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Thailand Schalen zum Zahlen

 ·  Die Handwerker, die in Bangkok Opferschalen fertigen, arbeiten für buddhistische Mönche, die darin täglich Essen sammeln. Aber auch Touristen interessieren sich für die handgemachten Stahlschüsseln.

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© REUTERS Noch passen sie: Aber wenn diese buddhistischen Novizinnen dereinst viele fette Opfergaben in den Schalen gesammelt und dann gegessen haben, müssen sie wohl größere kaufen.

Im Morgengrauen laufen Bangkoks Mönche in ihren goldgelben Kutten durch die Straßen und sammeln Almosen. Die Schalen für die frisch zubereiteten Gerichte waren früher handgefertigt und aus Stahl. Heute werden sie in den meisten Fällen in Fabriken hergestellt. Nur in einer kleinen Siedlung, die etwas heruntergekommen ist, wird das Handwerk noch gepflegt.

Die Gemeinde Ban Bat liegt in der Nähe des „Goldenen Hügels“. Es ist einer der am höchsten gelegenen Punkte Bangkoks - mittlerweile überragen ihn allerdings die Hochhäuser. Ganz oben auf dem Goldenen Hügel steht ein buddhistischer Tempel, seine goldene Stupa ragt in den Himmel. Auch an diesem Morgen tackern Gläubige Geldscheine an einer Wäscheleine fest und hängen Glöckchen an ein Gestell, die im Wind zart klingeln.

Das Familienhandwerk der Nakarats

Rauher hallt es aus den schattigen Gassen Ban Bats herüber: Tick-tock-tick, tick-tock-tick. Maneerat Nakarat lässt den Hammer auf den geformten Stahl niedergehen. Sie sitzt auf einem Hocker, an dessen vorderem Ende ein Metallbolzen aufragt wie ein Steuerknüppel. Den umgedrehten Schalenkorpus hat sie auf eine Metallkugel am Ende des Knüppels gehängt und fast glatt gehämmert. Silbern glänzt die Schale in der Sonne. Maneerat beherrscht ihr Handwerk. Sie hat es in der Familie gelernt, von der Mutter und vom Onkel. Vielleicht gibt sie es noch weiter an eines ihrer drei Kinder.

Tief gläubig sind die meisten Thailänder immer noch, aber seit Ende der Neunziger die Finanzkrise kam, füllen längst nicht mehr alle die Schalen der Mönche jeden Tag mit frisch zubereiteten Gerichten. Und wenn, dann sind sie zu fettig und zu süß. Mit kalorienreichen Gerichten jenseits von Reis und Gemüse wollen sie an Verstorbene erinnern und Verdienste für ein gutes Karma sammeln. Das wiederum macht die Mönche dick, viele leiden an Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck, Magengeschwüren oder Allergien.

Weniger Limonade für hungrige Mönche

Deshalb forderten die Gesundheitsbehörden am Dienstag die Thailänder dazu auf, den Mönchen, die mit den Opferschalen durch die Straßen ziehen, gesünderes Essen zu spenden - und den Mönchen, die von Mittag an bis zum nächsten Morgen fasten, empfiehlt man, weniger Limonade zu trinken, mit der sie ihren Hunger bekämpfen.

Vielleicht könnten sich die Mönche den einfachen Lebensstil der Schalenmacher zum Vorbild nehmen. Maneerat arbeitet den ganzen Tag. Ihr Onkel Sunee, der schon 74 Jahre alt ist, hilft auch noch mit, er sitzt neben der Fünfunddreißigjährigen auf einem harten Hocker. Auch Maneerats Mutter Mayuree Kai ist noch im Geschäft. Und Maneerats jüngerer Bruder Nirawit legt im Familienbetrieb ebenfalls Hand an. Der kräftige, junge Mann mit den langen Haaren geht seinem Tagwerk wegen der Hitze mit nacktem Oberkörper nach.

Die Schalen selbst sind - kein Wunder bei der langwierigen Arbeit - nicht ganz billig. Maneerats größtes Modell mit einem Durchmesser von 23 Zentimetern kostet 2.500Baht (etwa 63Euro). Die Handwerkerin versichert, dass noch immer Mönche aus ganz Thailand ihre Schalen kaufen - und nicht nur die Touristen, die sich nach dem Besuch des Goldenen Hügels zwischen den Hütten von Ban Bat verlaufen. In einer Woche verkaufe sie vielleicht fünf Schalen, sagt Maneerat.

Die Familie braucht drei Tage für eine Schale

In den kommenden drei Monaten allerdings wird das Geschäft wohl noch schleppender verlaufen. Denn an diesem Donnerstag beginnt die Vassa-Zeit, die traditionelle Rückzugszeit der buddhistischen Mönche, auch „Regenresidenz“ oder „buddhistische Fastenzeit“ genannt. Dann verzichten die Mönche ein viertel Jahr lang auf das Umherwandern und ziehen sich in die Klöster zurück.

Maneerat wird auch in dieser Zeit einfach weiterarbeiten. Jede ihrer Schalen besteht aus acht Einzelteilen. Sie werden zusammengesteckt, im Feuer erhitzt, mit dem Hammer geglättet und zum Schluss mit mehreren Schichten schwarzen Lacks bestrichen. Für eine Schale brauche die Familie drei Tage, sagt Maneerat. Das Geld für Wohnung, Lebensmittel und Schulgeld reiche allerdings nur, weil ihr Ehemann noch auf einem Markt in der Nähe mit Antiquitäten handele.

Viele Einwohner von Ban Bat haben das alte Handwerk längst aufgegeben. Nur noch drei Familien erhielten die Tradition aufrecht, sagt Heelan, der Gemeindevorsteher. Der Legende nach sollen Migranten die Siedlung vor Jahrhunderten gegründet haben, als sie nach dem Ende des thailändischen Königreichs Ayutthaya hierherkamen. Eine andere Erzählung besagt, dass sich am Anfang des 19. Jahrhunderts Khmer hier niederließen. Heute lebten in Ban Bat noch insgesamt 189 Menschen, sagt Heelan. Es ist ein einfaches Leben inmitten der Großstadt. Die Frauen waschen die Wäsche noch auf der Straße. Und über allem liegt das Tick-tock-tick der Schalenmacher.

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Jahrgang 1976, politischer Korrespondent für Südostasien.

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