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Maskulist Arne Hoffmann : It’s a woman’s world

„Unsere Zivilisation beruht darauf, dass Männer zerschunden werden und ihren Schmerz verdrängen müssen“: Arne Hoffmann im Garten seines Elternhauses in Springen im Taunus Bild: Frank Röth

Arne Hoffmann kämpft seit 20 Jahren gegen die Unterdrückung der Männer in Deutschland. Zuhören will ihm kaum jemand. Ist das ein Fehler?

          Zwei Stunden lang hat Arne Hoffmann in einem Café in Wiesbaden nüchtern jede Frage zu der seiner Meinung nach in Deutschland herrschenden Unterdrückung der Männer beantwortet, aber erst beim Smalltalk nach dem Interview wird er zum ersten Mal emotional: Ob der Drache Drogon, der am Ende der am Vorabend erschienenen „Game of Thrones“-Folge von einem Pfeil getroffen wurde, tatsächlich gestorben sei? „Niemals“, sagt Hoffmann. „Das ist der wichtigste Drache, der kann nicht tot sein.“ Er sollte es wissen: In drei Wochen gibt es bei dem Pub-Quiz, das er sonntags besucht, ein „Game of Thrones“-Spezial.

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Bei diesen Kneipenbesuchen wird Hoffmann von fremden Frauen oft etwas schräg angeschaut: Das liegt dann an seinem Pullover, auf dem ein Kreis mit einem Pfeil prangt: das „Männersymbol“. Hoffmann gilt als Vordenker der deutschen Männerrechtsbewegung, seit mehr als 20 Jahren kämpft er für sein vom „herrschenden Feminismus“ (Hoffmann) unterdrücktes Geschlecht. Er ist nicht allein: Laut einer Studie des Bundesfamilienministeriums aus diesem Jahr gibt es in Deutschland eine radikal anti-feministische, betont „maskulistische“ Strömung. Frauen seien bereits genug gefördert worden, jetzt seien endlich mal die Männer dran, lautet eine der Auffassungen dieser Gruppe. Der „engere Kern des Maskulismus“ macht ein Prozent der männlichen Bevölkerung aus. Hoffmann schrieb zu der Studie auf seinem Blog „Genderama“: „Folgt man diesen Zahlen, umfasst allein der ,engere Kern‘ unserer Bewegung mittlerweile mehr als 400.000 Männer. Ich kann mich noch gut an Zeiten erinnern, als wir nur wenige Dutzend waren.“

          Was sind das für Männer, die das Gefühl haben, von Frauen unterdrückt zu werden?

          Woman’s March in Los Angeles: „Wenn Männern wieder und wieder und wieder eingetrichtert werde, wie frauenverachtend und gewalttätig sie seien, könnte sich dies auch zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung entwickeln“, zitiert Hoffmann die Autoren eines „Fachbuches“.
          Woman’s March in Los Angeles: „Wenn Männern wieder und wieder und wieder eingetrichtert werde, wie frauenverachtend und gewalttätig sie seien, könnte sich dies auch zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung entwickeln“, zitiert Hoffmann die Autoren eines „Fachbuches“. : Bild: EPA

          Patrick Albert ist ein Freund von Arne Hoffmann. Er lernte den Maskulisten vor vier Jahren in dem Irish Pub kennen, in dem jeden Sonntag das Pub-Quiz steigt. Auf Hoffmanns Team war Albert über die Facebook-Gruppe „Neu in Mainz“ aufmerksam geworden, darin verabreden sich die Mitglieder jede Woche online für den Abend in der Kneipe. „Hoffmann gehört zum harten Kern“, sagt Albert. Wie er ihn am Anfang erlebt hat? „Als sehr ruhigen Menschen. Eher so der Beobachter, niemand, der von sich aus Themen anspricht.“ Aber irgendwann, an ruhigen Abenden, fing Hoffmann an, von sich zu erzählen. „Da hat mich dann schon manches überrascht“, sagt Albert. Nie gedacht hätte er zum Beispiel, dass Hoffmann erotische Literatur schreibt. Aber will man auf Amazon Hoffmanns Bücher über Männerrechte finden, muss man sich auf seiner Autorenseite erst mal durch eine lange Liste von Büchern scrollen, die Titel haben wie: „Sex für Fortgeschrittene“ und „Onanieren für Profis“. Albert sagt: „Einen Autor solcher Bücher hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt.“

          Sein Buch heißt „Plädoyer für eine linke Männerpolitik“

          Es wäre insgesamt recht einfach, sich über Arne Hoffmann lustig zu machen: Er ist 48, lebt aber noch mit seinem Vater in seinem Elternhaus in einem 500-Seelen-Dorf im Taunus. Er hat keine Freundin, schreibt aber Sex-Ratgeber. Er liebt Fantasy-Geschichten und entspricht auch optisch dem Klischee eines Nerds, der sich vor allem hinter seinem Bildschirm stark fühlt – und er kämpft eben gegen die Unterdrückung der Männer, die doch immer noch fast überall in der Gesellschaft das Sagen haben.

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