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Streit um Geburtsurkunde : Ich bin ich

  • Aktualisiert am

Nicht er, nicht sie: Vanja aus Niedersachsen Bild: dpa

In der Geburtsurkunde steht „weiblich“, aber als „sie“ möchte sich ein junger Mensch aus Niedersachsen nicht bezeichnen lassen. Als „er“ auch nicht. Der Fall könnte höchste Gerichte beschäftigen.

          Ein junger Mensch aus Niedersachsen fühlt sich weder als Mann noch als Frau und möchte seine Geburtsurkunde entsprechend ändern lassen. Die Angabe „weiblich“ solle gestrichen und stattdessen „inter/divers“ eingetragen werden, beantragte der/die 25 Jahre alte Vanja am Montag im Standesamt Gehrden bei Hannover.

          Es stimme nicht, dass es nur Männer und Frauen gebe, begründete der Mensch, der von einer Unterstützergruppe begleitet wurde. Mit Bart und Baseballkappe wirkt der Antragsteller respektive die Antragstellerin wie ein junger Mann und möchte auch nicht als „sie“ bezeichnet werden. Die Eltern haben die Person bei der Geburt allerdings als Mädchen registrieren lassen.

          Zur Not bis vor das Bundesverfassungsgericht

          Schon vor mehr als zehn Jahren hatte eine intersexuelle Person in München vergeblich versucht, vor Gericht einen dritten Geschlechtseintrag im Ausweis durchzusetzen. Jetzt will die Gruppe um den/die niedersächsische/n Vanja bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen, falls dies nötig werden sollte.

          Die Standesbeamtin in Gehrden habe signalisiert, dass sie den Antrag an das Amtsgericht Hannover weiterleiten werde, sagte die Rechtsanwältin Katrin Niedenthal, nachdem sie den Antrag gemeinsam mit der 25 Jahre alten Person abgegeben hatte.

          Nach Schätzungen leben rund 80.000 Menschen ohne klar bestimmbares Geschlecht in Deutschland. Betroffenen-Verbände bemühen sich um Aufklärung und Gleichberechtigung. Als menschenrechtswidrig lehnen sie frühe operative Eingriffe zur Geschlechterbestimmung ab. Eine Gesetzesänderung auf Empfehlung des Deutschen Ethikrates ermöglicht es seit November, Kinder ohne Geschlechtsangabe ins Geburtenregister einzutragen, wenn sie nicht klar als Junge oder Mädchen zuzuordnen sind.

          Quelle: DPA

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