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Veröffentlicht: 09.09.2013, 16:18 Uhr

Untersuchung von Bodenproben Richard III. war von Spulwürmern befallen

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass der englische König Richard III. von Spulwürmern befallen war. Die Eier der Parasiten werden bei mangelnder Hygiene übertragen.

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© University of Leicester Die Eier des Spulwurms (Ascaris lumbricoides) waren in Bodenproben gefunden worden.

Der englische König Richard III. litt unter Spulwürmern. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler von den Universitäten von Leicester und von Cambridge, die seit einem Jahr die sterblichen Überreste des Monarchen untersuchen. Wie die Forscher in der Fachzeitschrift „Lancet“ berichten, entdeckten sie die Eier des Spulwurms (Ascaris lumbricoides) in Bodenproben, die sie aus dem Grab entnahmen. Die Eier fanden sich letztlich nur dort, wo sich einst Richards Magen-Darm-Trakt befand. Die entsprechende Stelle ist auf dem Bild mit einem S gekennzeichnet. C1 und C2 markieren Stellen, an denen ebenfalls Proben entnommen wurden, die allerdings keine Parasiteneier enthielten.

Peter-Philipp Schmitt Folgen:

Spulwurmeier werden bei mangelnder Hygiene übertragen, etwa über ungewaschene Hände nach dem Toilettengang. Die Larven des bis zu 35 Zentimeter langen und gefährlichen Parasiten schlüpfen im Darm. Nach einer Wanderung durch den Körper wachsen sie wieder im Darm zu großen Ansammlungen praller Würmer heran. Weibchen können bis zu 200 000 Eier am Tag legen. Ein Wurmbefall kann zu Bauchfellentzündung, Leber- und Milzvergrößerung sowie zu einem lebensbedrohenden Darmverschluss führen.

Fund gilt als Sensation

Wie die Wissenschaftler um Piers D. Mitchell von der Universität Cambridge berichten, konnten bei Menschen im ausgehenden Mittelalter eine ganze Reihe unterschiedlicher Darmparasiten nachgewiesen werden, darunter Fadenwürmer wie der nun gefundene Spulwurm, darüber hinaus Bandwürmer wie Rinder-, Schweine- und Fischbandwurm sowie Peitschenwürmer und Große Leberegel.

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Da bei Richard III. nur Eier von Spulwürmern gefunden wurden, gehen die Forscher davon aus, dass der König - wie die meisten Wohlhabenden seiner Zeit - zwar gewiss regelmäßig Fisch und Fleisch gegessen haben dürfte, die Speisen aber besonders gut gekocht und sorgfältig gebraten waren, so dass die Darmparasiten schon in der Küche abgetötet wurden.

Das Grab Richards III. (1452 bis 1485) war im September 2012 in der Franziskanerkirche (Grey Friars Church) in Leicester entdeckt worden. Der Fund des in der Schlacht von Bosworth Field gefallenen Königs gilt als Sensation. Wie sich ebenfalls bei näheren Untersuchungen erst jetzt herausstellte, überdauerte das Skelett die Zeit dabei nur zufällig. Wenige Jahrzehnte nach Richards Tod wurde das Franziskanerkloster in Leicester von Heinrich VIII. während der sogenannten englischen Reformation aufgelöst und später abgerissen. Die bis unter die Erde gehenden Abbrucharbeiten endeten nur wenige Zentimeter neben den damals wohl schon vergessenen Überresten des Königs, dem vor allem William Shakespeare mit seinem Drama „Richard III.“ zu Weltruhm verhalf.

Quelle: F.A.Z.

 

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