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Tamara Ecclestone Geld, Respekt und Zuckerwatte

Von ihrem Vater bekam sie Milliarden, von der Mutter, einem Exmodel, das Aussehen. Wie lebt es sich so als Tamara Ecclestone? Ein Hausbesuch in London.

© Michael Kretzer Vergrößern „Ich will mich nicht beschweren“: Tamara Ecclestone an der Tür ihres Hauses in Chelsea

Eine Klingel ohne Namensschild, daneben eine Videokamera und eine Stimme aus dem Lautsprecher: „Kommen Sie herein, Tamara ist gleich fertig.“ Das schwarze Eisentor geht auf, und damit öffnet sich der Blick auf eine andere Welt. Ein Bentley und ein Ferrari parken im Innenhof, an die Wand sind rosafarbene Schmetterlinge gemalt, daneben steht in verschlungener Schrift: „Home sweet home“. Willkommen in Chelsea, in einer der begehrtesten und teuersten Gegenden von London. Willkommen bei Tamara Ecclestone, bei einer der reichsten Frauen auf diesem Planeten. Erst kürzlich nahm das Magazin „Forbes“ sie in die Reihe der „Heißesten Milliarden-Erbinnen“ auf.

Tamara Ecclestone - Das englisch-kroatische Model, die Fernsehmoderatorin und Tochter des Formel-1 Chefs Bernie Ecclestone spricht in London  mit Michael Wittershagen © Michael Kretzer Vergrößern Nicht nur die Frisur sitzt: Ecclestone beim Interview.

Auf einmal steht sie im Esszimmer und reicht einem die Hand mit den knallroten Fingernägeln. Schlank ist sie, trägt High Heels und eine Leggings mit Leopardenmuster, das Lächeln versteckt Tamara Ecclestone hinter sehr viel Make-up. Sie setzt sich, den Rücken kerzengerade, ihr Visagist zieht noch einmal die Lippen nach und benetzt die dunklen Locken mit Haarspray. Auf dem flauschigen Teppichboden liegt Duke, ihr Chihuahua. Sie nickt zufrieden. Die Siebenundzwanzigjährige ist die älteste Tochter von Bernie Ecclestone, dem mächtigen Vermarkter der Formel 1, und Slavica Radic, einem ehemaligen Armani-Model. „Aber die Leute wissen nicht, wer ich wirklich bin“, sagt sie.

Begeben wir uns also auf Spurensuche und tauchen ein in ihr Leben. Im Treppenhaus ihrer Villa hängt ein Foto von ihr, darauf schwebt sie waagerecht in der Luft, gehalten von zwei Luftballons an den Armen und Füßen. Genauso stellt man sich gemeinhin den Alltag der Superreichen vor: schwerelos und sorgenlos. Schon Ende der neunziger Jahre hat Ecclestone für seine Frau und die beiden Töchter Tamara und Petra einen Treuhandfonds gegründet und soll ihnen rund 3,5 Milliarden Euro überschrieben haben. 2009 ließ er sich von seiner Frau scheiden und musste ihr noch einmal 843 Millionen Euro überweisen. Summen, mit denen Tamara aufgewachsen ist; als Model oder Moderatorin müsste sie schon lange nicht mehr arbeiten.

Tamara Ecclestone - Das englisch-kroatische Model, die Fernsehmoderatorin und Tochter des Formel-1 Chefs Bernie Ecclestone spricht in London  mit Michael Wittershagen © Michael Kretzer Vergrößern Ganz der Vater: Auch die Tochter scheint ein Faible für schnelle Autos zu haben.

Nervös spielt sie mit ihren Fingern, zupft immer wieder die Haare zurecht. Paparazzi sind ganz wild auf neue Bilder von ihr. Einige davon zeigen sie im knappen Bikini auf einer Yacht, auf anderen steht sie im Pyjama an der Straße und sieht dabei zu, wie der neue Ferrari angeliefert wird. Die britischen Magazine sezieren ihr Leben wie unter einem Brennglas, und manche sehen ihn ihr schon die englische Version von Paris Hilton, Hotelerbin und Partygirl aus Amerika. „Ich hoffe nicht, dass das wahr ist, wir sind vollkommen unterschiedliche Charaktere“, sagt Ecclestone. Und warum? „Nun, von mir gibt es zum Beispiel kein Sexvideo im Internet zu sehen.“

Mehr als zweihundert Paar Schuhe

Dafür gewährt sie andere Einblicke. Im vergangenen Jahr wurde in England „Billion Dollar Girl“ ausgestrahlt, danach wurde das Reality-TV-Format über das Leben der Tamara Ecclestone auch nach Australien, Neuseeland, Belgien, Italien, Estland, Finnland und Norwegen verkauft, im Mai dieses Jahres kommt die Serie nach Deutschland. „Die ganze Welt ist besessen davon, etwas über die Leben der anderen zu erfahren. Das verstehe ich, mir geht es doch genauso“, sagt Ecclestone. „Aber die Leute verbreiten so viele Lügen, es steht so viel Mist in den Zeitungen über mich. Viele denken, ich sei ein Dummkopf, ein verwöhntes und reiches Mädchen - das ist nicht die Wahrheit.“

Tamara Ecclestone - Das englisch-kroatische Model, die Fernsehmoderatorin und Tochter des Formel-1 Chefs Bernie Ecclestone spricht in London  mit Michael Wittershagen © Michael Kretzer Vergrößern Ein Leben wie „eine einzige Achterbahn“: Ecclestone im Heimkino ihres Hauses

Aber vielleicht ein Anfang. Sie besitzt mehr als zweihundert Paar Schuhe, unzählige Kleider und Handtaschen im Wert von beinahe einer Million Euro. „Andere sammeln Sportwagen oder Kunst“, sagt sie. „Ich liebe Mode. Und ich würde lügen, wenn ich sage, dass mir Luxus nicht gefällt.“ Für ein paar Tage mit dem Privatjet nach Cannes, Partynächte in den angesagtesten Clubs dieser Welt - ihrem Vater gefällt diese Art von Leben überhaupt nicht.

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