte. Doch Cheneys Stellung im Machtgefüge des Weißen Hauses scheint zumindest vorübergehend geschwächt.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AFP, Reuters
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