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Vampir-Serie „True Blood“ : Würden Sie mich bitte mal beißen?

  • -Aktualisiert am

„Es war das Sahnehäubchen“: Anna Paquin und Ehemann Stephen Moyer im Mai Bild: REUTERS

Noch ein Vampir-Duo: Anna Paquin und Stephen Moyer, Hauptdarsteller der Serie „True Blood“, sind die erwachsene Version der „Twilight“- Liebenden. Ein Paar sind sie auch im wahren Leben.

          Mag ja sein, dass Kristen Stewart, 22, und Robert Pattinson, 26, gerade das Rampenlicht auf sich gerichtet haben: Alltäglich werden in der internationalen Boulevardpresse die Chancen dafür neu berechnet, dass das schmachtende Paar aus der Kino-Vampirsaga „Twilight“, wieder zusammenkommt, nachdem Stewart zugegeben hat, eine Affäre mit Rupert Sanders, dem Regisseur eines anderen Films (und einem verheirateten Familienvater), gehabt zu haben. Unter Filmschaffenden hatten sich zwischenzeitlich sogar zwei Lager gebildet: für ihn (Reese Witherspoon gewährte Unterschlupf), für sie (Jodie Foster schrieb einen offenen Brief gegen die Kristen-Hatz: „Genug damit!“).

          Dabei müssen als das aufregendste Pärchen der Vampirwelt nicht Pattinson und Stewart, sondern Anna Paquin, 30, und Stephen Moyer, 42, gelten. Die beiden Hauptdarsteller aus der bluttriefenden, lüsternen und immer wieder schockierenden Serie „True Blood“ sind so etwas wie die erwachsene Version des skandalumtobten „Twilight“-Duos. Sie ist offen bisexuell, er hat für die Moralwächter Amerikas allenfalls Verachtung übrig. Zusammen mit Moyers Kindern Lilac und Billy aus zwei früheren Beziehungen leben die beiden in L.A.s Hippie-Stadtteil Venice; im Herbst erwartet das Paar Zwillinge. Und wie sie uns im schicken Four Seasons Hotel in Beverly Hills gegenübersitzen, sie im kurzen, schwarzen Moschino-Kleid, das ihren Babybauch umspannt, er in dunkler Jeans und legerem grauen Shirt, da möchte man glatt ebenfalls mal gebissen werden.

          Paquin und Moyer in einer Szene von „True Blood“
          Paquin und Moyer in einer Szene von „True Blood“ : Bild: dapd

          Auch Moyer und Paquin lernten sich bei den Dreharbeiten kennen; auf dem Set von „True Blood“ wurden sie zum Paar. Auch hier ist er der Vampir mit düsterem Blick und Sixpack (das waren noch Zeiten, als die aufregenden Blutsauger ihre Körper unter langen Umhängen verbargen), und sie die Unschuld vom Lande, die indes nicht bloß von konkurrierenden Vampiren und Werwölfen, sondern außerdem von Formwandlern, Mänaden, Feen und Hexen begehrt wird. Auch hier wird, ziemlich regelmäßig sogar, herumgeschlafen, sogar vor laufender Kamera - „True Blood“ zeigt mehr Sex als vermutlich jede andere Serie im amerikanischen Fernsehen. „Ich habe damit kein Problem“, sagt Paquin schulterzuckend dazu, „es sind halt Körper.“

          Der Vampir ist seit Bram Stokers „Dracula“ von 1897 das literarische Symbol dunkler sexueller Lüste - „Ladyporn“, wie „True Blood“-Schöpfer Alan Ball sagt, der auch für außergewöhnliche Filme wie „American Beauty“ und gewagte Serien wie „Six Feet Under“ verantwortlich war.

          Karrierestart im Rückwärtsgang

          Doch was in „Twilight“ als zittrige Romanze in Erscheinung tritt, ist bei „True Blood“ ein vielschichtiges Tableau sexueller Identitäten und erotischer Phantasien. Das eigentlich Aufregende an einem Vampir, sagt Moyer, sei die Kombination von altmodischen Gentleman-Manieren und physischer Übermacht. „Das ist sehr sexy.“ Und ihre Südstaaten-Kellnerin Sookie, sagt Paquin, sei weiß Gott keine, die gerettet werden muss. Während „Twilight“ im Internet Hohn und Spott über sich ergehen lasssen muss (“,Twilight’ ist wie Fußball“, ätzte ein Tweet, „zwei Stunden Rumgerenne, keiner kommt zum Zug, und Milliarden Fans beteuern, dass wir’s einfach nicht kapieren“), hat „True Blood“ mit einem Golden Globe und einem Emmy die wichtigsten Fernsehpreise Amerikas gewonnen.

          Aber es ist halt nur Fernsehen, oder? Paquin blickt halb amüsiert, halb abschätzig auf. Sie hat eine ungeduldige, trockene Art, die haarscharf am Schnippischen vorbeigleitet. „HBO“, sagt sie über den renommierten amerikanischen Bezahlsender, auf dem ihre Serie läuft, „ist besser als fast alles andere, was es da draußen zu sehen gibt.“

          Die „True Blood“-Darsteller (von links) Stephen Moyer, Joe Manganiello, Anna Paquin, and Alexander Skarsgard
          Die „True Blood“-Darsteller (von links) Stephen Moyer, Joe Manganiello, Anna Paquin, and Alexander Skarsgard : Bild: dapd

          Paquin war neun Jahre alt, als man sie in ihrer Heimat Neuseeland für das Kostümdrama „Das Piano“ castete - eine Rolle, für die sie mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. „In Neuseeland war Kinderschauspielerin keine Laufbahn“, sagt sie. „Meine Eltern fanden Ruhm nie attraktiv, keiner sagte: Hier, nehmt unser Kind und macht uns berühmt. Niemand forcierte mich, also konnte ich echtes Interesse entwickeln.“ Mit neunzehn spielte sie in New York unter der Regie von Philip Seymour Hoffman Theater. Es war eine Art Karrierestart im Rückwärtsgang: „Erst ein Kinofilm und ein Oscar, dann einige kleine Filmnebenrollen - und dann interessante Bühnenrollen.“ Es folgten Blockbuster wie „X-Men“ und vielfach preisgekrönte Independentfilme wie „The Squid and the Whale“ und schließlich „True Blood“.

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