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Toronto : Früherer Skandal-Bürgermeister mit 46 Jahren gestorben

  • Aktualisiert am

Torontos ehemaliger Bürgermeister Rob Ford erlag seiner Krebserkrankung. Bild: Reuters

Drogen, Sex, Alkohol: Rob Ford sorgte als Bürgermeister von Toronto für reichlich Skandale. Der schwergewichtige Mann polarisierte und strebte in noch höhere Ämter, bis ihn eine Krebsdiagnose aus der Bahn warf.

          Gerade als Rob Ford zum nächsten Schlag ausholen wollte, traf ihn der Krebs. Der schwergewichtige frühere Bürgermeister der kanadischen Metropole Toronto, der sich mit Skandalen rund um Drogen, Sex und Alkohol in die internationalen Schlagzeilen katapultierte, hatte gerade seine Wiederwahl angekündigt. Allen, vor allem dem Stadtrat, der seine Macht zuvor extrem beschnitten hatte, wollte er es noch einmal zeigen, da kam die Diagnose: ein extrem aggressiver Tumor im Unterleib.

          2014 kündigte er zunächst nur eine Auszeit an, dann gab er die Wiederwahl-Pläne schließlich ganz auf und zog sich immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Am Dienstag verlor der verheiratete Vater zweier Kinder den Kampf gegen den Krebs, im Alter von nur 46 Jahren. Er habe „sein Leben damit verbracht, den Bürgern Torontos“ zu dienen, teilte die Familie mit, wie kanadische Medien berichteten.

          Der 1969 in Toronto geborene Ford, der 2010 zum Bürgermeister der Stadt wurde, war ein Berg von einem Mann, der seine Argumente gerne schreiend vorbrachte. Dann wurde sein kantiges und von rotblonden Haarbüscheln eingerahmtes Gesicht schnell knallrot – so wie damals, Ende 2013, als der Stadtrat ihm gerade einen Großteil seiner Macht entzogen hatte. „Offenen Krieg“ drohte Ford daraufhin schreiend an.

          Crack, Sexuelle Belästigung und ausschweifende Partys

          Vorausgegangen war ein nicht enden wollender Skandal-Marathon, durch den Ford scheinbar unbeholfen, grobmotorisch und ohne jede Schamgrenze tapste: ein Video, auf dem Ford angeblich Crack rauchend zu sehen war; Vorwürfe, Ford sei betrunken Auto gefahren, habe Partys mit Alkohol und Kokain im Rathaus gefeiert und eine Mitarbeiterin sexuell belästigt.

          Ford, der auch ein wohlhabender Businessmann war und gemeinsam mit seinem ebenfalls schwergewichtigen Bruder Doug in der Reality-Show „Ford Nation“ auftrat, entschuldigte sich allenfalls halbherzig und schien den Rummel um seine Person zu genießen. Eines Tages wolle er Premierminister von Kanada werden, kündigte er an.

          Ford polarisierte. Die einen konnten ihn nicht ausstehen, aber ein Großteil der Bürger Torontos stand immer hinter ihm. Gerade bei Wählern aus ärmeren Verhältnissen galt er immer als beliebt und Experten hätten ihm sogar eine erfolgreiche Wiederwahl zugetraut.

          Zum Schluss hatten Anhänger und Gegner gemeinsam Mitgefühl. Auf einer eigens für Rob Ford eingerichteten Webseite trugen Hunderte Menschen Genesungswünsche für ihn ein. Der amtierende Bürgermeister von Toronto, John Tory, kündigte jetzt ein Kondolenzbuch für Rob Ford im Rathaus an.

          Quelle: dpa

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