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Umweltschutz Der Reiter und das Rote Meer

14.06.2007 ·  Tareq Taher, saudischer Unternehmer, hat zwei Hobbys. Arabische Pferde züchten und tauchen vor der Küste Saudi-Arabiens. Bei den Pferden ist Tahers Welt noch in Ordnung. Im Roten Meer ist sie es aber nicht - nun will er die Unterwasserwelt seiner Kindheit erhalten.

Von Rainer Hermann, Dschidda
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Seit 38 Jahren taucht Tareq Taher vor der Küste Saudi-Arabiens im Roten Meer. Damals, als Junge, hatte er die Schönheit der Korallen und die Vielfalt der Fische für so selbstverständlich gehalten wie seine Pferde. Seine Pferde reitet der 50 Jahre alte Leiter des Familienunternehmens „Taher Group“ weiter.

Von ihnen hält er nie mehr als 25, und aus ihnen züchtet er eine neue Rasse. Höher gewachsen sollen seine reinen Araber sein und mit einem niedrigeren Puls eine längere Ausdauer haben. Schließlich war Tareq Taher 1997 Weltmeister im Geländereiten. Aber auch bei professionellen Springreitern ging er in die Schule, etwa bei Paul Schockemöhle.

„Für die ganze Welt bedeutend

Bei den Pferden ist Tahers Welt noch in Ordnung. Im Roten Meer ist sie es aber nicht. In Depression verfällt Tareq Taher dennoch nicht. Ein Typ für Weltuntergangsvorstellungen ist er ohnehin nicht, im Gegenteil. Der Mensch müsse am Tag mindestens eine Stunde lachen, sagt er, und an seine Devise hält sich der Unternehmer auch.

Immerhin hat er seit vier Jahren für sein größtes und wichtigstes Hobby mehr Zeit. 2003 zog er sich aus dem aktiven Rennsport zurück, seither reitet er keine Rennen mehr. Noch immer aber ist er durchtrainiert und drahtig. In den vergangenen Jahren hat er aber acht kurze Dokumentarfilme mit dem Titel „Das Rote Meer, mein Planet“ gedreht, entlang der saudischen Küste, die sich über 2000 Kilometer von Nord nach Süd zieht.

Vier wichtige Regionen für Korallenriffe gebe es auf der Erde, sagt Taher und lehnt sich dozierend im schwarzen Chefsessel zurück. In der Karibik und im südlichen Pazifik, dann das Great Barrier Reef Australiens und ebendas Rote Meer. Die letzteren beiden ragten mit ihrer Artenvielfalt heraus. „Sie sind damit für die ganze Welt bedeutend.“ Gerade deshalb alarmiert ihn das Tempo, mit dem an der saudischen Küste gebaut wird: Industrien und Seehäfen, Sommerhäuser und Hotelanlagen. Zudem fahren jedes Jahr 70.000 Schiffe durch das Rote Meer – in Richtung Suezkanal, Aqaba und Eilat – und entledigen sich auf dem Wasser ihres Abfalls.

„Regenwälder des Roten Meers“

Taher erwartet schon für dieses Jahr ein Ausbleichen der farbenprächtigen Korallen, allerdings nicht wegen Umweltverschmutzung. In einem Siebenjahrzyklus steige und falle die Wassertemperatur. Steige sie, litten die Algen, die symbiotisch mit den Korallen lebten, und nicht wenige Korallen stürben ab.

Nicht nur der Schönheit und der Artenvielfalt wegen liegt Taher die Korallenwelt des Roten Meers am Herzen. „Als Produzenten von Sauerstoff sind die Korallenriffe wichtig für das ökologische Gleichgewicht, sozusagen die Regenwälder des Roten Meers“, sagt Taher. Das alles ist in Gefahr, wegen der Schiffe, der Touristen, der industriellen Abfälle, der Abwässer. Die saudische Wirtschaft expandiert, erschließt sich Industrien jenseits des Öls.

„Es gibt doch Lösungen für alles, auch für den Bau umweltgerechter Industrien“, sagt der Unternehmer, zu dessen Imperium Nahrungsmittel ebenso gehören wie die Produktion von Schmierölen, Finanzdienstleistungen ebenso wie neue Techniken für die Bauindustrie. Die Saudis hätten keine andere Wahl, als im Einklang mit dem Meer zu leben, insistiert er. Man müsse sich an Ägypten ein warnendes Beispiel nehmen. Dort sei die Tourismusindustrie zwar rasend gewachsen, aber eben auf Kosten der Umwelt.

Schirmherrschaft der Vereinten Nationen

„Die Artenvielfalt unter Wasser, die Bedeutung für das ökologische Gleichgewicht – das macht diese Ressourcen doch unbezahlbar“, ruft Taher aus. Er hat zusammen mit Freunden die Nichtregierungsorganisation „Reef Chief“ gegründet. Gemeinsam erheben sie Daten, die sie der Wissenschaft zur Verfügung stellen, dokumentieren die Flora und Fauna des Meeres.

Sie bieten Exkursionen an und wollen so vor allem unter der jungen Generation Saudi-Arabiens ein Bewusstsein für die Anfälligkeit des Roten Meeres schaffen. Sie arbeiten mit der saudischen Behörde für Meteorologie und Umwelt zusammen, ebenso mit der „Regionalen Organisation für die Erhaltung des Roten Meers und des Golfs von Aden“, die unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen gegründet wurde.

Eine neue arabische Pferderasse züchten

266 unterschiedliche Korallenarten haben Taher und seine Mitarbeiter dokumentiert, fünf Arten von Meeresschildkröten und 15 Vogelarten, von denen drei nur am Roten Meer vorkommen. Daneben 15 Arten von Delphinen und viele hundert Fischarten, von denen 240 nur im Roten Meer nachgewiesen sind. Besonders am Herzen liegt Taher der bullige, blaugrünlich schimmernde „Büffelkopf-Papageifisch“ (Bolbometopon muricatum).

Der tummele sich zwischen der akut vom Aussterben bedrohten grünen Meeresschildkröte (Chelonia mydas) und schütze den Taucher vor Haien, erzählt Taher. Diese Unterwasserwelt will der Unternehmer künftigen Generationen erhalten. Und an Land will er ja eine neue arabische Pferderasse züchten. Noch vierzehn Jahre, sagt er, dann werde er ihr einen Namen geben.

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Jahrgang 1956, Korrespondent für Wirtschaft und Politik in der arabischen Welt mit Sitz in Abu Dhabi.

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