26.09.2005 · Überraschend hat der Papst den Kirchenkritiker Hans Küng empfangen, was als Zeichen der Versöhnung gewertet wurde. Bei ihrem Gespräch ging es aber nicht um die zum Teil 35 Jahre alten Streitpunkte, sondern um das Verbindende zwischen den Weltreligionen.
Papst Benedikt XVI. hat überraschend den vom Vatikan 1979 gemaßregelten Tübinger Theologen Hans Küng empfangen. Das Gespräch sei „in freundschaftlicher Atmosphäre“ verlaufen, allerdings habe man keinerlei Glaubensfragen angesprochen. „Beide Seiten waren sich einig, daß es nicht sinnvoll sei, im Rahmen dieser Begegnung in einen Disput über die Lehrfragen einzutreten, die zwischen Hans Küng und dem Lehramt der katholischen Kirche bestehen“, sagte Vatikansprecher Joaquin Navarro-Valls am Montag in Rom. Das Treffen hatte bereits am Samstag stattgefunden.
Dem gebürtigen Schweizer Küng war 1979 von Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. die Lehrerlaubnis entzogen worden. Küng hat in seinen Publikationen unter anderem die von der Kirche zum Dogma erhobene Unfehlbarkeit des Papstes in Glaubens- und Sittenfragen kritisiert. Später wandte er sich gegen einen römischen Zentralismus etwa bei Bischofsernennungen. In den vergangenen Jahren verurteilte er immer wieder die konservative Haltung des Vatikans. Er war auch ein scharfer Gegner der Positionen von Papst Johannes Paul II. Im April äußerte er sich enttäuscht über die Wahl Joseph Ratzingers zum Papst.
Gemeinsame moralische Werte aller Religionen
Der Vatikansprecher betonte den persönlichen Charakter des Treffens der beiden Theologen, die sich bereits aus der Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) kennen und in Tübingen eine Zeit lang gemeinsam als Dogmatik-Professoren arbeiteten.
Das Oberhaupt der katholischen Kirche und Küng hätten eine „freundschaftliche“ theologische Diskussion geführt, sagte Navarro- Valls. Das Gespräch habe sich auf Küngs Bemühungen um ein „Weltethos“ konzentriert. Weiteres Thema sei der Dialog zwischen Naturwissenschaften und Glauben gewesen.
Küng habe gesagt, bei seinem Projekt „Weltethos“ gehe es nicht um eine abstrakte intellektuelle Konstruktion, sondern um gemeinsame moralische Werte der großen Weltreligionen. Der Papst habe das Bemühen gewürdigt. „Der Einsatz für ein erneuertes Bewußtsein der das menschliche Leben tragenden Werte“ sei auch „ein wesentliches Anliegen seines Pontifikates“, fügte der deutsche Papst hinzu.
Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche lobte auch das Bemühen Küngs, „die Gottesfrage dem naturwissenschaftlichen Denken gegenüber in ihrer Vernünftigkeit und Notwendigkeit zur Geltung zu bringen“.
karl-heinz deschner ist der echte kirchenkritiker
Isa Welpe (iwelpe)
- 26.09.2005, 22:23 Uhr
Ratzinger ist versöhnlich.
Herbert Frohnhofen (Theophil23)
- 27.09.2005, 08:36 Uhr