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Trauerfeier in Paris : Frankreich ehrt verstorbenen Sänger Aznavour

Abschied: Trauernde sehen eine Übertragung der Zeremonie mit Präsident Macron Bild: Reuters

In einem feierlichen Staatsakt haben sich die Franzosen von dem Meister des Chanson verabschiedet. Die Zeremonie in dem normalerweise militärischen oder politischen Würdenträgern vorbehaltenen Invalidenhof stieß aber auch auf Kritik.

          Als sein mit der Trikolore-Fahne bedeckter Sarg aus dem Invalidenhof getragen wird, singt der Chor der Republikanischen Garde „Emmenez-moi“ („Nimm mich mit“): Frankreich hat sich am Freitag in einem feierlichen Staatsakt von Charles Aznavour, „dem Meister des französischen Chanson“ verabschiedet.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Den Sänger, Autor und Komponist, der wie kein anderer die Sehnsüchte der Franzosen in Hits zu verwandeln verstand, würdigten gleich zwei Staatsmänner. Der armenische Ministerpräsident Nikol Pachinian hob den Erfolg des armenischen Flüchtlingskindes hervor, das 1924 mittellos in Paris zur Welt gekommen war. „Seine Karriere zeugt vom großen Sieg, den er und seine Eltern über ihr Schicksal errungen haben“, sagte Pachinian. Aznavour sei „eines der Gesichter Frankreichs“, sagte Emmanuel Macron. Er betonte, wie sehr der Schulabbrecher das Französische „erarbeitet und überarbeitet, geliebt und gefeiert“ habe. „Dieser Flüchtlingssohn, der nicht studiert hatte, hat Frankreich verstanden. Die französische Sprache ist ein Refugium, das heiliger als alles andere ist“, sagte der Präsident.

          Ein wenig mischte sich in die feierliche Hommage dabei auch Nostalgie auf das vergangene Integrationsmodell, das Persönlichkeiten wie Aznavour und die von Macron zitierten Joseph Kessel, Romain Gary, Guillaume Apollinaire und Eugène Ionesco hervorbrachte. „Er hat oft hervorgehoben, was er Frankreich schuldete, aber er hat aus Diskretion verschwiegen, was wir Armenien verdanken“, sagte Macron. Seine Lieder hätten den Alltag der Franzosen verschönert, „unser Leben süßer, unsere Tränen weniger bitter gemacht“. Aznavour werde nie vergessen werden, „denn Poeten sterben nie“.

          Die Zeremonie in dem normalerweise militärischen oder politischen Würdenträgern vorbehaltenen Invalidenhof stieß aber auch auf Kritik. Die Sänger Michel Fugain und Hugues Aufray monierten, dass ausgerechnet Aznavour, der Chansonnier der kleinen Leute, nur vor geladenen Gästen gewürdigt wurde. „Der Staat versucht einen populären Sänger zu konfiszieren“, beschwerte sich Fugain, der mit Aznavour befreundet war. Dem Verstorbenen hätte es sicher besser gefallen, wenn es einen Trauerzug durch Paris gegeben hätte, an dem alle seine Fans hätten teilnehmen können. Aznavour wird an diesem Samstag in der Familiengruft in Montfort-l’Amaury beigesetzt.

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