27.04.2007 · Der fast vollständig gelähmte Astrophysiker Stephen Hawking will ins All. Auf seine abenteuerliche Reise hat sich der 65-Jährige nun mit einem Sturzflug in die Schwerelosigkeit vorbereitet.
Der gelähmte britische Astrophysiker Stephen Hawking hat für wenige Minuten seinen Rollstuhl verlassen und die Schwerelosigkeit getestet: An Bord einer umgebauten Boeing 727-200 hob der 65-Jährige am Donnerstag vom amerikanischen Weltraumbahnhof Kennedy Space Center in Florida zu einem Experimentalflug ab und erlebte das Gefühl völliger Leichtigkeit. „Es war wundervoll“, sagte der Wissenschaftler anschließend. „Ich hätte immer weiter machen können.“ Hawking wollte sich mit dem wenige Minuten dauernden Flug auf eine Raketenreise ins Weltall vorbereiten, die er für 2009 plant.
Begleitet von vier Ärzten und zwei Krankenschwestern war der fast vollständig gelähmte Hawking zu dem zweistündigen Achterbahnflug abgehoben. Speziell ausgebildete Piloten brachten das Flugzeug im 45-Grad-Winkel in 10.000 Meter Höhe, bevor sie es im kontrollierten Sturzflug 2500 Meter in die Tiefe sacken ließen und so für etwa 30 Sekunden die Schwerkraft aufgehoben wurde. Hawking ließ sich während des Flugs bei Erreichen der Schwerelosigkeit aus seinem Rollstuhl heben. Die Piloten wiederholten die Prozedur acht Mal und ließen den Astrophysiker so insgesamt vier Minuten die Schwerelosigkeit genießen.
„Ich hätte immer weiter machen können“
Der Wissenschaftler wirkt bei seinem Flug in der ausgepolsterten Kabine völlig gelöst und glücklich. Hawking sagte laut TV-Berichten: „Ich hätte immer weiter machen können. Weltraum, ich komme!“ Nach dem Eindruck der Ärzte hat Hawking eine „unglaubliche Kondition“. Herzschlag und Blutdruck seien „normal und perfekt“ gewesen, hieß es bei BBC. Bei den so genannten Parabelflügen herrscht in der Kabine des Flugzeugs kurzzeitig Schwerlosigkeit. Solche Flüge sind auch Teil des Astronautenprogramms. Hawking will 2009 nach eigenen Angaben mit einer Virgin-Galactic-Rakete des britischen Unternehmers Richard Branson ins All fliegen.
Der Wissenschaftler sagte nach dem Erlebnis, er sei der Raumfahrt nun näher gekommen. „Ich habe lange darauf gewartet, ins Weltall zu fliegen“, sagte er. „Ein Schwerelosigkeitsflug ist der erste Schritt dorthin. Ich hoffe, viele Menschen werden in meine Fußstapfen treten.“ Er wolle das öffentliche Interesse für die Raumfahrt steigern, sagte der Wissenschaftler. „Ich denke, die Menschheit hat keine Zukunft, wenn sie nicht ins Weltall fliegt.“ Das Leben auf der Erde sei angesichts des Klimawandels, des Atomkriegsrisikos oder der Gefahr eines genetisch erzeugten Virus zunehmend vom Aussterben bedroht.
Leidet an unheilbarer Krankheit ALS
Hawking ist seit mehr als vier Jahrzehnten an den Rollstuhl gefesselt. Im Jahr 1963 stellten die Ärzte bei ihm die unheilbare Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) fest. Nach einer Notoperation mit Luftröhrenschnitt kann der Astrophysiker nur noch per Augenbewegung über einen Sprachcomputer mit der Außenwelt kommunizieren. Trotz seiner Behinderung machte Hawking als Astrophysiker eine beispiellose Karriere. Mit 32 wurde er in die „Royal Society“ der britischen Wissenschaften aufgenommen, mit 37 bekam er in Cambridge den berühmten Lucasischen Lehrstuhl für Mathematik, den einst Sir Isaac Newton innehatte. Über die Welt der Wissenschaft hinaus wurde der Brite aber erst später bekannt: 1988 mit seinem populärwissenschaftlichen Sachbuch „Eine kurze Geschichte der Zeit“. Weltweite Auflage: mehr als 20 Millionen Exemplare.
Anfang der 70er Jahre sagte er voraus, dass Schwarze Löcher - riesige, extrem massereiche Objekte im Kosmos - unter bestimmten Umständen Energie verlieren. Heute wird dieses Phänomen „Hawking- Strahlung“ genannt.