Home
http://www.faz.net/-gun-skoe
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Trauer um Bollywood-Held Acht Menschen sterben bei Trauer um Filmstar

14.04.2006 ·  Nach dem Tod eines Filmstars des indischen Bollywood-Kinos haben Zehntausende trauernde Fans das Leben in Bangalore teils zum Erliegen gebracht. Wütende Anhänger, die nicht an der Zeremonie teilnehmen durften, zündeten Autos an und warfen mit Steinen. Acht Menschen wurden getötet.

Artikel Bilder (1) Bildergalerie Lesermeinungen (0)

Bei einer Massenhysterie nach dem Tod des südindischen Filmstars Rajkumar sind in Bangalore in der Nacht zum Freitag und am Tag zuvor acht Menschen ums Leben gekommen. 150 Menschen erlitten Verletzungen, bestätigte die Polizei am Freitag in der südindischen Metropole.

Der Kinoheld Rajkumar war am Mittwoch im Alter von 77 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben. Rajkumar, der eigentlich Mutturaju Singanalluru Puttaswamayya hieß, wurde von einem Regisseur in den 50er Jahren in einem Busbahnhof entdeckt. Dieser besetzte ihn sofort als Helden in seinem neuen Film. Er verkörperte in mehr als 200 Filmen, die in der südindischen Sprache Kannada gedreht wurden, Götter, Väter und andere Vorbildfiguren. Die Leiche des Darstellers, der auch als „indischer John Wayne“ bezeichnet wurde, war am Donnerstag im Stadion von Bangalore aufgebahrt worden.

Brennende Busse

Als die Nachricht von seinem Tod sich verbreitete, versammelten sich mehr als dreitausend Menschen vor seinem Haus. Die Ausschreitungen begannen, als Tausende junge Männer befürchteten, nicht mehr rechtzeitig ins Stadion gelassen zu werden. Sie verprügelten Polizisten, warfen mit Steinen und setzten Autobusse in Brand. Die Polizei setzte Schlagstöcke und Tränengas ein, um die aufgebrachte Menge zu zerstreuen. Unter den Todesopfern war auch ein Polizeibeamter.

Fans randalieren nach Tod von Bollywood-Legende

Die Irrationalität der Exzesse löste in den indischen Medien Erstaunen aus. Zwar flackern auf dem Subkontinent immer wieder blutige religiöse und soziale Konflikte auf. Daß aber Rajkumar, der sich in den 90er Jahren aus dem Filmgeschäft zurückgezogen hatte, eine derartige Hysterie auslösen sollte, erschien vielen zunächst unverständlich. Anders als viele Stars des moderneren, in der Hafenmetropole Bombay gefertigten „Bollywood-Films“ hatte er sich keine privaten Skandale geleistet, er war eines natürlichen Todes gestorben.

Wie Götter verehrt

Einige Kommentatoren verwiesen allerdings darauf, daß Stars des südindischen Films wie Rajkumar nicht nur Götter auf der Leinwand verkörpern, sondern von ihrem Publikum auch wie Götter verehrt werden. Die Schauspielerin J. Jayalalithaa brachte es sogar zur Ministerpräsidentin des Bundesstaats Tamil Nadu. Andere Beobachter merkten an, daß der gewalttätige Mob aus arbeitslosen jungen Männern bestand, die auch ihre Wut über die rapide wachsenden Einkommens- und Chancenunterschiede in der High-Tech-Metropole ausgelassen haben könnten.

Wegen des Todes von Rajkumar blieben am Donnerstag auf Anordnung der Regionalregierung Schulen, Kinos und die meisten Firmen geschlossen. Die meisten der großen Software-Firmen in dem High-Tech-Standort wollen eine zweitägige Trauer für den Schauspieler einhalten.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa, AFP
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen