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Montag, 13. Februar 2012
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Todesstrafe Nur noch eine Chance

05.11.2005 ·  Stanley „Tookie“ Williams soll hingerichtet werden. Wegen seines Engagements gegen Bandenkriminalität wurde er mehrfach für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Seine letzte Hoffnung ist der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger.

Von Katja Gelinsky, Washington
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Stanley „Tookie“ Williams steht für „das, was Amerika auszeichnet“. Das ist ein ungewöhnliches Lob für einen verurteilten Mörder, der bald hingerichtet werden soll.

Noch ungewöhnlicher ist, daß das Lob von George W. Bush kommt, der ein entschiedener Befürworter der Todesstrafe ist. Der amerikanische Präsident hat Stanley Williams diesen Sommer für seinen Einsatz gegen Jugend- und Bandenkriminalität mit einem Preis für vorbildliche ehrenamtliche Arbeit ausgezeichnet.

Doch wußte weder Bush noch das Preiskomitee, daß der 51 Jahre alte Schwarze wegen Raubmordes seit fast einem Vierteljahrhundert in einer kalifornischen Todeszelle sitzt. Dabei gilt Williams als der prominenteste Todeskandidat Amerikas.

Für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen

Schon mehrfach wurde der einstige Jugendbandenführer aus Los Angeles, der sich im Gefängnis zum bekannten Kinderbuchautor und Prediger wider die Subkultur der Streetgangs gewandelt hat, für den Friedensnobelpreis und für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen. Der erste Vorschlag für den Friedenspreis kam von dem Schweizer Parlamentsmitglied Mario Fehr, einem sozialdemokratischen Außenpolitiker, der den verurteilten Mörder dafür preist, daß er das „Leben von zahlreichen Kindern aus aller Welt gerettet hat“.

Unterstützt von der Leiterin einer sozialen Organisation im kalifornischen Richmond, hat Williams unter anderem ein Internetprojekt ins Leben gerufen, das Jugendliche in sozialen Brennpunkten davor bewahren soll, Zuflucht bei kriminellen Straßenbanden zu suchen. Er will damit Wiedergutmachung für das leisten, was er vor mehr als 30 Jahren als Mitgründer der berüchtigten Jugendbande „Crips“ in South Central Los Angeles angerichtet hat.

Die „Crips“ haben mittlerweile Ableger und Nachahmer in zahlreichen amerikanischen und ausländischen Städten. Über das Internet mahnt der Todeskandidat Jugendliche daran, daß Kriminalität keine Perspektive biete. Dem Teufelskreis von Armut, Rassismus, Rauschgift und Gewalt könne man nur mit Hilfe von Büchern und Bildung entfliehen. „Ändern kann man die Dinge nur, wenn man sich selbst ändert“, redet er Jugendlichen ins Gewissen.

Am 13. Dezember: Tod durch Giftinjektion

Seine Worte und sein eigenes Schicksal, von dem auch der 2003 erschienene Film „Redemption - Früchte des Zorns“ mit Jamie Foxx in der Hauptrolle erzählt, machen offenbar Eindruck: So bedankt sich ein Zwanzigjähriger aus dem Bundesstaat Iowa dafür, daß Williams ihn davor bewahrt habe, seinen guten Vorsätzen untreu zu werden und sein altes Leben als Bandenmitglied wiederaufzunehmen. Etwa 150.000 Jugendliche, die im Begriff gewesen seien, sich „Gangs“ anzuschließen, habe Williams vor diesem Schritt bewahrt, sagen Sozialarbeiter und Bürgerrechtler, die für Williams und seine Sache kämpfen.

Anwälte des Todeskandidaten bemühen sich seit Jahren darum, eine Aufhebung seines Todesurteils zu erreichen. Williams müsse ein neuer Prozeß gewährt werden, da ein rassistischer Staatsanwalt damals das Strafverfahren gegen ihn betrieben habe.

Doch sind die Verteidiger im Oktober auch vor dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten gescheitert. Daraufhin ordnete ein Richter in Los Angeles jetzt an, daß Williams am 13. Dezember durch Giftinjektion hingerichtet werden solle. Die Vollstreckung des 1981 gefällten Todesurteils dürfe nach so vielen Jahren nicht noch weiter hinausgezögert werden, argumentierte er.

Letzte Hoffnung: Arnold Schwarzenegger

Der einzige, der Williams nun noch helfen kann, ist der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger. Bei ihm will die Verteidigung nun ein Gnadengesuch einreichen, mit der Aufforderung, Schwarzenegger möge das Todesurteil in eine lebenslange Freiheitsstrafe ohne die Möglichkeit der Bewährung umwandeln. Es ist freilich fast 40 Jahre her, daß ein kalifornischer Gouverneur dem Gnadengesuch eines Todeskandidaten stattgab.

Zuletzt begnadigte 1967 der damalige Gouverneur Ronald Reagan einen schwer hirngeschädigten Mann. Schwarzenegger hatte bislang über zwei Anträge von Todeskandidaten zu entscheiden. In beiden Fällen sah er keinen Grund, Gnade walten zu lassen. Hoffnungsvoll stimmt Williams' Anhänger jedoch, daß ein Berufungsgericht sich den ungewöhnlichen Hinweis erlaubte, daß die „lobenswerte“ Jugendarbeit des Verurteilten es „wert“ sei, seine Begnadigung zu erwägen.

Entschieden anderer Ansicht ist da freilich die kalifornische Vereinigung „Citizens Against Homicides“, zu der sich vor allem Angehörige getöteter Verbrechensopfer zusammengeschlossen haben: Williams Metamorphose zum prominenten Prediger gegen Gewalt könne seine früheren Verbrechen nicht ungeschehen machen. Die Organisation spricht damit der Stiefmutter von Albert Owens aus dem Herzen, der zu den vier Mordopfern gehörte, die Williams nach Überzeugung der Gerichte erschossen hat. Laura Owens fordert „Gerechtigkeit für Albert“. Mit Gnade für Stanley „Tookie“ Williams lasse sich das nicht vereinbaren.

Quelle: F.A.Z., 05.11.2005, Nr. 258 / Seite 10
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