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Veröffentlicht: 08.10.2015, 14:55 Uhr

Begegnung mit Thees Uhlmann Der ewige Sabbler


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Ein Interview mit Thees Uhlmann wird so zu einer kurzweiligen Angelegenheit. Von der Frage nach dem Lieblingsessen und hessischem Handkäs beispielsweise quatscht sich der Sänger zu den Besonderheiten der Provinzstadt Gießen durch. Er bestellt schwarzen Tee mit Milch und behauptet: „Müsste man eigentlich auch mal drüber schreiben, warum es das Größte ist auf der ganzen Welt.“ Was gar nicht abwegig ist, schließlich heißt eine romantische Ballade auf seinem jüngsten Soloalbum „Kaffee und Wein“. Wenn man Uhlmann dann erklärt, wie er das Teesieb mit integriertem Deckel entfernt, ohne eine Überschwemmung auf dem Cafétisch zu verursachen, witzelt er nur bedingt ironisch: Und da frage man noch, warum das Frauenbild in seinem Buch so stark sei. Was aber würde Thees Uhlmann in seinen letzten 48 Stunden tun?

„Ich würde mit meiner Tochter zum Reiten fahren“, sagt er, um von den Sommerferien im Burgenland zu erzählen und dem ersten unbeaufsichtigten Ausritt der Achtjährigen allein mit einer Freundin, „über die Wiesen, durch die Auen, über das Stoppelfeld. Die sind vom Pferd gestiegen und waren so high. Die haben nur gesagt: ,Das ist der Tag, von dem ich immer geträumt habe.‘ Teil dieses Gefühls zu sein, so was würde ich machen.“ Und: Einmal im Radio hören, wie der Sportreporter sagt: „Das Spiel ist aus. St. Pauli gewinnt und wird in der nächsten Saison zum ersten Mal international spielen.“

Sachen aus dem Nichts ausgedacht

Der Ich-Erzähler aus Uhlmanns Roman hat nicht einmal einen Lieblingsfußballverein. „Es ist vielleicht zum ersten Mal in meinem Leben, dass ich mir wirklich einfach Sachen aus dem Nichts ausgedacht habe“, sagt der Autor, der schon als Jugendlicher angefangen hat, für Musik- und Fußballmagazine zu schreiben. Auch für seine Titelheldin gilt: „Sophia ist komplett erfunden. Die ist mir immer mehr ans Herz gewachsen, und ich bin ein bisschen verliebt in die und hätte richtig Bock, die kennenzulernen.“ Über die Roman-Mutter sagt er: „Da ist auf jeden Fall meine Mutter drin, aber da ist auch mein Vater drin.“ Und um zu illustrieren, was er an seiner Mutter schätzt, erzählt er dann, was die pensionierte Lehrerin, 74 Jahre alt, kürzlich geantwortet habe, als einer seiner Freunde die regelmäßigen Heimat- und Provinzbesuche des Musikers würdigte, nämlich: „Schön, wenn er kommt. Schön, wenn er wieder fährt.“ Uhlmann findet das „wahnsinnig witzig“. Weil das „so Anti-Schwarzwaldklinik“ sei.

Was nun den Tod angeht, sagt er über die Schlüsselfigur seines Buches: „Der Tod ist meganett.“ Und fügt beinahe beiläufig hinzu: „Und MS ist nicht besonders nett als Krankheit.“

Ein Glück, dass Thees Uhlmann sich als einziger Amerikaner im deutschen Pop empfindet, als einer, der bekennt: „Ich will das Happy End, und ich will auch das große Gefühl.“ Bruce Springsteen, Steven Spielberg und Star Wars sind ihm näher als deutsche Künstler, für die es Uhlmann zufolge nichts Anrüchigeres gibt, als darüber zu reden, wie ihr Tun mit ihrem Privatleben zusammenhängt. Und nur deshalb erzählt er jetzt, dass sein Vater schon vor 35 Jahren an Multipler Sklerose erkrankt ist.

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