18.05.2007 · Wer nun die Wahrheit sagt, ist für die Öffentlichkeit ganz und gar unerheblich: Ein herrlicher Nachbarschaftsstreit zwischen Adel und Bürgertum um nichts Geringeres als eine Zaunlatte.
Von Mechthild KüpperWer nach der friedlichen Revolution und dem Ende der DDR auf Datschenjagd im nunmehr zugänglichen schönen Berliner Umland ging, lernte rasch, dass friedliche Nachbarschaft auf dem Lande wohl noch schwieriger zu erhalten ist als in einem ordinären Mietshaus, wo der Komment jahrzehntelang eingeübt wurde und die soziale Kontrolle einigermaßen funktioniert.
Dem Rat erfahrener Leute, bei Nachbarschaftsstreit das Haus am besten sofort zu verkaufen und es woanders zu versuchen, werden voraussichtlich weder der SPD-Bundestagsabgeordnete Markus Meckel noch Angelica Gräfin Arnim folgen. Meckels Wahlkreis ist die Uckermark, sein Wohnsitz im Wahlkreis 57 ist seit dem Jahr 2000 eine Arbeiterkate im Flecken Mahlendorf nördlich von Templin, im schönen Boitzenburger Land am Großen Küstinsee gelegen.
Des Diebstahls einer Zaunlatte bezichtigt
Gräfin Arnim wohnt in einem ehemaligen Arnimschen Jagdhaus; ihr Mann und sie erwarben und pachteten in den neunziger Jahren Haus und Land in Mahlendorf, um dort Pferde und Rinder zu halten.
Am Freitag zog das Landgericht Neuruppin zu einem Ortstermin nach Mahlendorf, zu einer Wiese, die Meckel gemeinsam mit anderen 2005 erwarb. Meckel verklagt Gräfin Arnim wegen Verleumdung; sie hatte ihn in einem auch an andere geschickten Brief im Mai vergangenen Jahres des Diebstahls einer Zaunlatte bezichtigt. Vorher aber hatten sich Meckel und Arnims um schon alles mögliche gestritten, das Außenstehenden lachhaft erscheinen muss: um die Nutzung des Sees, den Steg, das Nacktbaden, um gegenseitige Übergriffe, um das vermeintlich krumme Bieterverfahren für Meckels Häuschen und um einen unaufklärbaren Stinkbombenanschlag auf sein Auto - seit Jahren liest man immer neue Wendungen im Nachbarschaftstreit. Wegen der bekannten Namen der Beteiligten wird diese Auseinandersetzung öffentlich interessant.
Er will nicht Dieb genannt werden
Das Gericht ließ sich also die Gegebenheiten in Mahlendorf zeigen und erklären, dass in einem Schuppen drei Kollestangen aufbewahrt wurden, die Meckel widerrechtlich in einen Zaun an seiner Wiese eingebaut haben soll. Weitere Zeugen wurden nicht gehört. Meckel sagte gegenüber dieser Zeitung, der Richter wolle offensichtlich einen Vergleich zwischen den Streitenden erreichen, in dem festgehalten werde, dass er, der Abgeordnete Meckel, mit einem Diebstahl von Zaunlatten jedenfalls nichts zu tun habe, und wenn das so formuliert werde, sei er einverstanden. Sein Ziel, nicht Dieb genannt zu werden, sei damit jedenfalls erreicht.
Das Gericht wird den Kombattanten in der nächsten Zeit einen Vergleichsvorschlag unterbreiten. Nehmen sie ihn an, ist die Sache damit erledigt. Lehnen sie ihn ab, müssen vor dem Landgericht Zeugen gehört werden, und außerhalb des Gerichts wird sich wohl niemand finden lassen, der darauf wetten würde, dass der Streit nicht noch jahrelang weitergeht.
Vernunft?
Sven Ganzenmüller (GanzMue)
- 18.05.2007, 19:19 Uhr