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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Vatikan Ärzte zufrieden: Papst kann wieder selbständig atmen

 ·  Papst Johannes Paul II. erholt sich in der Gemelli-Klinik von dem Luftröhrenschnitt. Mittlerweile kann er wieder selbstständig atmen, aber nicht sprechen, und regiert derweil die Kirche mit Kugelschreiber und Notizblock. Weltweit beten Gläubige für die Genesung des Pontifex.

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Papst Johannes Paul II. erholt sich dem Vatikan zufolge in der Nacht nach einem erfolgreichen Luftröhrenschnitt in seinem persönlichen Krankenhauszimmer. Der 84jährige hatte sich am Donnerstag abend wegen akuter Atembeschwerden dem Eingriff unterziehen müssen, wurde danach aber nicht auf die Intensivstation verlegt.

Ein Sprecher verkündete, daß der Papst mittlerweile wieder selbstständig atmen könne und sogar ein Frühstück zu sich genommen habe. Er werde wahrscheinlich aber noch einige Zeit nicht sprechen können. In der Zwischenzeit regiert Johannes Paul II. die katholische Kirche mit Kugelschreiber und Notizblock. Damit er sich auch ohne Stimme äußern kann, liegen die Utensilien auf seinem Klinikbett dicht neben seiner rechten Hand.

Ruhige Nacht im Gemelli-Krankenhaus

„Die Ärzte sind sehr zufrieden damit, wie der Papst die Operation überstanden hat“, sagte Gianni Letta, ein Berater von Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Es war das zweite Mal in diesem Monat, daß der Papst wegen einer Grippe ins Gemelli-Krankenhaus in Rom eingeliefert werden mußte. Experten zeigten sich besorgt über seine Prognose nach dem Rückfall.

Augenzeugen berichteten von einer ruhigen Nacht im Gemelli-Krankenhaus. In den Räumen des Papstes im 10. Stock brannte bis etwa 2.00 morgens Licht. Für den weiteren Tagesverlauf wird ein neuer Bericht der Ärzte in der katholischen Universitätsklinik erwartet. Auch der Vatikan will sich zum Gesundheitszustand des Papstes äußern. Die Katholische Deutsche Bischofskonferenz hat die Gläubigen zu Gebeten für den Papst aufgerufen.

Papst scherzte vor der Operation mit Ärzten

Vor dem Eingriff habe der Papst mit seinen Ärzten gescherzt, sagte Letta. Auf die Erklärung eines Arztes, es handle sich nur um einen kleinen Eingriff, habe der Papst erwidert: „Kommt darauf an, was Sie mit ,klein´ meinen.“ Nach der Operation habe er gesehen, wie der Papst gewunken habe, sagte Letta weiter. Die italienische Nachrichtenagentur ANSA meldete, die Atmung des Papst habe nach der Operation von einer Maschine unterstützt werden müssen. Ärzte sagten jedoch, eine maschinelle Hilfe sei ein normaler Teil des Eingriffs.

Nach dem Luftröhrenschnitt, bei der ein Schlauch eingeführt wird, um das Amten zu erleichtern, könne es Wochen oder sogar Monate dauern, bis Johannes Paul II. wieder seine gewohnten Aufgaben übernehmen oder auch nur sprechen könne, sagte Experten. Der Leiter der Kopf-und-Hals-Chirurgie an der Universität von Kalifornien in Los Angeles, Gerald Berke, warnte vor der Gefahr einer Lungenentzündung. „Bei jemanden in seinem Alter, der Parkinson im Endzustand hat und eine Lungenentzündung und einen Luftröhrenschnitt, würde man die Situation als kritisch bezeichnen“, sagte er. „Kritisch heißt in diesem Zusammenhang, daß wenn noch etwas geschieht, es eine tödliche Erkrankung werden könnte.“ Andere Experten sagten, es könne bis zu zwei Wochen dauern, bis die Ärzte des Papstes selbst dessen Zustand genau einschätzten könnten.

Bush: Heiliger Vater in unseren Gebeten

Amerikas Präsident George W. Bush übermittelte dem Papst von Bord der Präsidentenmaschine „Air Force One“ aus Genesungswünsche. „Im Namen aller Amerikaner wünschen Laura und ich eine schnelle Erholung. Der Heilige Vater ist in unseren Gedanken und unseren Gebeten“, heißt es nach Angaben des Weißen Hauses in der Botschaft. Bush befand sich am Freitagmorgen zusammen mit seiner Frau Laura auf dem Rückflug von seiner Europareise nach Washington.

Johannes Paul II. war am 1. Februar mit einer Grippe und akuter Atemnot ins Krankenhaus eingeliefert worden und verbrachte dort zehn Tage. Der Papst leidet zudem an der Parkinson-Krankheit. Seine Gesundheitsprobleme lösen immer wieder Spekulationen über einen Nachfolger aus. Das Amt bekleidet er seit 1978.

Polen fleht: „Herr, laß ihn die Krankheit überwinden“

Die Sorge um die Gesundheit von Johannes Paul II eint die Polen über Generationen und politische Grenzen hinweg. Vom frühen Morgen an berichtete der Nachrichtensender „TVN 24“ in Sondersendungen aus Rom. „Herr, laß ihn die Krankheit überwinden“, titelt die Boulevardzeitung „Fakt“. Auch in den anderen polnischen Medien war der kranke Papst das beherrschende Thema.

Bereits am Donnerstag abend hatten sich immer mehr Gläubige in Kirchen und Wallfahrtsorten versammelt, um für die Genesung des Papstes zu beten. In zahlreichen Kirchen gab es Sondergottesdienste, so auch in Wadowice, dem südpolnischen Geburtsort von Johannes Paul II. Viele Polen drückten ihre Sorge um den Papst auch mit SMS-Nachrichten an Medien und im Internet aus. „Halte durch!“, schrieb einer von ihnen, ein anderer bekannte: „Ich bin nicht gläubig, aber ich drücke dem Papst die Daumen“.

Ratzinger rief zu Gebeten auf

Der zweite Klinikaufenthalt des Oberhauptes der römisch-katholischen Kirche innerhalb eines Monats hatte im Vatikan und unter Gläubigen tiefe Sorge ausgelöst. „Die katholischen Christen in Deutschland und besonders alle Erzbischöfe und Bischöfe wissen sich in diesen Stunden besonders eng mit Papst Johannes Paul II. verbunden und beten für seine nachhaltige Genesung“, erklärte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, am Freitag in Bonn. Der deutsche Kurienkardinal Joseph Ratzinger rief schon am Donnerstag dazu auf, für den Papst zu beten. Vor allem in der polnischen Heimat des Papstes waren die Menschen bestürzt.

Der seit mehr als 26 Jahren amtierende Kirchenführer war bereits seit seinem zehn Tage dauernden Klinikaufenthalt Anfang Februar sichtlich geschwächt gewesen. Erst Anfang dieser Woche hielt Karol Woytila wieder kurze Audienzen, doch bereits am Mittwoch war er wieder so krank, daß er seine Generalaudienz absagen mußte. Er sprach lediglich per Videoübertragung zu den Gläubigen; seine Stimme klang dabei rau und brüchig.

Quelle: FAZ.NET mit Reuters/AP/AFP/dpa
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