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Thronjubiläum von Elisabeth II. Ein Königreich für ein Pferd

 ·  Königin Elisabeth II. feiert ihr 60. Thronjubiläum auch auf der Pferderennbahn in Epsom. Ihrer liebsten Beschäftigung fiebert die Queen mehr entgegen als allen übrigen Feierlichkeiten.

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Es ist nicht ganz üblich, die Feierlichkeiten eines Diamantenen Thronjubiläums auf einer Galopprennbahn beginnen zu lassen. Bei Königin Victoria, die einzige britische Monarchin, die vor Elisabeth II. eine solche Feierlichkeit ausrichtete, fing die Zeremonie mit einer Militärparade von Truppen aus allen Teilen des Empires an. Auch die Monarchen von Thailand, Japan und Malaysia, die in jüngeren Jahrzehnten sechzigjährige Regentschaftsfeste feierten, wählten konventionellere zeremonielle Formen.

Im Terminkalender Elisabeths II. aber reihen sich im Juni stets Pflichttermine, die mit Pferden verbunden sind, in so dichter Folge, dass ein Thronjubiläum sich nur mit etwas Mühe dazwischen quetschen lässt. Da ist das Derby in Epsom, das wichtigste Pferderennen der Welt, mit dem der Juni stets beginnt. Da ist die Militärparade Trooping the Colour, die Elisabeth bis vor einigen Jahren auf dem Exerzierplatz hinter Horseguards Parade selbst zu Pferde abzunehmen pflegte. Und da ist, später im Juni, natürlich noch Royal Ascot, jene Rennwoche, zu der sich das Establishment auf den Wiesen westlich von London trifft. Den Planungsbeamten des Palastes und der Regierung, die den elisabethanischen Festkalender fixierten, blieb also nur wenig Spielraum, zumal das Wetter (der englische Juni gilt als Sonnenmonat) und die feststehenden Feiertage (Bank Holidays) ins Kalkül zu ziehen waren.

Aufgeregt fiebert die Queen dem Samstag entgegen

Am Ende wurde das Galoppderby von Epsom kurzerhand zum Teil der diamantenen Jubiläumsfeier erklärt, um das lange Wochenende Anfang Juni nicht in einen privaten und einen offiziellen Teil zerfallen zu lassen. Elisabeth II. selbst fiebert womöglich dem Samstag auf der Rennbahn noch aufgeregter entgegen als der glanzvollen Wasserparade auf der Themse am Sonntag, dem Festkonzert vor ihrem Palast am Montag (bei dem Dame Shirley Bassey, aber auch der junge Popstern Jessie J. Ständchen bringen) oder der Kutschprozession durch die Innenstadt am Dienstag. Immerhin hat das Derby sozusagen auch die älteren Rechte: Das Rennen wird seit 1780 in den Hügeln südlich von London ausgetragen.

Der Auftakt kennzeichnet die größte Leidenschaft der Jubilarin: Pferde, Reiten und Rennsport. Es ist belegt, dass auf dem königlichen Frühstückstablett allmorgendlich die „Racing Post“, die britische Galopprenn-Gazette, zu liegen hat. Die Perdehalterin und Pferdezüchterin Elisabeth ist alljährlich auf ihrem Gestüt in Sandringham selbst im Deckschuppen anwesend, um die Zuchtanstrengungen ihrer Hengste und Stuten zu verfolgen. Angeblich hat man ihr aus Sicherheitsgründen dort ein Holzpodest errichtet, damit die Monarchin nicht durch Huftritte der erregten Tiere zu Schaden kommt.

Vom Trainer ihres Gestüts, Ian Balding, stammt die Information, dass die Königin auf einen Reithelm bei ihren täglichen Ausritten deswegen verzichtet, weil er ihre sorgfältig frisierten Locken zerdrücken würde. Balding berichtet, er habe seiner Chefin einst einmal vorgehalten, dass gerade sie doch zu Pferde einen Sturzhelm tragen sollte, worauf Elisabeth entgegnet habe: „Sie müssen ja ihre Haare nicht so frisieren lassen wie ich.“ Die Antwort bietet eine Begründung für die „horseyness“, die Pferdenärrischkeit der britischen Monarchin: Die Pferde ermöglichen ihr Momente von Freiheit und Flucht, auch wenn sie sich innerhalb der geschützten Zäune und Mauern von Windsor Park zu halten haben.

Schritte, Garderobe, Reden: nichts ist vorgeschrieben

Abgesehen von den Stunden privater Freiheit, die sich die Königin in ihrem kräftezehrenden Kalender von Empfängen, Einweihungen, diplomatischen Ritualen, Staatsbesuchen und Wohltätigkeitsaktionen erlaubt, bietet ihr der Status als Züchterin und Halterin auch eine persönliche Erfüllung. Nur in den Ställen von Sandringham, wo ihre Fohlen geboren werden, und auf den Weiden von Polhampton in Berkshire, wo das Training der Jährlinge beginnt, ist die Königin unumschränkte Herrscherin. Nur hier schreibt ihr niemand Schritte, Garderobe und sogar die Worte ihrer Reden vor, wie es bei vielen offiziellen Anlässen geschieht, die sie jahrein, jahraus zu absolvieren hat. Der Pausenraum der Trainingsjockeys in Polhampton, wo Elisabeth II. nach den Inspektionen ihrer Galopp-Hoffnungen stets ausführlich Zeit hat, um mit den Reitern die Eigenheiten der Pferde zu erörtern, sei, wie sie einmal bemerkte, „einer der wenigen Orte, die nicht nach frischer Farbe riechen, wenn ich komme“.

Um viele Details kümmert sich die Züchterin persönlich: Wenn ihre Stuten fohlen, schickt das Gestüt Fotos an die Eigentümerin. Die Königin sucht dann selbst die Namen für die Fohlen aus, noch ein Freiheitsprivileg ihrer Pferdewelt. Im Gegensatz dazu hatte sie einst bei der Namensgebung der eigenen Kinder auf viele dynastische Traditionen Rücksicht zu nehmen - viele andere Vornamen als Charles, Edward und Andrew hätten da kaum zur Verfügung gestanden, sicherlich George und William, vielleicht noch Henry.

Blumenschau in Chelsea, Tennis in Wimbledon

Schließlich erfüllt die Pferdeleidenschaft der Monarchin noch einen vielleicht bloß halb beabsichtigten Zweck. Er sichert Elisabeth II. eine Anerkennung innerhalb der Aristokratie, die sie unabhängig von ihrem königlichen Rang erobert hat. Der britische Adel ist trotz aller städtischen Hofkultur der vergangenen Jahrhunderte in seinem Selbstverständnis immer von Landbesitz und Landwirtschaft geprägt geblieben. Alle Sommervergnügen, die den Londoner Gesellschaftskalender bestimmen, von der Blumenschau in Chelsea über das Tennis in Wimbledon bis hin zum Rennen in Ascot, sind im Grunde ländliche Feste, die in die Stadt gezogen wurden. In diesen Kreisen erntet der Fachverstand der Monarchin Anerkennung. Noch mehr gilt das für den Kreis der internationalen Pferdenarren, vor allem für die arabischen Herrscherhäuser.

Das erste Pony erhielt die Königin als Geschenk von ihrem Papa, dem späteren König Georg VI., zu ihrem vierten Geburtstag 1930. Das erste Rennpferd schenkte ihr 1947 der Aga Khan. Ihre Pferde gewannen vier der fünf großen Galopprennen. Zuletzt, im Jahr ihres Silbernen Thronjubiläums, siegte ihre Stute Dunfermline im Rennen „Oaks und Saint Leger“ in Doncaster. Doch die Trophäe des Derbys in Epsom ist ihr in ihrer Züchterlaufbahn bislang versagt geblieben. Im vergangenen Jahr hätte es, mit dem Hengst „Carlton House“, beinahe geklappt; er galt als Favorit und wurde vor den Augen der versammelten Königsfamilie immerhin Dritter. In diesem Jahr, zum „Diamond Jubilee Derby“, hat die Königin kein Pferd gemeldet.

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Jahrgang 1962, politischer Korrespondent in Berlin.

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