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Tagesschau-Sprecherin : Linda Zervakis und das Glück im Leben

„Irgendwie waren die anderen immer die Coolen“ – glaubte Zervakis, 38, jedenfalls in der Schule. Ihr Zutrauen in sich selbst, das kam erst später. Bild: Wahl, Lucas

Sie ist Tochter griechischer Eltern und Sprecherin der „Tagesschau“. Andere Leute nennen so was ein Beispiel perfekter Integration. Ihr selbst sind andere Dinge viel wichtiger.

          Es gibt nicht viele Momente, in denen eine Sprecherin der „Tagesschau“ die Nerven verliert. Aber es gibt sie. Zum Beispiel, wenn sie von ihrem kleinen Sohn erzählt, der mit Halsschmerzen und Fieber im Bett liegt, und man beiläufig fragt: „Vielleicht hat er Streptokokken?“ Für einen kurzen Moment sieht Linda Zervakis so aus, als sei sie auf Sendung, und der Teleprompter fällt aus. „Streptokokken?“ Sie reißt ihre Augen weit auf. „Daran habe ich noch gar nicht gedacht.“

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zervakis sitzt mit einer hellblauen Bluse in der hinteren Ecke eines Hamburger Cafés, und bis das Wort „Streptokokken“ fällt, hat sie mindestens nach jedem dritten Satz herzhaft gelacht. Man braucht eine Weile, um die beiden Folien übereinanderzulegen und zu erkennen, dass es sich dabei um ein und dieselbe Person handelt: einmal die Frau auf dem Bildschirm, die mit ihren großen dunklen Augen und der angenehm warmen Stimme in seriösem Tonfall sagt: „Guten Abend, meine Damen und Herren.“ Und dann die Frau, die sich nicht mehr einkriegt, weil ihr Gegenüber ungeschickt ein Brot in die Tomatensuppe fallen lässt und sie lachend sagt: „Das hätte mir auch passieren können, und für Sie wäre es ein schöner Einstieg gewesen: ,Zervakis hat heute wieder Chaos in ihrem Leben.‘“

          Humorlos?

          Seit 2010 ist Linda Zervakis Sprecherin bei der „Tagesschau“, seit einem Jahr auch bei den 20-Uhr-Nachrichten. Wer das erreicht hat, wird automatisch das Gesicht einer Institution, auf einer Bedeutungsebene mit der Kanzlerin und Jogi Löw. Mit dem Unterschied, dass die beiden anderen Schleudersitz-Posten haben. „Tagesschau“-Sprecher aber ist man, wenn man nicht gerade wie Eva Herman grob fahrlässig handelt, bis zur Pensionierung. Der Nachteil: Die Zuschauer halten einen für seriös, pflichtbewusst – und humorlos.

          Vor kurzem war Zervakis zu Gast bei der Talkshow „Inas Nacht“, einer ARD-Sendung mit Musik, Gesprächen, Gesang und viel Alkohol. „Wenn du dich jetzt richtig abschießt, würde morgen Jan Hofer anrufen und sagen: ,Das geht nicht‘, oder?“, fragte Moderatorin Ina Müller. „Vermutlich ja“, Zervakis überlegte kurz, „aber ich habe es trotzdem vor.“ Und dann bricht wieder ihr hohes, glucksendes Lachen aus ihr heraus, das meistens dann kommt, wenn sie sich über sich selbst lustig macht. Das Erstaunliche: Es gelingt ihr, sich neben der überdrehten Müller zum Deppen zu machen, zu singen, zu tanzen und einen „Strohhalm-Porno“ zu geben – und trotzdem noch souverän zu wirken.

          Heutzutage muss sie wirklich cool bleiben, vor allem um 20 Uhr.
          Heutzutage muss sie wirklich cool bleiben, vor allem um 20 Uhr. : Bild: dpa

          Nach der Sendung habe sie sich allerdings schon Gedanken gemacht, ob das grenzwertig gewesen sei, gesteht sie im Gespräch. „Aber dann hatte ich fast 400 Nachrichten auf meiner Facebook-Seite. Und da ist normalerweise nicht so viel los. Die waren ungelogen alle positiv.“ Keiner war dabei, der ihren Auftritt peinlich fand. „Die sagten eher: ,Endlich mal eine Tagesschausprecherin, die lustig ist.‘“

          Sie komme aus einer „sehr humorigen“ Familie, erklärt sie ihre Lust an der Selbstironie. „Wir sind zu Hause alle sehr lustig. Für Schabernack war immer Zeit.“ Das klingt harmloser, als es ist, denn für ihre Familie war es auch eine Überlebensstrategie.

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