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Vampir-Serie „House of Night“ : Es gab immer nur uns zwei

Eine fröhliche Mutter-Tochter-Beziehung: P.C. Cast (links) schreibt die Bestseller, Kristin ergänzt popkulturelle Referenzen. Bild: Julia Zimmermann

P.C. Cast und ihre Tochter Kristin haben mit „House of Night“ eine sehr erfolgreiche Vampir-Serie erfunden. Bei ihrem ersten Besuch in Deutschland verraten sie auch viel über sich.

          Ach, gäbe es hier doch nur einen Funken Geist, ein kleines bisschen Magie, wie sie die Vampire aus Oklahoma betreiben!

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auf der Bühne eines Berliner Kinos sitzt ein blonder Jüngling, der mit dem Phantasienamen „Ajax, der Schauspiellehrer“ eingeführt wurde, und ist heillos überfordert. Eben noch hat er eine Passage aus dem druckfrischen zehnten Band der Serie um das Vampir-Internat „House of Night“ gelesen („Verloren“, Fischer FJB, 16,99 Euro). Es ging um die der Finsternis verfallene Hohepriesterin Neferet, die dem Kater des Kriegers Dragon Lankford die Kehle durchtrennt, um Aurox durch die Kraft des Blutes in einen wütenden Stier zu verwandeln, der wiederum Rephaim töten und auf diese Weise Zoeys Freundin Stevie Rae davon abhalten soll, einen Enthüllungszauber zu vollenden. Wer hier den Überblick verliert, weil er es versäumt hat, die 3840 Seiten der Vorgängerbände zu verschlingen, dem sei verziehen. Das jugendliche Publikum jedoch, das über seine Lieblingslektüre Sätze sagt wie „man wünscht sich einfach, dabei sein zu können“ kennt seine Pappenheimer und folgt gebannt.

          Nach der Lesung sitzen zum ersten Mal, seit 2009 die laut Verlagswerbung „derzeit erfolgreichste Vampyr-Serie auf dem deutschen Markt“ startete, die beiden Autorinnen auf einer deutschen Bühne: das Mutter-Tochter-Duo P.C. und Kristin Cast. Und Ajax, der Schauspiellehrer, der aussieht, als wäre er einer Foto-Love-Story der „Bravo“ entsprungen, soll jetzt Moderator und Übersetzer sein. Leider kann er nicht ausreichend gut Englisch, um die Fragen der Fans und die Antworten der amerikanischen Fantastik-Stars in die jeweils andere Sprache zu übertragen. Weder die blaue Mondsichel, die er sich auf die Stirn gemalt hat, noch die Ornamente, die sich wie bei den Buch-Vampiren über seine Schläfen ranken, können ihm da helfen.

          Bis 2014 sollen alle fünf Filme fertig sein

          “Alles, was in den Büchern an Ideen kommt, ist naturwissenschaftlich bewiesen“, übersetzt Ajax zum Beispiel. Dabei hat Mutter Cast gerade nur erklärt, dass sie ihre Theorie über die körperliche und geistige Verwandlung menschlicher Teenager zu Vampiren mit Hilfe ihres Vaters erfunden habe, und der ist Biologe. Kurz darauf geht es um die Verfilmung der Serie, also um die wohl am häufigsten und am heißesten diskutierte Frage in allen Fan-Foren. P.C. Cast berichtet, fünf Filme werde es geben, der erste komme hoffentlich 2014 in die Kinos.

          Da schaltet sich Kristin ein. Die Sechsundzwanzigjährige rüffelt von der Seite, sie dürften das Datum doch noch gar nicht nennen, woraufhin die Ältere mit ihrem Mikrofon selbstironisch ein paar Hiebe in Richtung der Jüngeren andeutet. Eine kleine spontane Darbietung: So also geht es zu, wenn Mutter und Tochter gemeinsam Bücher schreiben!? Der Schönling mit dem aufgeschminkten Mond unterdessen wünscht viel Glück: Bis 2014 sollten alle fünf Filme fertig sein, übersetzt er.

          „Der nächste Trend muss demnächst erspürt werden“

          Nun sind mangelnde Englischkenntnisse das eine. Das andere sind Wissen und Unwissen um die komplexen phantastischen Welten, in die lesende Teenager sich gerne hineinträumen, um sich selbst darin zu entdecken. Die Serie um das Vampir-Internat „House of Night“ ist die Verlängerung eines Trends, der mit Harry Potter (Internat!) begann und von Stephenie Meyers „Twilight“-Trilogie (Vampire!) beflügelt wurde - und den Renate Reichstein, designierte Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen, „die Neuzeit der Kinder- und Jugendliteratur“ nennt. Eines Tages irgendwann in den Nuller Jahren war es für Menschen jenseits der zwanzig nicht mehr peinlich, mit einem dunkel glänzenden Buch mit aufgeprägten Ornamenten in der S-Bahn zu sitzen.

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