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Sonntag, 12. Februar 2012
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Taizé Attentäterin hatte Frère Roger nicht töten wollen

17.08.2005 ·  Bruder Roger ist bei einem Messerangriff getötet worden. Eine 36jährige Rumänin hat den Gründer der Gemeinschaft von Taizé beim Abendgebet niedergestochen. Offenbar hatte sie die Tat vorbereitet. Ihr Motiv allerdings ist nach einem ersten Verhör weiter unklar.

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Der Gründer der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé, Frère Roger, ist bei einem Messer-Angriff während eines Gottesdienstes getötet worden.

Während der religiösen Zeremonie am Stammort der Gemeinschaft in Ost-Frankreich sei eine Frau unter den rund 2500 Anwesenden aufgestanden und habe Roger mit drei Messerstichen getötet, gab die Polizei am späten Dienstag abend bekannt. Der 90 Jahre alte Roger sei sofort tot gewesen. Die Täterin, eine 36 Jahre alte Rumänin, sei von den Gläubigen überwältigt und festgehalten worden.

Schon am Montag das Messer besorgt

Die Angreiferin hat Frère Roger nach eigenem Bekunden nicht ermorden wollen. Sie habe „Aufmerksamkeit erzeugen, aber nicht töten wollen“, sagte der zuständige Staatsanwalt Jean-Louis Coste am Mittwoch in Macon nach ersten Verhören. Die Tat bestreite die Frau nicht. Sie habe mit Frère Roger sprechen wollen, sei aber wegen der vielen Menschen in Taizé zunächst nicht zu ihm vorgedrungen.

„Sie hat immer seine Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollen“, sagte Coste. „Das erscheint allerdings als Erklärung etwas zu kurz gegriffen.“ Die Frau mit dem Vornamen Luminita kaufte demnach schon am Montag ein Messer in der Stadt Cluny, nahe Taizé. Dies lasse „vielleicht“ an Vorsatz denken, sagte Coste. In diesem Fall werde die Anklage auf Mord lauten, sofern die Frau schuldfähig sei. „Es gibt hier sicher ein psychisches Problem“, erläuterte der Ermittler. Erste Untersuchungen hätten aber keine ausreichenden Gründe für eine Einweisung in die Psychiatrie erbracht. „Sie schien bei klarem Verstand zu sein.“ Deshalb habe er ein weiteres psychiatrisches Gutachten angefordert, sagte Coste.

Deutscher Bruder wird Nachfolger

Die Nachfolge Bruder Rogers ist schon geklärt. Künftig soll der deutsche Katholik Bruder Alois die Geschicke der ökumenischen Glaubensgemeinschaft in dem burgundischen Dorf nahe Dijon führen. Wie aus der Gemeinschaft verlautete, hatte Frère Roger den 51 Jahren alten Deutschen bereits vor acht Jahren zu seinem Nachfolger bestimmt. Bruder Alois, der seit 32 Jahren der Gemeinschaft von Taizé angehört, eilte vom Weltjugendtag in Köln sofort zurück nach Frankreich.

Papst Benedikt XVI. hat mit Entsetzen auf die Ermordung Frère Rogers reagiert. Bei seiner wöchentlichen Generalaudienz auf seiner Sommerresidenz in Castel Gandolfo südlich von Rom sagte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche: „Diese überaus traurige Nachricht trifft mich umso mehr, weil ich gerade erst gestern einen Brief von ihm erhalten habe.“ Darin habe der 90jährige Roger bedauert, daß er wegen seiner angeschlagenen Gesundheit nicht zum Weltjugendtag nach Köln reisen könne. Papst Benedikt wird am Donnerstag in der deutschen Domstadt erwartet.

Dort wurde die Nachricht ebenfalls mit Entsetzen aufgenommen. „Mit großer Bestürzung haben wir die Ermordung von Frère Roger, dem Gründer von Taizé, vernommen“, sagte der Generalsekretär des XX. Weltjugendtags in Köln, Prälat Heiner Koch. „Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Weltjugendtags beten für diese große Persönlichkeit. Insbesondere drücken wir der Gemeinschaft von Taizé, im besonderen den Brüdern, die im Bonner Münster und in der Kölner Kirche St. Agnes das Geistliche Zentrum des Weltjugendtags gestalten, unser tiefes Beileid aus.“ Roger sei der katholischen Kirche immer tief verbunden gewesen. „Zuletzt waren wir alle froh und dankbar, daß er am Begräbnis von Papst Johannes Paul II. teilgenommen hat.“

Mit „fassungsloser Bestürzung“ hat der Ratschef der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, auf den gewaltsamen Tod Rogers reagiert. „Frère Roger war ein Mensch der Versöhnung, des Trostes und der Zuversicht aus dem Glauben“, teilte Bischof Huber am Mittwoch mit. Sein Lebensweg sei geprägt gewesen von einem tief im Glauben wurzelnden Engagement für die Ökumene.

Tausende pilgern jährlich nach Taizé

Roger, ein protestantischer Pastor aus der Schweiz, war eine der führenden Figuren der ökumenischen Bewegung und genoß Respekt unter den Oberhäuptern verschiedener Konfessionen. Papst Johannes Paul II. besuchte die Gemeinschaft ebenso wie anglikanische Erzbischöfe von Canterbury, orthodoxe Metropoliten und protestantische Pastoren aus aller Welt. Seinen ökumenischen Männerorden gründete er 1940 in der burgundischen Ortschaft Taizé, in der er zunächst Flüchtlinge des Zweiten Weltkriegs aufnahm. Der Name des Ortes ist seit ein Synonym für die ökumenische Bewegung.

Heute besteht die Gemeinschaft aus mehr als 100 Ordensbrüdern aus mehr als 25 Ländern, Katholiken und Protestanten. Sie will zu einer Versöhnung der konfessionellen Spaltungen im Christentum beitragen. Jährlich pilgern Tausende Jugendliche, sowohl Protestanten als auch Katholiken, nach Taizé.

Quelle: FAZ.NET mit Material von Reuters, dpa, AFP
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