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Kampf gegen Hassbeiträge : „Ey Twitter, löscht den Scheiß“

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Shahak Shapira präsentiert in seinem Video vor der Twitter-Zentrale Botschaften, die das Unternehmen seinen Angaben zufolge nicht löschen wollte. Bild: Screenshot

Schon mit dem Projekt „Yolocaust“ hatte Shahak Shapira für Aufsehen gesorgt. Jetzt hat der Schriftsteller Hassbeiträge, die auf Twitter trotz Aufforderung nicht gelöscht wurden, vor der deutschen Firmenzentrale des Unternehmens auf die Straße gesprüht.

          „Nigger sind eine Plage“, „Judenschwein“, „Lass mal wieder zusammen Juden vergasen, die Zeiten waren schön“ – 30 solcher menschenverachtender Sprüche konnten Fußgänger vergangene Woche plötzlich vor der Museumsstraße 39 in Hamburg-Altona auf dem Bordstein lesen. Dass hier nicht Rechtsradikale am Werk waren, wurde aber schnell klar. In blauer Farbe stand zwischen den vielen Hassbotschaften die Aufforderung: „Ey Twitter, löscht den Scheiß". Die Aufforderung richtete sich an die Menschen in der Museumsstraße 39: Dort sitzt die deutsche Zentrale von Twitter.

          Ein paar Tage war unklar, wer hinter der Aktion steckte, am Montag hat sich der israelische Schriftsteller und Satiriker Shahak Shapira dazu bekannt. Bereits Anfang des Jahres hatte er mit der Aktion „Yolocaust“ für Aufsehen gesorgt. Damals hatte Shapira in den sozialen Netzwerken Bilder gesammelt, die fröhliche Touristen am Holocaust-Denkmal in Berlin zeigten, und den Fotos auf einer Webseite Aufnahmen aus den Vernichtungslagern der Nazis gegenübergestellt. Er wolle darauf aufmerksam machen, dass die Art und Weise der Erinnerung am Berliner Holocaust-Denkmal sich dramatisch normalisiert habe und deshalb auch provokativ auf die Missstände aufmerksam gemacht werden müsse, sagte Shahak Shapira damals im Gespräch mit der F.A.Z.

          Über das Video seiner neuesten Aktion schrieb er jetzt unter dem Hashtag #HEYTWITTER: „Ich habe in den letzten Monaten rund 300 Hass-Tweets gemeldet. Weil Twitter die meisten nicht gelöscht hat, habe ich sie vor ihr Büro gesprüht.“ In dem Film selbst sind dann zuerst einige der Sprüche auf dem Bürgersteig zu sehen, es kommen Passanten zu Wort, die sich angewidert von dem Hass zeigen.

          „Kein Verstoß gegen die Twitter-Regeln“

          Dann meldet sich Shapira selbst zu Wort: „Ich habe in den letzten sechs Monaten zirka 450 Hasskommentare gemeldet auf Facebook und auf Twitter“, sagt er in die Kamera. Auf Facebook seien etwa 80 Prozent der rund 150 gemeldeten Beiträge entfernt worden, ein bis drei Tage habe das in der Regel gedauert. Auf Twitter habe er über 300 Beiträge gemeldet und innerhalb von sechs Monaten genau neun Antworten bekommen. „Und alle Antworten besagten, dass kein Verstoß gegen die Twitter-Regeln vorliegt.“ Das Unternehmen verspreche eigentlich, sich zu melden, wenn ein Tweet gelöscht werde, den man selbst melde. Shapira bekam seinen Angaben zufolge keine einzige Nachricht dieser Art. „Und dann dachte ich: Okay, wenn Twitter mich zwingt, diese Dinge zu sehen, müssen sie sie auch zu sehen bekommen.“

          Shahak Shapira

          Also bastelte Shapira zusammen mit Unterstützern Schablonen von insgesamt 30 Tweets, die Twitter bis dahin nicht gelöscht hatte, und machte sich nachts auf den Weg. In dem Video ist zu sehen, wie er selbst zur Sprüh-Dose greift: „Judenschwein“, steht wenig später auf einer Treppenstufe am Straßenrand, darüber der Name des Nutzers, der den Beitrag geschrieben hat. Schließlich sieht man in einer Luftaufnahme, wie der gesamte Platz vor der Twitter-Zentrale mit den Hassnachrichten übersät ist. Shapira sagt: „Diese Aktion wird nie groß genug sein, um überhaupt zu visualisieren, wie viele dieser Botschaften auf Twitter stehen.“

          Am Ende des fünf Minuten langen Films ist zu sehen, wie ein Mann mit einem Reinigungswagen einige der Sprüche wieder entfernt – was ziemlich einfach zu gehen scheint. Dann kommen noch mal Passanten zu Wort, die sich zu den Hassnachrichten äußern: „Mich ärgert das, dass die deutsche Mehrheitsgesellschaft sich darüber nicht aufregt, sondern das einfach hinnimmt.“ Zum Abschluss meldet sich Shapira selbst wieder zu Wort. Er steht immer noch vor der Twitter-Zentrale, die Polizei habe nur kurz vorbeigeschaut und sei dann weitergefahren, sagt er. Und die Straßenreinigung habe nur die Sprüche genau vor dem Eingang des Bürogebäudes entfernt. Das passe eigentlich ganz gut zu der Twitter-Politik, findet er. „Schön vor der eigenen Haustür kehren, um den Rest sollen sich die anderen kümmern.“

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