Schon früh am Vormittag warteten am Freitag rund 40 Münchner vor der evangelischen Lukaskirche, um Rudolph Moshammer an seinem aufgebahrten Sarg die letzte Ehre zu erweisen. Als sich die Tür endlich öffnete, drängten sie ins Innere. Vor dem Altar stand der mit weißen Lilien, Moshammers Lieblingsblumen, geschmückte Mahagoni-Sarg. Daneben ein Bild von Moshammer, wie ihn München kannte und liebte: Das lackschwarze Haar hochtoupiert, auf dem Arm die Yorkshire-Hündin Daisy, seine treueste Begleiterin. Aus den Lautsprechern erklang Haydn, den er auch in seiner Edelboutique „Carnaval de Venise“ häufig spielte.
Manchen rührte die Szene zu Tränen. „Es tut mir weh, wie er gestorben ist. Ich möchte mich daran erinnern, was er alles für die Armen getan hat“, sagt Therese Kölbl und wischt sich die feuchten Augen. „Eine großartige Trauerfeier, das war sein Wille. So einen wie ihn wird es nicht mehr geben, er hatte immer etwas für die kleinen Leute übrig“, stimmt Franz Xaver Reichl zu.
„Er war ein Symbol für das Andersdenken“
Die Motive der Besucher, in der Lukaskirche zu erscheinen, sind so vielfältig wie Moshammers Facetten: Die einen vermissen den schrägen Showmenschen, die anderen den sozial engagierten Millionär und mancher gar seine gewagten Kreationen. Reine Schaulust scheint kaum jemanden an den Sarg zu treiben. Die meisten tragen sich in die Kondolenzliste ein, die neben dem Ausgang ausliegt.
Tränen an Moshammers Sarg: „Er wird uns sehr fehlen“
„Er war ein Symbol für das Andersdenken. Er verkörperte München, wie es sein soll“, sagt Sandra Mendheim über „Mosi“, der seine großen Auftritte gerne auch in Gewändern nach Art des 18. Jahrhunderts zelebrierte. „Er wird uns sehr fehlen“, pflichtet Luise Griesbeck bei. Ihren Verein für sozial schwache Jugendliche habe Moshammer unterstützt. Er sei öfter zum Kaffee gekommen: „Er war sehr zugänglich und hat gespürt, wer Hilfe braucht.“ Die Trauerzeremonie sei zwar pompös, aber „er hat es verdient“, sagt Griesbeck.
Beerdigung wird zum Medienereignis
Apotheker Philipp Rank kaufte regelmäßig bei Moshammer in der Maximilianstraße ein: „Ich habe sehr viele Krawatten und Hemden zu Hause.“ Er sei immer sehr freundlich gewesen. „Ich bin gekommen, um ein letztes Mal für Herrn Moshammer zu beten“, sagt Rank leise.
Am Samstag wird Rudolph Moshammer mit einem Trauerzug durch die Münchner Innenstadt zum Ostfriedhof gebracht. Zu seiner Beerdigung sind 300 Gäste geladen. Im Mausoleum neben seiner Mutter Else er seine letzte Ruhe finden. Mehrere private Fernsehsender haben eine Live-Übertragung der Beerdigung angekündigt.
Käßmeyer als Alleinerbe eingesetzt
Während sich die Münchner von einem ihrer Originale verabschiedeten, bestätigte das Münchner Amtsgericht einen Zeitungsbericht, daß der langjährige Moshammer-Freund und Immobilienhändler Walter Käßmeyer alleiniger Erbe des ermordeten Modeschöpfers ist. Käßmeyer habe aber bisher keine Erklärung abgegeben, ob er das Erbe auch antrete, sagte Amtsgerichtspräsident Gerhard Zierl. Den Berichten zufolge ist der 76jährige seit 1966 zu 50 Prozent an Moshammers Edelboutique in der Münchner Innenstadt beteiligt. Er solle das Erbe im Sinne des Modeschöpfers verteilen.
Festgelegt hat Moshammer offenbar, daß seine geliebte Yorkshire-Hündin Daisy bis zu ihrem Lebensende mit seinem Chauffeur in dem Anwesen im noblen Münchner Vorort Grünwald leben kann. Danach solle die Villa für wohltätige Zwecke verkauft werden. Der Chauffeur erbe die 100 Quadratmeter große Eigentumswohnung in München, in der er momentan auch schon lebe, und erhält offenbar eine Leibrente. Auch die Haushälterin des Modeschöpfers und die Pächterin des Restaurants „Hundskugel“ würden finanziell versorgt.
Die Obdachlosen-Hilfe wurde angeblich ebenfalls in dem Nachlaß bedacht. Moshammers Verein „Licht für Obdachlose“ bekomme das Guthaben eines Bankkontos sowie den Gewinn aus der Versteigerung eines originalen Napoleon-Hemdes. Die Obdachlosen-Zeitung „Biss“ erhalte den Erlös aus der Versteigerung von Moshammers Schmuck und Autos.