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UN-Botschafter Biolek Im Bio-Stress

28.01.2005 ·  Was hat Alfred Biolek mit Ex-„Spice Girl“ Geri Halliwell gemein? Beide sind Botschafter des UN-Bevölkerungsfonds. Als solcher bereist Biolek eine Woche lang Kambodscha - und kocht Bohnensuppe für Straßenkinder.

Von Peter-Philipp Schmitt, Phnom Penh
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Der prominente Mann muß sich vorstellen - immer und immer wieder: „My name is Alfred Biolek and I am a celebrity.“

Letzteres könnte stimmen, mag sich mancher erstaunte Kambodschaner denken. Immerhin darf der ältere Herr aus dem fernen Deutschland eine Woche lang an der Seite von Chea Samnang durchs Land reisen. Und der Vierunddreißigjährige ist nicht irgendwer, sondern ein berühmter Fernsehunterhalter, der zudem schon in mehr als 40 Filmen edle Prinzen und wagemutige Krieger gespielt hat.

Biolek ist kein Kinoheld, aber genauso wie Chea Samnang seit bald fünf Jahren „Goodwill Ambassador“ des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen. „Anfangs wußte ich nicht genau, warum mich UNFPA ausgewählt hat“, sagt Biolek. „Ich bin ja nicht Sir Peter Ustinov oder Madonna.“ Bald schon habe er aber festgestellt, daß es ums Kennen und Erkennen nicht gehe - zumindest nicht in den Ländern, in denen sich der Bevölkerungsfonds engagiert. So versicherte Alfred Biolek auch in Kambodscha stets aufs neue: „Wichtig ist doch nur, daß überhaupt jemand kommt.“

Erstmals in Asien

In Südafrika, Kenia, Uganda und Äthiopien war Biolek schon, nun ist er erstmals nach Asien gekommen, um Projekte zu besuchen, die von UNFPA, aber auch von der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung gefördert werden. Der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen, 1969 als Spezialorgan gegründet, finanziert in Entwicklungsländern Programme, die sich unter anderem der Familienplanung, der Sexualaufklärung und der Verhütung sexuell übertragbarer Krankheiten widmen.

Um der weithin doch eher unbekannten UN-Organisation, die bisher in rund 140 Ländern etwa sechs Milliarden Dollar ausgegeben hat, ein Gesicht zu geben, wurde die „Face to Face“-Kampagne ins Leben gerufen. Gesucht wurden bekannte Persönlichkeiten, die vor allem im jeweiligen Heimatland für UNFPA werben und dem Bevölkerungsfonds mehr Geld einbringen sollen. Künstler (etwa das ehemalige „Spice-Girl“ Geri Halliwell oder die Amerikanerin Linda Gray, die als Sue Ellen Ewing in der Serie „Dallas“ bekannt wurde), Sportler (wie die japanische Marathonläuferin Yuko Arimori) und Politiker (wie die Irin Mary Banotti), dazu ein Astronaut, ein Schriftsteller, eine Prinzessin und gleich ein halbes Dutzend ehemaliger Miss Universe und Miss World wurden als „Goodwill Ambassador“ gewonnen.

Französische Küche am Mekong

Biolek, der sich vor anderthalb Jahren aus dem wöchentlichen Talkshow-Geschäft zurückgezogen hatte, ist zwar nicht der älteste unter den mittlerweile 27 UNFPA-Botschaftern. Das Reisen in, wie er sagt, „exotische Länder“ fällt dem Siebzigjährigen allerdings schon sichtlich schwer. Auch darum legt der Gourmet Wert auf eine angemessene Unterkunft mit entsprechender Küche. In Phnom Penh etwa muß es das „Le Royal“, ein Fünf-Sterne-Hotel aus der französischen Kolonialzeit, und die Suite des Hauses sein - die er jedoch auch größtenteils selbst zahlt. Genauso wie die allabendlichen Dinners, zu denen er gerne seine kleine Reisegruppe einlädt. Von der asiatischen Küche hält „Alfredissimo“ aber offenbar nicht allzuviel: Biolek ißt auch am Mekong bevorzugt französisch-mediterran und sucht dazu sorgfältig die jeweils passenden Weine aus.

Wie gut ihm der Rheingauer Riesling wirklich schmeckt, verrät der höfliche Gast dem deutschen Botschafter Pius Fischer beim gemeinsamen Lunch nicht. Auf ein Glas Roten verzichtet Alfred Biolek aber, genauso wie auf den geplanten Kaffee. Aus Zeitgründen, denn der erste Tag ist vollgepackt mit offiziellen Terminen. Zum Bundesadler auf Porzellan, Besteck und Servietten läßt der Diplomat Krabben, gebratenen Fisch und ein Schokoladendessert servieren.

„Charmantes Land“

Biolek sammelt erste Eindrücke aus dem „charmanten Land“ und erzählt von seinen afrikanischen Erfahrungen: von einer Nonne, die des Ordens verwiesen wurde, weil sie mit einer Ärztin gesehen wurde, die an Prostituierte Kondome verteilt hatte. Und davon, daß in Südafrika viele Arbeitsplätze doppelt besetzt werden, weil einer der Eingestellten sowieso an Aids sterben wird. Nichts erschwere den Kampf gegen das HI-Virus mehr als uneinsichtige Regierungen und die Politik der katholischen Kirche, die den Gebrauch von Kondomen untersage, klagt Biolek. Pius Fischer kann seinen Gast beruhigen: Im buddhistischen Kambodscha mit seinen 13 Millionen Einwohnern leben nur 25.000 Katholiken.

Daß es Regierungen geben soll, die noch immer die Existenz von HIV bestreiten, findet Mam Bunheng, Staatssekretär im kambodschanischen Gesundheitsministerium, zum Lachen. Biolek sitzt ein paar Straßen weiter auf einer Couch mit hellem Überwurf, neben sich zwei Yucca-Palmen, über sich ein goldgerahmtes Bild des Königspaars. Es gibt Kaffee mit dickflüssiger, süßer Milch und die ministerielle Versicherung, daß Phnom Penh bereit sei, alles gegen das Virus zu tun.

Das meiste Geld kommt aus dem Ausland

Das bestätigt wenig später der Chef der - allerdings staatlichen - „National Aids Authority“: Er hat einen halbstündigen Power-Point-Vortrag vorbereitet. Biolek, der seit einem Schüleraustausch 1951 in die Vereinigten Staaten eigentlich fließend Englisch spricht, kann nur mit Mühe folgen. Allerdings erfährt er unter anderem, daß die Regierung eine Kampagne ins Leben gerufen hat, die zum hundertprozentigen Kondomgebrauch aufruft, und daß das meiste Geld in Sachen Aids-Aufklärung noch immer aus dem Ausland stammt.

Am Abend - Alfred Biolek hat seinen dunkelblauen Anzug gegen einen hellbeigen getauscht - findet ein festlicher Empfang im Himawari Hotel statt. Der deutsche „Goodwill Ambassador“ trifft nicht nur erstmals seinen kambodschanischen Botschafterkollegen, sondern auch die Betreuer der Projekte, die er in den nächsten Tagen besuchen soll: Fast immer geht es dabei um das Thema Aids, fast immer ist ihr Ziel, Jugendliche als sogenannte „peer educator“ auszubilden, die Gleichaltrige aufklären sollen.

Kochen für Straßenkinder

Höhepunkt der UNFPA-Mission: Biolek und Chea Samnang kochen für Straßenkinder in Phnom Penh. Dafür haben einige Teenager, die bei der Organisation Friends („Mith Samlanh“) ein zweites Zuhause gefunden haben, ein paar Stunden lang Zwiebeln und Würste vorgeschnippelt. Ein Teil der Zutaten für „Bios Bohnensuppe“ wurde extra in Koffern aus Deutschland eingeführt. Trotzdem muß gehörig improvisiert werden. Und die Offiziellen der Vereinten Nationen bestehen darauf, daß Biolek den Kindern erklärt, daß er zwar fünf Flaschen Rotwein in die Suppe schütten, der Alkohol aber komplett verdampfen wird. Müde wirken die Kleinen nach ihrer nachmittäglichen Ration dennoch.

Von Phnom Penh fährt Biolek nach Norden. Fünf Projekte in der zweitgrößten Stadt Battambang und in Siem Reap stehen noch auf dem Programm. Auf besonderen Wunsch des Ehrengastes wurde ein Abstecher in den berühmten Tempel von Angkor Wat hinzugefügt. Im kleinen Kreis läßt sich der Kölner von einer Studentin der Kölner Fachhochschule, deren Fachbereiche an den Restaurierungsarbeiten des berühmten Bas-Reliefs beteiligt sind, durch die Anlage führen.

Ohne Begleitung und ganz privat, wie es Biolek sich ausbedungen hat. Denn nicht nur das kambodschanische Fernsehen, auch ein Team von Beijing TV wich ihm eine Woche lang nicht von der Seite und bat täglich mehrfach um Interviews. Geduldig beantwortete Biolek alle Fragen. Nur einmal verschlug es ihm die Sprache: als die Chinesen ihn wie ungläubig fragten, ob es ihn denn wirklich nicht störe, daß die Kambodschaner ihn nicht sofort erkennen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.01.2005, Nr. 23 / Seite 7
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Jahrgang 1967, Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

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