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Stil-Fragebogen: Patricia Urquiola : „Ich bin nicht der Spaghettityp“

  • Aktualisiert am

Der Stil sollte zur Seele passen: Designerin Patricia Urqiola. Bild: Alessandro Paderni / Moroso

Patricia Urquiola zählt zu den einflussreichsten Designern der Welt. Im Stil-Fragebogen spricht sie über Marcel Proust, ihre Kinder und warum sie mit BMW zusammenarbeitet, obwohl sie keine Autos mag.

          Die Spanierin, 1961 in Oviedo geboren, studierte zuerst in Madrid, dann in Mailand bei Achille Castiglioni. Unter anderen arbeitete sie für Vico Magistretti. 2001 gründete sie mit ihrem Mann Alberto Zontone ihr eigenes Studio. Zur Möbelmesse in Mailand im April präsentierte das Studio Urquiola bei 15 verschiedenen Herstellern Neuheiten, auch bei Moroso; mit Patrizia Moroso ist Patricia Urquiola befreundet. Ihre wohl bekannteste Arbeit für die Marke: die Blütenliege „Antibodi“.

          Was essen Sie zum Frühstück?
          Tee, Brötchen, Mandarinen und manchmal Joghurt.

          Wo kaufen Sie Ihre Kleidung ein?
          Ich habe Freunde, die in der Modebranche arbeiten, ohne davon besessen zu sein. Sie beraten mich gut.

          Hebt es Ihre Stimmung, wenn Sie einkaufen?
          Es steht nicht ganz oben auf der Liste meiner Stimmungsaufheller, aber hin und wieder funktioniert es, etwa wenn ich an Flughäfen warten muss. Ich hasse Lounges.

          Was ist das älteste Kleidungsstück in Ihrem Schrank?
          Ein grünes Kleid von Marni und eine gemusterte Jacke. Sie packe ich oft in meinen Koffer.

          Was war Ihre größte Modesünde?
          Über so etwas denke ich nicht nach. Das einzige, was mir dazu einfällt: Vielleicht trage ich zu oft Jeans.

          Tragen Sie zu Hause Jogginghosen?
          Nein. Niemals!

          Haben Sie Stil-Vorbilder?
          Der Stil sollte zur Seele passen, sich natürlich anpassen. Wir sind alle unterschiedlich. Es ist furchtbar langweilig, wenn Menschen den Stil von anderen übernehmen.

          Haben Sie schon einmal ein Kleidungs- oder ein Möbelstück selbst gemacht?
          Im Design arbeite ich mit Firmen an Möbelstücken zusammen. Aber die Kleidung, die ich kaufe, ändere ich immer ab. Meine Töchter Sophia und Giulia machen sich über mich lustig und sagen: Mama, Du machst es kaputt! Ich sage dann: Ich passe die Sachen an.

          Besitzen Sie ein komplettes Service?
          Ich besitze eine Menge nicht kompletter Service. Selbst von dem Service Landscape, das ich für Rosenthal entworfen habe, besitze ich nur Einzelteile. Einen Esstisch sollte man aber auch nach Bedarf nutzen. Ein Essen beginnt vielleicht mit feinem Porzellan und endet auf Plastik. Man sollte es miteinander mischen können.

          Mit welchem selbst zubereiteten Essen konnten Sie schon Freunde beeindrucken?
          „Beeindrucken“ ist ein großes Wort. Ich habe Freunde, die besser kochen können als ich. Ich werfe gerne alles, was ich im Kühlschrank finde, in den Wok und erziele interessante Ergebnisse. Ich bin nicht der Spaghetti-Typ.

          Welche Zeitungen und Magazine lesen Sie?
          Wir lesen Architekur-, Design- und Kunst-Magazine, die italienischen Tageszeitungen inzwischen auf dem iPad, mein Mann Alberto eher am Morgen, ich in der Nacht. Samstags kaufen wir gerne die „Financial Times“ und die „Bloomberg Businessweek“.

          Welche Websites und Blogs lesen Sie?
          Dezeen, Pinterest, Spotify, Linkedin, The Cool Hunter, ledictateur.com.

          Wann haben Sie zuletzt handschriftlich einen Brief verfasst?
          Vor gar nicht langer Zeit - an einen Freund, der ein Problem hatte. Ich fand, das ist direkter.

          Welches Buch hat Sie in Ihrem Leben am meisten beeindruckt?
          Als ich meine Abschlussarbeit an der Universität schrieb, war ich besessen von dem systemischen Konzept von Marcel Prousts „Recherche“. Und Bücher, die einen in der Jugend beeindrucken, prägen einen ja besonders.

          Ihre Lieblingsvornamen?
          Giulia und Sophia. Und Lucia, der Name meiner Mutter und meiner Schwester. Patricia mag ich nicht besonders. Er ist zu lang.

          Ihr Lieblingsfilm?
          „La Notte“ von Michelangelo Antonioni war einer der Gründe, warum ich nach Mailand kam. Auf jeden Fall beeinflusste er die Entscheidung, Spanien zu verlassen, mehr als Memphis und die anderen unglaublichen Dinge, die in den Achtzigern im Design in Mailand geschahen.

          Fühlen Sie sich mit oder ohne Auto freier?
          Wir nutzen das Auto kaum. Es steht in der Garage. Wir haben unsere Wohnung und unser Studio im selben Gebäude. Die Metro-Station ist ums Eck, und wenn wir reisen, fahren wir mit dem Taxi zum Flughafen. Ich persönlich mag keine Autos. Das sagte ich auch BMW, als sie mich fragten, ob ich für sie arbeiten würde. Sie meinten, das sei genau das, was sie wollten.

          Tragen Sie eine Uhr?
          Nicht immer, aber meistens.

          Tragen Sie Schmuck?
          Ich liebe Ringe, spielerische, wie diese schwarze Katze. Ich trage aber keinen Schmuck ums Gesicht. Ich mag auch keine besonderen Ohrringe oder Halsketten.

          Haben Sie einen Lieblingsduft?
          Ich wechsle. Manchmal bekomme ich von Parfüm Kopfschmerzen.

          Was ist Ihr größtes Talent?
          Neugier. Und Einfühlungsvermögen.

          Was ist Ihre größte Schwäche?
          Meine Töchter.

          Wie kann man Ihnen eine Freude machen?
          Indem man man selbst ist. Ich mag Menschen, die ihren Geist nutzen, um Dinge zu ändern. Ich mag gute Gespräche, Musik, Kunst. Und meine Familie macht mich natürlich glücklich. Sophia am Morgen zum Beispiel. Schöner kann ich nicht aufwachen.

          Was ist Ihr bestes Smalltalk-Thema?
          Menschen zu fragen, was sie mögen oder nicht mögen.

          Sind Sie abergläubisch?
          Nein.

          Wo haben Sie Ihren schönsten Urlaub verbracht?
          Mit der Familie in Spanien auf dem Land.

          Und wo verbringen Sie Ihren nächsten Urlaub?
          Keine Ahnung. Wir planen immer in letzter Minute.

          Was trinken Sie zum Abendessen?
          Zu Hause Wasser, im Restaurant Wein.

          Aufgezeichnet von Peter-Philipp Schmitt.

          Quelle: Frankfurter Allgemeine Magazin

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