26.06.2006 · Der zweitreichste Mann der Welt macht dem reichsten Mann Bill Gates Konkurrenz als größter Wohltäter Amerikas: Milliardär Warren Buffett will den Großteil seines Vermögens abgeben, den Löwenanteil an die Gates-Stiftung.
Von Norbert Kuls, New YorkDer berühmte Investor Warren Buffett, zweitreichster Mann der Vereinigten Staaten, spendet einen Großteil seines auf 44 Milliarden Dollar bezifferten Vermögens an die Stiftung von Microsoft-Gründer Bill Gates sowie vier weitere gemeinnützige Organisationen. Die „Bill & Melinda Gates Foundation“ wird Aktien von Buffetts Holding-Gesellschaft Berkshire Hathaway im Wert von knapp 31 Milliarden Dollar erhalten, teilte Buffett mit. Damit verdoppelt sich das Vermögen der schon jetzt größten privaten Stiftung der Vereinigten Staaten.
Die zweitgrößte Stiftung ist die Ford Foundation mit Anlagen im Wert von fast 12 Milliarden Dollar. Bill Gates, derzeit noch Verwaltungsratschef von Microsoft und der reichste Mann Amerikas, hatte vor zwei Wochen angekündigt, sich ab 2008 aus dem Softwarekonzern zurückziehen und sich voll auf seine Stiftung konzentrieren zu wollen. Die Stiftung unterstützt den Kampf gegen Hunger, Malaria und Aids in Afrika und setzt sich für die Verbesserung der Schulausbildung in den Vereinigten Staaten ein.
Bridge über das Internet
Den 50 Jahre alten Gates und den 75 Jahre alten Buffett verbindet seit ihrem ersten Zusammentreffen im Jahre 1991 eine enge Freundschaft. Die beiden spielen gemeinsam Bridge über das Internet und schätzen den Rat des anderen in persönlichen und geschäftlichen Fragen. Gates übernahm nach dem Tod von Buffetts Frau im vergangenen Jahr ihren Sitz im Verwaltungsrat von Buffetts Holding-Gesellschaft Berkshire Hathaway. Buffett, der eigentlich eine Aversion gegen Technologieaktien hat, hat über Berkshire in Microsoft investiert. Gates gehören Berk-shire-Aktien im Wert von 300 Millionen Dollar.
Buffett hatte bereits in der Vergangenheit angekündigt, sein gesamtes Vermögen spenden zu wollen. Er vertritt die Meinung, daß Kinder reicher Eltern jeglichen Antrieb verlieren und verdorben werden können, wenn sie Millionen erben. Dennoch gilt der Zeitpunkt und der Empfänger der Spende als Überraschung. „Die meisten Leute mit einer solchen Summe Geld würden versuchen, ihre eigene Stiftung zu gründen“, sagte Gene Tempel, Leiter des Center on Philantrophy an der Indiana University. Buffett vertraue sein Geld jemandem an, mit dem er eine enge persönliche Beziehung habe und der jung genug sei, um sicherzustellen, daß das Geld richtig eingesetzt werde. Buffett hat gegenüber dem Magazin „Fortune“ gesagt, daß der Tod seiner Frau und seine Bewunderung für Bill und Melinda Gates ihn dazu bewogen hätten, das Geld noch vor seinem Tod zu spenden.
Eine Ära von Mega-Stiftungen?
Die anderen vier Stiftungen, die insgesamt Berkshire-Aktien im Wert von etwa 6 Milliarden Dollar erhalten, sind Organisationen seiner drei Kinder sowie die schon vor vierzig Jahren gegründete Susan Thompson Buffett Foundation, die nach seiner verstorbenen Frau benannt ist. Diese Stiftung konzentriert sich auf Themen wie Familienplanung, Recht auf Abtreibung und den Kampf gegen die Verbreitung von Nuklearwaffen.
Das Abkommen zwischen Buffett und Gates könnte eine Ära von Mega-Stiftungen einleiten. Daniel Borochoff, der Präsident des American Institute of Philantrophy, bezeichnete Buffetts Spende als „revolutionär“. „Anstatt zu konkurrieren, legen sie ihre Ressourcen zusammen, um ihre gemeinsamen Ziele zu verfolgen. Sie werden Wirkung auf Millionen von Menschen haben“, sagte Borochoff.
Der in Omaha, Nebraska, in relativ bescheidenen Verhältnissen lebende Buffett hat sich in den vergangenen Jahrzehnten einen Ruf als genialer Investor erworben, der ihm den Spitznamen „Orakel von Omaha“ eingebracht hat. Tausende von Aktionären pilgern jährlich zur Hauptversammlung von Berkshire, eine Veranstaltung, die Buffett in seiner humorvollen Art als „Woodstock für Kapitalisten“ bezeichnet. Buffett hatte 1965 die Textilfirma Berkshire Hathaway gekauft und sie seither zu einer großen Anlage- und Holdinggesellschaft ausgebaut. Berkshire ist stark im Versicherungsgeschäft engagiert. Unter ihrem Dach findet sich aber ein Sammelsurium von Unternehmen, das vom Textilhersteller Fruit of the Loom bis zur Schnellrestaurantkette Dairy Queen reicht. Buffett hält über Berkshire seit längerem auch große Aktienpakete beim Finanzdienstleister American Express oder beim Getränkehersteller Coca-Cola. Die Reputation von Buffett kann man auch am Preis für ein Mittagessen mit ihm ermessen. Für 351 100 Dollar ersteigerte sich jüngst ein Bieter bei Ebay einen Lunch mit Buffett. Auch dieses Geld spendete Buffett für einen guten Zweck.