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Vatikan korrigiert : Die Hölle existiert doch

Papst Franziskus spricht während der Osternachtsmesse im Petersdom im Vatikan. Bild: dpa

Im Gespräch mit einem Journalisten soll Franziskus gesagt haben, dass es die Hölle nicht gebe, sondern bloß „die Auslöschung sündhafter Seelen.“ Der Vatikan sieht sich zu einer Richtigstellung veranlasst.

          Ein Hintergrundgespräch des italienischen Publizisten Eugenio Scalfari mit Papst Franziskus hat für Unruhe unter zahlreichen Katholiken gesorgt und Debatten unter Theologen ausgelöst. Der inzwischen 93 Jahre alte Scalfari, der 1976 zu den Gründern der Tageszeitung „La Repubblica“ gehörte, war in der Karwoche von Franziskus zu einem Gespräch anlässlich des bevorstehenden Osterfestes empfangen worden. Der 81 Jahre alte Pontifex hatte den bekennenden Atheisten schon mehrfach zu Gesprächen eingeladen, weil er offenbar den kontroversen Austausch mit Scalfari schätzt.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Obwohl sich Scalfari wie üblich keine Notizen gemacht und das Gespräch auch nicht aufgezeichnet hatte, publizierte er zwei Tage nach dem Treffen in der Gründonnerstagsausgabe der „Repubblica“ ein Interview mit dem Papst. Darin findet sich das Franziskus-Zitat: „Die Hölle gibt es nicht. Es gibt lediglich die Auslöschung sündhafter Seelen.“

          Angesichts eines globalen Aufschreis der Erleichterung, aber auch der Entrüstung, dass der Stellvertreter Christi gewissermaßen die Hölle abgeschafft habe, sah sich der Vatikan zu einer Richtigstellung veranlasst. Demnach habe Papst Franziskus keineswegs die Existenz der Hölle geleugnet, vielmehr sei der Heilige Vater von Scalfari falsch wiedergegeben worden. Überhaupt handele es sich bei den zahlreichen direkten Zitaten des Textes von Scalfari nicht um „wortgetreue Wiedergaben“ dessen, was das Oberhaupt von 1,2 Milliarden Katholiken gesagt habe. Das Gespräch habe zudem nicht im Rahmen eines Interviews stattgefunden.

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          Schon 2014 hatte ein Gespräch Scalfaris mit Franziskus für Unruhe gesorgt. Darin hatte der Papst nach Mitteilung Scalfaris eine baldige „Lösung“ für die Frage Ehelosigkeit katholischer Priester in Aussicht gestellt. Auch damals musste der Vatikan die angeblich wortgetreuen Aussagen des Pontifex dementierten.

          Vatikan-Kenner berichten, der Papst sei langmütig und empfange Scalfari ungeachtet des wiederholten Ärgers immer wieder zu Gesprächen, weil ihn mit diesem eine Freundschaft verbinde. Zudem fordere Franziskus auch seine genervten Berater zur Nachsicht mit Scalfari, weil der prominente Publizist so alt sei.

          Was der Papst denn nun selbst über die Hölle denkt, teilte der Vatikan in seinem Dementi der Zitate Scalfaris vom Gründonnerstag nicht mit. Im katholischen Katechismus, der die Kirchenlehre zusammenfasst, heißt es: „Die Seelen derer, die im Stand der Todsünde sterben, kommen sogleich nach dem Tod in die Unterwelt, wo sie die Qualen der Hölle erleiden.“

          Der Atheist Scalfari jedenfalls braucht sich vor der Hölle, sollte es diese nun doch geben, nicht zu fürchten. Wenn ihm der Heilige Vater immer wieder notorisches Falschzitieren (vulgo Lügen) vergibt, hat Scalfari womöglich sogar Aussicht, in den Himmel zu kommen. Sollte es diesen geben.

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